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Parkinson'sche Gesetz: Warum wir bis zur letzten Sekunde warten

von Jochen Mai und Daniel Rettig

Je mehr Zeit jemandem für eine Aufgabe gegeben wird, desto länger braucht er auch - ein weit verbreitetes Phänomen.

Uhr Quelle: Fotolia
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1955 veröffentlichte der Historiker Cyril Northcote Parkinson im britischen Wirtschaftsmagazin „The Economist“ einen Beitrag unter der Überschrift „Parkinson’s Law“. Dass das Essay nicht ganz ernst gemeint war, hätte man ahnen können. Im zweiten Absatz gab der Autor an, ein neues Gesetz entdeckt zu haben, das er nun erstmals präsentieren wolle: das Parkinson’sche Gesetz. In einer Fußnote thematisierte er dessen Namen: „Warum? Warum nicht?“, hieß es dort lapidar. Typisch britischer Humor.

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Die Aussage dieses Gesetzes: „Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“ Mit anderen Worten: Je mehr Zeit wir uns für eine Aufgabe nehmen, desto länger brauchen wir auch dafür. 

Nun muss man hinzufügen, dass der Wissenschaftler seine Kritik damals hauptsächlich auf die britische Verwaltung bezog, insbesondere die Marine. Dort war die Zahl der Admiräle zwischen 1914 und 1928 um 78 Prozent gestiegen, während die Anzahl der Schiffe um 67 Prozent gesunken war und die der Offiziere um 31 Prozent. Mit anderen Worten: Es gab weniger Arbeit, aber mehr Chefs.

Beschlüsse fallen zum Schluss

Doch auch wenn es Satire war, enthalten seine Aussagen einen wahren Kern. Ist es nicht seltsam, dass in Meetings die Beschlüsse immer erst ganz zum Schluss fallen, obwohl die Diskussion davor nicht wirklich zur Erhellung beigetragen hat? Und komisch, dass manche Arbeitnehmer immer exakt gleich lange im Büro werkeln, obwohl ihre Arbeit starken Zyklen unterliegt?

Wir schöpfen den Rahmen eben voll aus – nur nicht immer zu unserem Besten. Hier und da einfach beherzt ein paar Limits zu setzen, könnte helfen. Oder zumindest etwas Parkinson’scher Humor. Der Brite verstarb 1993 im Alter von 83 Jahren. Den Sinn für Satire hat er sogar mit ins Grab genommen. Sprichwörtlich: Sein Gesetz steht auch auf seinem Grabstein.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 10.07.2011, 16:35 UhrAnonymer Benutzer: Energiesparmaßnahme

    Das ist eine logische Energiesparmaßnahme unseres Körpers, die man auch böswillig als Faulheit bezeichnen kann. Der Mensch befindet sich immer im Konfliktfeld zwischen Faulheit und Zielerreichung, die logische Schlussfolgerung ist, das er seine Ziele mit so wenig Aufwand wie möglich erreichen will. Wenn er mehr Zeit hat, teilt er sich diese ein, und strengt sich weniger an als wenn er unter Zeitdruck steht.

    Die Schlussfolgerung könnte sein, das der Chef die Zeitrahmen nur eng genug stecken muss, um dieses Problem zu lösen, aber dann wird statt an der Ausführungsgeschwindigkeit eben an der Qualität gespart. Das ergebnis sind dann schnellere aber qualitativ schlechtere Leistungen.

    Die Kunst liegt in der Gewährung einer angemessenen Arbeitszeit sowie in der gelegentlichen Kontrolle des Fortschritts. Wenn der Mitarbeiter weis, das er regelmäßig nach dem Wasserstand gefragt wird, wird er seine Energiesparmassnahmen reduzieren weil er sich durchaus beobachtet fühlt. Der gestelllte zeitrahmen wird dann, um nicht untätig zu wirken, auch vermehrt zur Qualitätssicherung eingesetzt.

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