Plagiatsvorwürfe: Guttenberg in guter Gesellschaft

Plagiatsvorwürfe: Guttenberg in guter Gesellschaft

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Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)

Noch nie hat ein Land so intensiv über eine Doktorarbeit diskutiert: Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg steht wegen Plagiatsvorwürfen am Pranger - auch Topmanager stolperten schon über geklaute Titel, viele Manager verhielten sich bei ihrer Titelansammlung cleverer.

Wer sich empört, muss emotional involviert sein. Ansonsten würde er die Dinge nüchtern sehen, mit dem Kopf schütteln und gleich wieder abhaken. Aber die Öffentlichkeit hakt die Plagiatsaffäre von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nicht einfach so ab. Dafür sind die Vorwürfe zu heftig - und vielleicht sind dafür auch zwei Gefühle verantwortlich. Zum einen ist da viel Fassungslosigkeit - wie konnte zu Guttenberg nur so dumm sein? Und Enttäuschung - ist dieser Mann nicht klug genug, es besser zu wissen?

Offenbar nein.

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Die Belege, die zahlreiche Medien in ihren Online-Versionen heute in hübsch aufbereiteten Graphiken präsentieren, sind erdrückend. Und zwar so erdrückend, dass als drittes Gefühl gleich noch Ratlosigkeit mitschwingt: Wie will zu Guttenberg aus der Nummer je wieder herauskommen?

Klar ist erstmal nur eins: Offenbar hatte der Bundesverteidigungsminister vor einigen Jahren den dringenden Wunsch, sich mit einem akademischen Titel zu schmücken. Damit ist er in guter Gesellschaft - denn auch deutsche Top-Manager prahlen gerne mit ihren akademischen Auszeichnungen. Längst nicht immer steckt dahinter jedoch eine intellektuelle Ochsentour.

Manager sammeln akademische Titel wie andere Leute Briefmarken

Anfang 2007 verkündete etwa der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, er wolle seine Erfahrungen „an der Uni oder vielleicht auch im gesellschaftlichen Bereich“ weitergeben. Und schwupps: Schon ein Jahr später berief ihn die Universität Frankfurt zum Honorarprofessor – ohne langwierige Habilitation oder lästige Juniorprofessur.

Auch der ehemalige Siemens-Vorsitzende Heinrich v. Pierer hat seine akademischen Ehrentitel längst beisammen. Er ist Ehrendoktor der Technischen Universitäten in München und Berlin, an der Universität Nürnberg-Erlangen lehrte er als Honorarprofessor über „Grundfragen des Managements“.

Deutsche Unternehmenslenker sammeln akademische Titel wie andere Leute Briefmarken. Die meisten haben promoviert, andere wollen durch universitäres Engagement einen Ehrendoktor erwerben. Bei besonderer Großzügigkeit ist gegebenenfalls sogar ein Honorarprofessor drin.

Zuweilen gibt es ein auffälliges Zusammenspiel von Spenden und Ehrentiteln. Der Spediteur Klaus-Michael Kühne etwa gründete im Jahr 2003 gemeinsam mit der Stadt Hamburg und der Technischen Universität Hamburg-Harburg die Hamburg School of Logistics. Über 30 Millionen Euro stellte Kühne im Laufe der Jahre dafür zur Verfügung. Heute heißt der Logistikzweig der TU „Kühne School of Logistics and Management“, Kühne selbst ist Ehrenprofessor der Stadt Hamburg.

Doch nicht jeder verfügt über so viel Kapital, sei es monetärer oder geistiger Natur. Keine Sorge: Den Ehrendoktor, kurz Dr. h. c., gibt es meist schon für ein paar Vorträge oder Seminare. Es soll schon Manager gegeben haben, die das lästige h.c. im Lebenslauf im Anschluss einfach vergessen haben.

Keine Frage, ein Doktortitel ist immer eine effektvolle und gleichzeitig zurückhaltende Eigenwerbung – kein Wunder, dass manch einer in Versuchung gerät, beim Erwerb des Titels zu schummeln. So ließ sich der BBDO-Consulting-Weltchef Udo Klein-Bölting erwischen und flog 2006 auf.

Jährlich 1000 Doktortitel ergaunert

Experten schätzen, dass jährlich bis zu 1000 Doktortitel ergaunert werden. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, im Zeitalter des Internets extrem hoch - was Karl-Theodor zu Guttenberg derzeit am eigenen Leib erfährt.

Vielleicht sollte er sich demnächst mal mit Michael Träm unterhalten. Der frühere Europachef der Unternehmensberatung A. T. Kearney gab seinen Posten im Jahr 2004 unfreiwillig auf. Der Grund: Es war aufgeflogen, dass er seinen Doktortitel zu Unrecht führte. Das war zwar enorm peinlich, spornte Träm aber umso mehr an. Er tauchte zunächst aus der Öffentlichkeit ab und holte die Promotion an der Universität Saarbrücken nach. Im Jahr 2006 meldete er sich als CEO der Unternehmensberatung Arthur D. Little zurück. Den Posten hat er heute immer noch.

Weniger effektiv, aber nicht minder einfallsreich war die Reaktion des inzwischen verstorbenen deutschen Schriftstellers Walter Kempowski. Im Jahr 1990 warf ihm ein Journalist vor, für seinen Bestseller „Aus großer Zeit“ bei einem anderen Autor abgeschrieben zu haben. Kempowski reagierte gelassen: Seine Methode sei "eher das Finden als das Erfinden". Das gleiche gilt wohl auch für zu Guttenberg.

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