Pokerspieler Pius Heinz: "Pokern ist immer Psychologie"

Pokerspieler Pius Heinz: "Pokern ist immer Psychologie"

Der 22-jährige Student Pius Heinz erreichte vor einer Woche das Finale des berühmtesten Pokerturniers der Welt - und gewann umgerechnet etwa 530.000 Euro Preisgeld. In seinem ersten Interview erzählt Heinz von seinen Plänen.

WirtschaftsWoche: Herr Heinz, erstmal herzlichen Glückwunsch. Sie sind als erster Deutscher überhaupt im Finale des berühmtesten Pokerturniers der Welt - dem "Main Event" der World Series of Poker (WSOP). Haben Sie den Erfolg schon realisiert?

Heinz: Nein, noch nicht, dafür ist der Erfolg zu groß und überraschend. Ich werde wohl noch ein paar Wochen brauchen, um ihn zu 100 Prozent zu verarbeiten.

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Von knapp 6900 Teilnehmern haben Sie es unter die letzten neun geschafft. Als Mitglied der so genannten "November Nine" haben Sie schon jetzt umgerechnet etwa 530.000 Euro Preisgeld sicher. Was machen Sie mit dem ganzen Geld?

So genau habe ich das noch nicht überlegt. Ich werde sicher in Urlaub fliegen und mir eine eigene Wohnung suchen, denn momentan wohne ich noch bei meinen Eltern. Außerdem will ich ein paar Kleinigkeiten kaufen, vor allem für meine Familie, die mich immer wahnsinnig unterstützt hat. Den Großteil des Geldes werde ich aber anlegen. Ich interessiere mich schon lange für Aktien und Börsengeschäfte, werde mich aber jetzt noch genauer beraten lassen, um mein Geld sicher zu investieren.

Wie haben Sie als Student eigentlich die 10.000 Dollar Anmeldegebühr aufgebracht?

Ich spiele schon seit ein paar Jahren Poker, dadurch konnte ich einerseits ein bisschen Geld ansparen. Andererseits ist es in der Pokerwelt normal, dass man bei solch großen Turnieren "Action verkauft". Das bedeutet, dass Bekannte einen Teil der Anmeldegebühr zahlen und danach am Gewinn beteiligt werden.

Also behalten Sie gar nicht den gesamten Gewinn?

Nein. Aber es ist immer noch eine nette Summe übrig geblieben.

Was sagen Ihre Eltern eigentlich dazu, dass ihr Sohn sein Geld mit Pokern verdient?

Natürlich waren die anfangs skeptisch. Ich glaube, es ist normal, dass Eltern sich Sorgen machen, wenn ihr Kind auf eine so untypische Art und Weise versucht Geld zu verdienen…

…inzwischen dürften sie sich weniger Sorgen machen.

Ja. Als ich bei der WSOP war, haben sie mich wahnsinnig toll unterstützt und sich die Nächte um die Ohren geschlagen, um die Turniere im Internet zu gucken.

Bislang studieren sie Wirtschaftspsychologie in Köln. Brechen Sie das Studium jetzt ab und werden Pokerprofi?

Bis zum Finale im November werde ich mich erstmal als Pokerprofi versuchen. Wie es danach weitergeht, ist aber auch von meinem Abschneiden am Finaltisch abhängig - und ob ich eventuell Sponsoren finde.

Hilft ein Psychologiestudium denn beim Pokern?

Pokern ist immer Psychologie. Ich habe mich beim Spielen vor allem darauf konzentriert, nichts durch meine Körpersprache zu verraten. Aber man muss auch die Gegner genau beobachten.

Worauf achten Sie denn?

Ein Beispiel: Wenn ein Gegner fünf Minuten vorher einen großen Pott verloren hat, spielt er möglicherweise schlechter, unüberlegter oder aggressiver. Über solche Sachen sollte man nachdenken, wobei jeder Mensch unterschiedlich reagiert. Deswegen ist es wichtig, seine Gegner und die eventuell veränderte Dynamik am Tisch genau zu beobachten – um davon in zukünftigen Situationen zu profitieren.

Das große Finale steigt im November. Machen Sie bis dahin nichts anderes als Pokern?

Außer Urlaub habe ich derzeit noch nichts Konkretes geplant. Ich werde aber sicher einige Turniere der European Poker Tour spielen und auch das Europa-Turnier der World Series of Poker in London.

Und wenn Sie tatsächlich das Finale gewinnen und dazu das Preisgeld von 8,7 Millionen Dollar?

Das weiß ich auch noch nicht. Aber eins ist sicher: Es wird eine Riesenparty geben.

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