
Mo Yan wurde 1955 als Bauernsohn in Guan Moye geboren und bezieht sich in seiner Arbeit häufig auf Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend. Während der Kulturrevolution arbeitete der in einer Fabrik. Sein literarisches Schaffen begann er als Soldat bei der Volksbefreiungsarmee, in die er Mitte der 70er Jahre mit 20 Jahren eintrat.
Der literarische Durchbruch gelang ihm 1987 mit dem Novellenzyklus "Das rote Kornfeld" (Deutscher Titel), eine Familiensaga, die unter anderem zu Zeiten des chinesisch-japanischen Krieges von 1937 bis 1945 spielt, und von der japanischen Okkupation und den schweren Bedingungen für das verarmte Landproletariat erzählt. Die Verfilmung des Romans wurde 1988 auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.
Die wichtigsten Fragen zum Literatur-Nobelpreis
Wie wichtig ist der Preis?
Der Literaturnobelpreis gilt als die wichtigste literarische Auszeichnung der Welt. Er wird nicht nur renommierten Autoren verliehen, sondern verhilft manchmal auch weitgehend unbekannten Schriftstellern zu Ruhm und Ehre. Auch die Verlage profitieren.
Wofür wird er verliehen?
Nach dem Willen des Stifters, des schwedischen Chemikers, Erfinders und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896), soll den Preis derjenige erhalten, „der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat“. Das Werk soll von hohem literarischen Rang sein und dem Wohle der Menschheit dienen.
Seit wann gibt es ihn?
Der Preis wird seit 1901 mit wenigen Ausnahmen jährlich verliehen.
Wie ist er dotiert?
Von diesem Jahr an beträgt das Preisgeld 8 Millionen Kronen (etwa 930.000 Euro), denn auch die Nobelpreisstiftung muss sparen. In den Jahren zuvor erhielten die Preisträger noch 10 Millionen Schwedische Kronen.
Wer bestimmt darüber, an wen der Preis geht?
Die Schwedische Akademie entscheidet über die Preisvergabe. Zusammensetzung und Arbeitsweise richten sich nach Regeln, die auf die Gründung des Gremiums 1786 zurückgehen. Die Akademie hat bis zu 18 Mitglieder. Sie werden von der Akademie selbst auf Lebenszeit gewählt. Bis zur endgültigen Abstimmung über einen Preisträger liegt die Hauptarbeit beim Nobelkomitee mit fünf Mitgliedern. Es wird für drei Jahre gewählt.
Gibt es dabei auch Überraschungen?
Zuletzt war im Jahr 2000 der in Frankreich lebenden Chinese Gao Xingjian der literarischen Öffentlichkeit so gut wie komplett unbekannt. Er ist es trotz des Preises auch geblieben.
Wer ist diesmal Favorit?
Der US-Romancier Philip Roth ist schon ein Dauerfavorit, gefolgt von Kollegen und Landsleuten wie Thomas Pynchon und Cormac McCarthy. Bei den Wetteinsätzen liegt der Japaner Haruki Murakami wieder mal ganz oben.
Wer waren die letzten Preisträger?
2011: Tomas Tranströmer (Schweden) 2010: Mario Vargas Llosa (Peru/Spanien) 2009: Herta Müller (Deutschland) 2008: J.M.G. Le Clézio (Frankreich) 2007: Doris Lessing (Großbritannien)
In welche Kontinente/Länder ist der Preis am häufigsten vergeben worden?
Die Preisträger kommen meist aus dem europäischen Raum. Allein Frankreich werden 15 ausgezeichnete Autoren zugerechnet, Großbritannien kommt auf 11. Aber auch die USA haben 11 Preisträger.
Welche deutschsprachigen Autoren haben ihn bisher erhalten?
Bisher haben 13 deutschsprachige Autoren den Preis erhalten, davon 8 aus Deutschland:
Herta Müller (2009), Elfriede Jelinek (Österreich/2004), Günter Grass (1999), Elias Canetti (Großbritannien/1981), Heinrich Böll (1972), Nelly Sachs (Schweden/1966), Hermann Hesse (Schweiz/1946), Thomas Mann (1929), Carl Spitteler (Schweiz/1919), Gerhart Hauptmann (1912), Paul Heyse (1910), Rudolf Eucken (1908), Theodor Mommsen (1902).
In Deutschland erschienen außerdem die Titel "Die Knoblauchrevolte" und "Die Schnapsstadt". Mo Yan selber hält „Große Brüste und breite Hüften“ (1996) für eines seiner wichtigsten Bücher. Es dreht sich um starke Frauen und schwache Männer - eine Familie im Wandel der Geschichte. Das Buch gewann 1996 die höchste literarische Auszeichnung Chinas, was ihm nicht nur Ruhm, sondern auch skeptische Aufmerksamkeit einbrachte. Ideologische Sittenwächter bemängelten, er habe die Kommunisten zu schlecht und die Nationalisten zu gut beschrieben.
Sein Werk „Wa“ (übersetzt: Frosch) von 2009 beschäftigt sich mit der kontroversen Ein-Kind-Politik in China und gewann 2011 den Mao Dun-Preis der chinesischen Schriftstellervereinigung. Viele seiner Werke wie „Die Sandelholzstrafe“ (2001) oder „Der Überdruss“ (2008) sind in jüngster Zeit auf Deutsch, Englisch und in anderen Sprachen erschienen, was die internationale Aufmerksamkeit erklärt.
Bild: dpaDer Nobelpreis
Der Preis wird seit 1901 jährlich vergeben. Gründer der Auszeichnung ist der schwedische Erfinder und Industrielle Alfred Nobel (1833-1896). In seinem Testament legte er fest, dass mit seinem Vermögen eine Stiftung gegründet werden sollte. Die Stiftung solle einen Preis ausschreiben, mit dem diejenigen geehrt werden, die im "verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben." Der Nobelpreis wird in den Kategorien Physiologie oder Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Friedensbemühungen vergeben. Außerdem stiftet die schwedische Reichsbank einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaftler. Anbei eine Übersicht über die Preisträger 2012.
Bild: dpaNobelpreis für Physiologie oder Medizin
Der japanischen Forscher Shinya Yamanaka ist einer der beiden Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin. Der Arzt und Stammzellenforscher erhielt die Auszeichnung für die künstliche Herstellung von Stammzellen. Ihm ist es gelungen, erwachsene Körperzellen in ihren embryonalen Zustand zurückversetzt haben - eine Revolution in der Stammzellforschung, weil sich diese Zellen in alle Zellen des Menschen entwickeln können.
Bild: dpaNobelpreis für Physiologie oder Medizin
In dieser Kategorie wurde auch der Brite John Gurdon ausgezeichnet. Der Entwicklungsbiologe Gurdon forschte viele Jahre an der britischen Cambridge-Universität. Er entdeckte bereits 1962, dass die Spezialisierung der reifen Zelle rückgängig gemacht werden kann. In einem klassischen Experiment ersetzte er den unreifen Zellkern - in diesem liegt das Erbgut, die DANN - in der Eizelle eines Frosches mit dem Zellkern einer ausgereiften Darmzelle. Diese manipulierte Eizelle entwickelte sich trotzdem zu einer normalen Kaulquappe. Gurdon bewies so, dass das Erbgut in der reifen Zelle alle Informationen besitzt, die benötigt werden, um jegliche Zellarten eines Frosches auszubilden. Er legte damit die Grundlage für die Forschung von Yamanaka.
Bild: ReutersNobelpreis für Physik
Der Amerikaner David J. Wineland teilt sich mit dem Franzosen Serge Haroche den Nobelpreis für Physik. Die beiden werden für ihre für ihre „bahnbrechenden Methoden“, mit denen sich kleine Teilchen beobachten lassen, geehrt. Beide konstruierten dafür Fallen, in denen geladene Teilchen (Ionen) oder Lichtteilchen (Photonen) eingefangen werden können. Die besondere Leistung der Forscher: Ihre Objekte werden dabei nicht zerstört, sondern können über eine gewisse Zeit beobachtet werden. Wineland wurde 1944 geboren und promovierte an der Harvard University. Zurzeit forscht er am National Institute of Standards and Technology (NIST) und der University of Colorado in Boulder.
Bild: dapdNobelpreis für Physik
Durch die Arbeiten der beiden Quantenforscher sei es erst möglich geworden, extrem schnelle Computer zu entwickeln, erklärte ein Sprecher der Wissenschaftsakademie. Die beiden Forscher (Serge Haroche im Bild) hätten „die Tür zu einem neuen Zeitalter der Quantenphysik-Experimente geöffnet“, heißt es in der Begründung. Haroche, Jahrgang 1944, studierte und promovierte in Paris. Derzeit arbeitet er an der Ecole Normale Superieure (ENS) in Paris.
Bild: dpaNobelpreis für Chemie
Robert Lefkowitz erwarb 1962 an der Columbia University in New York City einen Bachelor in Chemie, 1966 folgte der M.D. Darauf arbeitete zunächst als Assistenzarzt ehe er 1968 in die Forschung an das National Institutes of Health wechselte. Seit 1973 hat Lekowitz einen Professur am Duke University Medical Center in Durham. Den Nobelpreis für Chemie erhält er gemeinsam mit Brian Kobilak für die Erforschung der Kommunikation von Milliarden von Körperzellen.
Bild: dpaNobelpreis für Chemie
Brian Kobilak ist Professor an der Stanford Univerity School of Medicine. Kobilka studierte Biologie und Chemie an der University of Minnesota Duluth und absolvierte nach seinem Bachelor die School of Medicine in Yale. Später wechselte er an die Duke University, wo er als Postdoc bei Robert Lefkowitz arbeitet.
Bild: dpaNobelpreis für Literatur
Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den 57-jährigen Autoren Mo Yan aus China. Zur Begründung sagte das Komitee in Stockholm, Mo Yander vermische "halluzinatorischem Realismus" Volksmärchen, Geschichte und Gegenwart.
Bild: dpaFriedensnobelpreis
Das Nobelkomitee in Oslo hat den Friedensnobelpreis 2012 an die EU vergeben. Komiteechef Thorbjörn Jagland begründete die Entscheidung damit, dass die Europäische Union über sechs Jahrzehnte entscheidend zur friedlichen Entwicklung in Europa beigetragen habe.
Der Nobelpreis
Der Preis wird seit 1901 jährlich vergeben. Gründer der Auszeichnung ist der schwedische Erfinder und Industrielle Alfred Nobel (1833-1896). In seinem Testament legte er fest, dass mit seinem Vermögen eine Stiftung gegründet werden sollte. Die Stiftung solle einen Preis ausschreiben, mit dem diejenigen geehrt werden, die im "verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben." Der Nobelpreis wird in den Kategorien Physiologie oder Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Friedensbemühungen vergeben. Außerdem stiftet die schwedische Reichsbank einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaftler. Anbei eine Übersicht über die Preisträger 2012.
Sein literarisches Werk passt schwerlich in politische Schubladen. Doch sah sich Mo Yan 2009 gezwungen, den Vorwurf zurückzuweisen, ein „Staatsschriftsteller“ zu sein. Bei dem umstrittenen Gastlandauftritt Chinas damals auf der Frankfurter Buchmesse gehörte der Autor zur offiziellen chinesischen Delegation. Als die Delegation unter Anleitung des damaligen chinesischen Botschafters Mei Zhaorong aus Protest gegen die Teilnahme chinesischer Dissidenten an einem Symposium demonstrativ den Raum verließ, marschierte Mo Yan mit.
Sein Verhalten stieß unter chinesischen Intellektuellen auf Kritik. Mo Yan rechtfertigte sich mit den besonderen Zwängen, die bis heute in China herrschen. So sei er vom Verlags- und Presseamt sowie vom Schriftstellerverband in die offizielle Delegation entsandt worden. Auch sei er weiter bei einem Institut des Pekinger Kulturministeriums angestellt, das schließlich auch seine Sozial- und Krankenversicherung zahle, argumentierte Mo Yan.
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