Pro Social Freezing: Ein guter Service

KommentarPro Social Freezing: Ein guter Service

von Thorsten Firlus

Apple und Facebook zahlen Mitarbeiterinnen auf Wunsch demnächst 20.000 Dollar, wenn sie ihre Eizellen einfrieren lassen. Die Konzerne haben ihre Rolle richtig erkannt.

Familie und Karriere – geht das? Während hierzulande über Herdprämie oder Kita-Plätze diskutiert wird, verschieben in den USA immer mehr Menschen den Zeitpunkt über diese Diskussion.

Dank der Technik des Einfrierens von Eizellen halten sie sich die Option der Elternschaft länger offen. Sie müssen sich nicht binnen eines begrenzten Zeitraumes, der meist parallel zur Karriere verläuft, für oder gegen ein Kind entscheiden. Sie dürfen entscheiden. Ein Gewinn an Freiheit.

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20.000 Dollar zahlt beispielsweise Apple ab Januar auf Wunsch allen Frauen dafür, ihre Eizellen einfrieren zu lassen, damit sie sich sicherer sein können, später noch Kinder bekommen zu können. Die biologische Uhr tickt, die Fruchtbarkeit lässt in höherem Alter nach, es entsteht der bekannte Zugzwang.

Diesen Zeitdruck hebt die Technik nun auf. Das Geld wird verwendet, um die Kosten des Einfrierens und die Lagerung zu bezahlen. Eine Prämie für den Verzicht auf ein Kind ist das nicht.

Contra Social Freezing Investiert in Arbeitsmodelle!

20.000 Dollar Prämie für Frauen, damit die ihren Kinderwunsch nach hinten verschieben? Der völlig falsche Ansatz.

Quelle: dpa

Aber muss Apple das bezahlen? Ja. Genauso sehr wie die Kosten, die entstehen, wenn junge Eltern flexible Arbeitsplätze benötigen, um bei ihren Kindern zu sein - oder betriebseigene Kindergärten einzurichten.

An der Schnittstelle Beruf und Familie, hat der Arbeitgeber die Chance, seinen Mitarbeitern entgegenzukommen. Diese Schnittstelle hat sich aufgrund der Fortschritte in der Medizin und den anderen Vorstellungen über das eigene Leben nun weiter verschoben: in die Familienplanung.

Die ist im besten Falle die freie Entscheidung eines oder zweier Menschen, ein Kind zu bekommen. Dort sollten sich so wenige andere Mitmenschen einmischen wie möglich: Vom Dorfältesten über die Großtanten bis zum Staat. Sie haben sich in einer freien Gesellschaft in dieser Frage rauszuhalten.

Es hat zwar zunächst den Anschein, als ob Apple und Facebook  das Gegenteil tun. Aber auf seinen Kern reduziert, ist das Angebot die Möglichkeit, eine Entscheidung mit weniger Druck zu treffen - und mithin freier.

Natürlich lässt sich diese Offerte auch als verstecktes Signal lesen: Bitte, bekomme kein Kind, das stört den Betriebsablauf! Dieses Argument ignoriert, dass das Einfrieren der Eizellen zumindest in den USA ein Trend ist, den die Unternehmen spiegeln, nicht anstoßen.

Und natürlich kann niemand den Subtext dahinter überlesen: Familie und Beruf sind eben doch nicht so leicht zu vereinbaren. Es lässt sich aber auch herauslesen: Die Unternehmen setzen auf weibliche Mitarbeiter und wollen sie halten. Es gibt schlimmere Signale für Frauen in der Arbeitswelt.

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Es lässt sich auch viel über die moralischen und gesellschaftlichen Fragen des Einfrierens von Eizellen diskutieren: Nur eben nicht im Einstellungsgespräch eines Mitarbeiters und seines künftigen Arbeitgebers. Auch mit auf den ersten Blick harmlos erscheinenden Betriebskindergärten bietet er eine Hilfestellung, die hierzulande heftig diskutiert wurde und immer noch wird.

Nützt oder schadet es dem Kind, wenn es frühzeitig in die Betreuung geht? Ein Arbeitgeber soll diese Frage nicht entscheiden, sondern im besten Falle dem Mitarbeiter die Option bieten, diese selber für sich zu beantworten.

Apple, Facebook und in Zukunft sicher noch weitere Unternehmen geben ihren Mitarbeitern also eine Hilfe, die persönliche Freiheit zu erweitern und sie zu nutzen: Die ganz persönliche Entscheidung, wann und ob man überhaupt Eltern wird. Denn von einem Passus, der zum späteren Nutzen der Eizellen auffordert oder gar zwingt, ist nichts bekannt.

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