Rechtslage: Hitzefrei für Arbeitnehmer?

Rechtslage: Hitzefrei für Arbeitnehmer?

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Ein Straßenbauarbeiter trinkt am Mittwoch (30.06.2010) nahe Essenbach (Niederbayern) unter der Mittagssonne aus einer Wasserflasche. Bei den hochsommerlichen Temperaturen sollte man ausreichend trinken. Foto: Armin Weigel dpa/lby (c) dpa - Bildfunk

von Jochen Mai

In vielen deutschen Büros kann es nun besonders heiß werden. Haben die Arbeitnehmer einen Anspruch auf hitzefrei? Die Rechtslage ist eindeutig.

Kaum ist der Sommer da, wird es auch schon unerträglich heiß. Bis zu 33 Grad können es heute örtlich werden. Auch im Büro erreicht die Raumtemperatur dann gerne die 30-Grad-Marke und macht die Arbeit für die meisten zur Belastungsprobe. Konzentration und Leistung sinken, bei manchen können sich sogar Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen oder Schwindelgefühle bemerkbar machen.

Aber gibt's deswegen irgendwann Hitzefrei? Nein, sagt das deutsche Arbeitsschutzrecht. Allerdings ist der Arbeitgeber im Rahmen seiner Fürsorgepflicht nach §4 verpflichtet, die Arbeit so zu gestalten, dass eine Gesundheitsgefährdung vermieden wird. Konkret bedeutet das: Generell soll die Lufttemperatur in Büros 26 Grad nicht überschreiten. Ist es draußen jedoch deutlich heißer, gelten 35 Grad als Obergrenze. Erst Temperaturen darüber gelten als unzumutbar. Wenn diese Grenze überschritten wird, sind Arbeitgeber gehalten, ihren Mitarbeitern Kühlung zu verschaffen – etwa durch Ventilatoren, Rollos, die die Räume abdunkeln oder durch Gratis-Erfrischungsgetränke.

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Cola, Saft oder gar eine Klimaanlage muss der Chef deshalb aber nicht gleich hinstellen. Welche Mittel der Chef zur Kühlung wählt, bleibt ihm überlassen. Kaltes Wasser reicht zur Not auch schon.

Recht auf Freistellung für Schwangere

Und selbst das rechtlich durchzusetzen, dürfte schwer fallen. Lediglich Schwangere, stillende Mütter und Mitarbeiter, die per Attest gesundheitliche Probleme nachweisen, genießen einen besonderen Rechtsschutz und können vom Chef verlangen, dass ihr Büro auf Normaltemperatur gekühlt wird. Geht das nicht, haben sie ein Recht auf Freistellung an besonders heißen Tagen.

Immerhin kann niemand gezwungen werden, den gesamten Tag in der prallen Sonne zu arbeiten – auch nicht am Schreibtisch. Laut Arbeitsstätten-Richtlinie müssen Arbeitnehmer vor dauerhafter direkter Sonneneinstrahlung – selbst durch Fensterscheiben – geschützt werden. Sie können also vom Chef zumindest verlangen, dass der Jalousien anbringt oder die Scheiben abdunkelt.

Zudem kann der Chef bei flirrender Hitze seinen Mitarbeitern gestatten, die Kleiderordnung etwas lockerer auszulegen. Männer können sich dann etwa die Krawatte sparen, Frauen die Strumpfhosen. Zuviel nackte Haut sollten Arbeitnehmer aber trotzdem nicht zeigen. Insbesondere nicht bei Kundenkontakt. Das kann der Arbeitgeber auch weiterhin untersagen.

Fortis Uhr

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Die Hitze hat allerdings auch ihr guten Seiten: Wie der US-Forscher Alan Hedge von der Cornell Universität vor einiger Zeit festgestellt hat, leisten Mitarbeiter in einem warmen Büro deutlich mehr als in einem kalten. Dazu ließ er die Angestellten einer Versicherung in Florida bei 20 Grad arbeiten. Ergebnis: eine Fehlerquote von 25 Prozent. Dann drehte Hedge die Heizung auf 25 Grad. Schon schufteten die Leute noch mehr und machten nur noch zehn Prozent Fehler. Gewiss, das Experiment fand in Florida statt, da sind die Leute hohe Temperaturen gewohnt.

Unterstützung erhalten Hedges Studien allerdings auch durch eine Untersuchung zweier Kollegen von der Universität Utrecht. Dort haben Wissenschaftler ermittelt, dass die Raumtemperatur beeinflusst, wie Menschen miteinander reden und welche Beziehungen sie aufbauen. Resultat: Je höher das Thermometer steigt, desto näher kommen wir uns und desto besser verstehen wir die anderen. So trägt der heutige Arbeitstag wenigstens zur Verbesserung der Arbeitsatmosphäre bei – weniger zum Arbeitsklima.

Was tun Sie gegen die Hitze? Schicken Sie uns ein Foto an aktion@wiwo.de (Betreff: Hitzefrei) oder posten Sie es unter facebook.com/wirtschaftswoche. Unter allen Einssendern verlosen wir eine Uhr von Fortis im Wert von ca. 250 Euro. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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