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Renditekönige in der Nische: Die heimlichen Weltmarktführer

von Dieter Fockenbrock Quelle: Handelsblatt Online

Sie mögen klein sein und aus der Provinz kommen - doch viele Mittelständler können sogar Dax-Unternehmen mit ihrer Rendite übertrumpfen. Bei den Marktführern in der Nische stimmt vor allem das Geschäftsmodell.

Die Optikerkette Fielmann verkauft inzwischen jede zweite Brille in Deutschland. Quelle: handelsblatt.com
Die Optikerkette Fielmann verkauft inzwischen jede zweite Brille in Deutschland. Quelle: handelsblatt.com

Der Renditekönig gibt sich bescheiden. Er residiert in einem Gewerbegebiet am Rande der bayerischen Stadt Landsberg, verkauft unspektakuläre Geräte für Großküchen und ist so gut wie unbekannt. Die Rational AG verkörpert wie kaum eine andere Firma die Hidden Champions der Wirtschaft. Auf den ersten Blick ein Mittelständler aus der Provinz – erst auf den zweiten der Weltmarktführer.

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Profiköche in allen Ländern arbeiten heute mit Technik von Rational. Dabei wurde die Firma erst 1973 gegründet, der Gang an die Börse ist erst zehn Jahre her. Vor allem aber: Rational ist das ertragsstärkste Unternehmen im Handelsblatt-Firmencheck, in dem alljährlich die Rendite der 135 größten börsennotierten deutschen Konzerne analysiert wird. Die MDax-Firma sticht sogar im Vergleich über fünf Jahre die Softwareschmiede SAP aus.

Rational erwirtschaftet eine Rendite, von der andere Industrieunternehmen nur träumen. 2010 lag die Kapitalrendite (ROI) bei mehr als 30 Prozent. Seit Jahren überzeugt der Großküchenausrüster durch Spitzenwerte auch bei Eigenkapitalquote und Cash-Flow-Kriterien.

Die besten zehn Konzerne im Fünfjahresvergleich haben mit Rational auffällige Gemeinsamkeiten. Erstens sind die meisten Spezialisten in ihrer Branche, keine Generalisten. Zweitens haben alle bis auf den Pumpenspezialisten Pfeiffer Vacuum einen starken Ankeraktionär im Rücken. Oft sind es die Gründer der Firmen, die als Vorstandschefs oder Aufsichtsräte die Geschicke ihrer Unternehmen noch entscheidend bestimmen.

Gerhard Weber beim Bekleidungskonzern Gerry Weber aus dem ostwestfälischen Halle, Günther Fielmann mit seinem Brillendiscounter, die Familie Wacker in ihrem bayerischen Spezialchemiekonzern oder Siegfried Meister, Gründer und jetzt Rational-Chefaufseher. Selbst den einzigen Dax-Konzern unter den Top Ten, die Walldorfer SAP, umgibt bis heute der Geist seiner Gründer, obwohl die keine 24 Prozent der Aktien mehr halten.

„Die Unternehmen kommen zwar aus ganz unterschiedlichen Branchen und sind unterschiedlich groß“, sagt Thomas Kautzsch von der Managementberatung Oliver Wyman. „Was aber alle auszeichnet, ist ein überzeugendes Geschäftsmodell, das sie kontinuierlich weiterentwickeln.“ Gerry Weber etwa baut nach vielen Jahren reinen Verkaufs über den Facheinzelhandel jetzt sein Filialnetz aus.

Ertragsstärke ist aber nicht selbstverständlich. „Das halten nur wenige über Jahre durch,“ sagt Karlheinz Küting, Professor an der Uni Saarbrücken und Direktor des Centrums für Bilanzierung und Prüfung (CBP). Es gelinge vor allem Unternehmen, die Nischen bedienen. „Größe ist keine Garantie für Ertragskraft,“ sagt Küting. Das CBP, die Unternehmensberatung Oliver Wyman und das Handelsblatt erstellen den Firmencheck.

Jede zweite Brille verkauft Fielmann.

Marktführer sind viele der Top Ten im Fünfjahresvergleich. Fielmann etwa. Jede zweite Brille wird inzwischen von der Optikerkette mit 560 Filialen in Deutschland verkauft. Die Idee des Firmengründers vor nicht einmal 40 Jahren, die Stigmatisierung der Brillenträger durch hässliche Kassengestelle abzuschaffen, hat bestens funktioniert. Fielmann hat es geschafft, den Brillenverkauf zum Discountgeschäft zu machen. Das Motto des über 70-jährigen Günther Fielmann „wir denken nicht in Quartalen, sondern in Jahren“ dürfte auch in den anderen ertragsstarken Konzernen eine wichtige Rolle spielen.

Unerwartet dagegen ein anderes Ergebnis des Firmenchecks: Im Durchschnitt liegen die analysierten 135 Konzerne heute knapp 17 Prozent unter den Ergebnissen des Ertragsstärkechecks 2007. „Trotz des Wirtschaftsbooms in Deutschland konnten die Unternehmen also noch nicht an ihre alte Stärke anknüpfen“, sagt Berater Kautzsch. Am Eigenkapital liegt es nicht, das ist trotz der Krise vergleichsweise stabil geblieben.

Die Cash-Flow-Relationen liegen dagegen um bis zu 25 Prozent (Cash-Flow zu Gesamtkapital) unter dem Vorkrisenwert. Auch die Kapitalrendite (ROI) hat Aufholbedarf. Die Bewertung liegt jetzt über 18 Prozent niedriger. Das deutet darauf, dass die operativen Margen das frühere Niveau noch nicht wieder erreicht haben. Ganz spurlos ist der tiefe Einbruch der Weltwirtschaft doch nicht an den Unternehmen vorbeigegangen. Das wird vom aktuellen Boom nur überdeckt.

Unternehmen mit ungewöhnlichen Geschäftsmodellen haben es nicht leicht, im Firmencheck auf führenden Positionen zu landen. Sixt etwa: Der Autovermieter ist im aktuellen Ranking um 97 Positionen abgestürzt. Grund ist der Umstieg von Leasing auf Kauf. Sixt hat zwei Wege, seine Flotte von 66000 Fahrzeugen zu organisieren. Im Krisenjahr 2009 wurde verstärkt von Autoherstellern wie BMW geleast, im wieder positiven Geschäftsjahr 2010 gekauft. Mit entsprechenden Folgen für den operativen Cash-Flow und natürlich für die Bewertung im Ranking.

Bei der Deutschen Post geht es aufwärts

Die Deutsche Post ist ein Beispiel dafür, wie Portfoliobereinigung dem bilanziellen Ertragsstärkeausweis auf die Sprünge hilft. Jahrelang dümpelte der Konzern im schwächsten Segment des Rankings herum. Mit dem schrittweisen Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank und den Aufräumarbeiten in ausländischen Tochtergesellschaften geht es jetzt deutlich aufwärts. So stieg die Eigenkapitalquote von sechs (2007) auf 26 Prozent (2011). Allein im Firmencheck 2011 kletterte die Post 35 Plätze höher auf Position 90.

Shootingstar der letzten Jahre ist Infineon. Dem Dax-Konzern gelang nicht nur die Rekapitalisierung. Auch trieb der neue Wirtschaftsboom den operativen Cash-Flow auf unerwartetes Niveau. Wie lange das Glück anhält, ist offen. Die Vergangenheit jedenfalls hat gezeigt, dass Aufstieg und Fall in der Chipbranche eng beieinander liegen.

In der Spitzengruppe des Fünfjahresvergleichs finden sich mit SAP und der Software AG gleich zwei Softwareanbieter. Das könnte zu dem Schluss verleiten, Ertragsstärke sei doch eine Frage der Branche. Bilanzprofessor Küting bestreitet das. Und die Tatsache, dass BMW auf Platz 41, die Konkurrenten Daimler dagegen auf Rang 90 und Volkswagen auf Position 95 rangieren, scheinen ihm recht zu geben. „Es könnte“, so Küting, „ja auch an den richtigen Managern liegen.“

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