Robert Parker, Gault Millau und Co. : Die ungeheure Macht der Weintester

Robert Parker, Gault Millau und Co. : Die ungeheure Macht der Weintester

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Edles für den Billigmarkt: Richard Bampfield testet Weine für den Discounter Lidl.

von Thorsten Firlus

Wein-Kritiker beeinflussen den Erfolg hochwertiger Tropfen. Ihre Entscheidung treffen sie meistens einsam – und kaum nachvollziehbar.

Der Kiefer von Joel B. Payne bewegt sich langsam auf und ab. Minutenlang. Er spitzt für ein paar Sekunden den Mund, beugt sich über einen Kübel und spuckt rote Flüssigkeit hinein. Dann nimmt er das nächste Glas. Kurz darauf bewegt sich der Kiefer erneut: auf und ab und auf und ab. Schließlich hackt er etwas in seinen Laptop.

Payne ist Chef des Weinführers „Gault Millau“; ein Mann, der die großen deutschen Weine auf ihre Qualität testet, bewertet und so deren Ruf maßgeblich mitbestimmt. Deswegen sitzt er an diesem Tag von morgens bis abends in der Wiesbadener Kurhalle. Vor sich sechs Gläser – fünf für Wein, eins für Wasser – und eben der Laptop.

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Eingeladen hat die Verband der Prädikatsweingüter (VDP), ein Zusammenschluss von etwa 200 deutschen Weingütern aus den 13 deutschen Anbaugebieten. Sie stellen hier ihre besten Tropfen vor, die ausschließlich von sogenannten Großen Lagen stammen, den laut VDP besten Parzellen Deutschlands. 120 Weinjournalisten und -kritiker, Sommeliers und Einkäufer großer Handelshäuser sitzen an Tischen aufgereiht. Die Szenerie erinnert an die Klausur in einem Hörsaal, mit einem kleinen Unterschied: Geprüft werden nicht die anwesenden Personen, sondern 395 Weine.

Die Bewertung entscheidet zwischen Erfolg und Misserfolg

Doch da selbst der geschulteste Gaumen nicht mehr als fünf Tropfen unmittelbar hintereinander verträgt, erhalten alle Anwesenden zu Beginn einen Zettel. Darauf notieren sie, welche Weine sie gerne probieren wollen. Einige gehen nach Weinbergslagen vor, andere interessieren sich nur für bestimmte Produzenten. Helfer sammeln die Wunschlisten ein und kehren mit den geforderten Tropfen zurück. Die schütten sie nun in jeweils fünf Gläser vor den Testern, aber immer nur eine homöopathische Dosis.

Wo die Deutschen ihren Wein kaufen

  • Platz 7

    Tankstellen, Restaurants, etc.

    2012: 5%

    2013: 5%

    Absatzmengen von Wein in Deutschland nach Einkaufsstätten für die Jahre 2012 und 2013.

  • Platz 6

    Fachhandel

    2012: 7%

    2013: 7%

  • Platz 5

    Lebensmitteleinzelhandel (bis 1500 qm Ladenfläche)

    2012: 12%

    2013: 13%

  • Platz 4

    Selbstbedienungswarenhäuser und Verbrauchermärkte

    2012: 13%

    2013: 13%

  • Platz 3

    Winzer

    2012: 15%

    2013: 14%

  • Platz 2

    Aldi

    2012: 27%

    2013: 26%

  • Platz 1

    Discounter (mit Ausnahme Aldi)

    2012: 27%

    2013: 26%

  • Zur Statistik

    Absatzmengen von Wein in Deutschland nach Einkaufsstätten für die Jahre 2012 und 2013

    Quelle: GfK Consumer Scan

Payne lehnt sich entspannt zurück, schaut zur Seite und beginnt ein Gespräch mit seinen Nachbarn. Die Ruhe hat einen Grund: Er kennt sämtliche Weine bereits: „Wir sind heute nur hier, um unsere Benotungen ein weiteres Mal zu überprüfen“, sagt er.

Was so routiniert klingt, ist für die Winzer zwischen Bad Neuenahr und Birsfelden lebenswichtig. Die Meinung der Weinkritiker ist essenziell für Erfolg und Misserfolg der Tropfen. Denn am Ende der Verkostung vergeben sie eine Punktzahl. Und die entscheidet darüber, ob ein Wein sich gut verkauft oder im Regal verstaubt.

Am Ende zählen nur die Punkte

Gegründet wurde das Magazin „Gault Millau“ 1969 von den beiden französischen Journalisten Henri Gault und Christian Millau. 1983 erschien die erste deutsche Ausgabe für Restaurants, 1993 folgte der „WeinGuide Deutschland“. Beide erscheinen in Deutschland im Münchner Christian Verlag. Ist der „Gault Millau Weinguide“ die Fibel für den deutschen Markt, hat sich international noch eine weitere Bibel des guten Geschmacks etabliert: der „Wine Advocate“.

Wie man einen guten Tropfen benennt, ist Geschmackssache. Die einen sagen „nobel“ und „dicht fruchtig verwoben“, andere loben das „griffige Tannin“. Doch am Ende zählen meist doch nur die Punkte. Keine Debatte unter Weinliebhabern, keine Weinführer und keine Fachhändler kommen ohne die Erwähnung dieser einen Zahl aus.

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