Romantische Vorstellung des Handwerks: Wenn Manufakturen ohne Handarbeit herstellen

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Romantische Vorstellung des Handwerks: Wenn Manufakturen ohne Handarbeit herstellen

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Herrenschuhe - rahmengenährt aus der Manufaktur ab 1000 Euro, oder aus der Massenfertigung für etwa 200 Euro

von Thorsten Firlus

Was von Hand gemacht ist, ist besser. Die romantische Vorstellung des Handwerks führt zu einer Schwemme von Manufakturen. Und einem Schönreden von Massenproduktion.

Die Seniorengruppe sitzt zufrieden in der Ecke des Kaminzimmers des Restaurants Dorfstube in Düsseldorf-Oberkassel, einem Ableger des Hotels Bareiss in Baiersbronn. Die schwäbischen Spezialitäten wie Bauernente, Wurstsalat und die warm geräucherte Buhlbachforelle auf Kartoffel-Kresse-Stampf mit konfierten Tomaten und Nussbutter haben gemundet. Zum Abschluss – alle fünf sind sich einig – darf es noch ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte sein. „Darauf haben wir uns schon den ganzen Tag gefreut“, sagt eine Frau am Tisch und fragt den Ober: „Backen Sie die hier?“ Herr Ziener, geschulte Fachkraft, zögert keine Sekunde: „Nein, die werden exklusiv für uns hergestellt, von einer Frau hier in Oberkassel. Die kommen aus einer Manufaktur.“

Vermögen, Computer oder Grabsteine. Nahezu alles ist erhältlich aus Manufakturen

Manufaktur – es ist das Schlüsselwort von Branchen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, die sich aber alle ein bisschen sonnen wollen im Glanz der Bedeutung, den das Wort hat. Es leitet sich ab von den zwei lateinischen Wörtern „manus“ für Hand und „facere“, was so viel heißt wie tun, machen, herstellen. Wer mag, kann das Leben von Kindern beginnen lassen in Accessoires aus Filz, Loden und Leder einer Manufaktur für Säuglingsmoden und es beschließen mit einem Grabstein aus einer Steinmetzmanufaktur. Dazwischen gibt es eigentlich kein Produkt, das nicht aus einer Manufaktur kommen könnte. Computer, Vermögensverwaltung, Unternehmensberatung – nichts, was ein mittelständischer Betrieb nicht unter der Flagge der handwerklichen Produktion segeln lassen wollte.

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Ursprung der Manufakturen

Entstanden sind Manufakturen bereits in der Frühen Neuzeit, ihre Blüte erlebten sie im 18. und 19. Jahrhundert, in der Übergangsphase des mittelalterlich geprägten Handwerks hin zur modernen Güterproduktion in Fabriken. Trotz des hohen handwerklichen Anteils legten die ersten Gründer von Manufakturen für Porzellan, Leder oder Stoffen doch Wert auf Effizienz. Ganz freiwillig taten sie dies nicht, der Staat achtete darauf, weniger fertige Produkte einzuführen und stattdessen selber Waren auszuführen. So wurden in frühen Manufakturen Gewerke, die zur Fertigung eines Produktes nötig waren, zusammengelegt, um die Herstellungsprozesse zu beschleunigen.

Unsere idyllischen Vorstellungen von den Werkstätten des Mittelalters sind verführerisch, aber falsch, schreibt der amerikanische Soziologe Richard Sennett in seinem Buch „Handwerk“: „Die mittelalterliche Werkstatt, die zugleich Heim und Arbeitsstätte war, folgte keineswegs den Regeln einer modernen, von Liebe geprägten Familie.“ Auch die frühen Manufakturen waren keine Orte heiler Handwerksromantik. Der Ökonom Adam Smith hatte in seinem Werk „Wealth of Nations“ von 1776 wenig warme Worte für die Manufaktur übrig: „Sie zerstört selbst die Energie des menschlichen Körpers und verunfähigt ihn, seine Kraft schwunghaft und ausdauernd anzuwenden, außer in der Detailbeschäftigung, wozu er herangezogen ist.“ Manufakturen waren die Vorläufer der Fabrik, in deren Zentrum die Kostenreduktion stand.

Einige Jahrhunderte später darf es gern etwas mehr kosten – Faltboot, Konferenzkeks oder Ledergürtel. Der Begriff Manufaktur hat sich gewandelt und ist etwas, das ein Produkt adelt. „Manufaktur – der Begriff zielt auf eine kollektive positive Vorstellung, eine Sammlung von Werten, die mit ,Handgemacht‘ assoziiert sind“, sagt Klaus Brandmeyer, von der Brandmeyer Markenberatung aus Hamburg.

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