Rücktritt von Juan Carlos: Die Monarchen haben keine Lust mehr

KommentarRücktritt von Juan Carlos: Die Monarchen haben keine Lust mehr

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Der spanische König Juan Carlos und sein Sohn, Kronpinz Felipe bei einer Militärparade am Dienstag in Madrid. Juan Carlos hat angekündigt, zugunsten seines Sohnes abzudanken.

von Ferdinand Knauß

Juan Carlos von Spanien ist der dritte Monarch in kürzester Zeit, der freiwillig abdankt. Die Idee der Monarchie wird den Menschen immer fremder - sogar den gekrönten Häuptern selbst.

Abzudanken scheint bei Europas Monarchen im Trend zu liegen. Erst Papst Benedikt XVI. – auch er ist ein Fürst – dann Königin Beatrix in den Niederlanden, dann König Albert von Belgien und jetzt Juan Carlos in Spanien.

Es gebe keine akuten Gründe für seine Abdankung verkündete Juan Carlos seinem Volk per Fernsehen. Es sei einfach Zeit, dass eine "neue Generation" die "Führungsrolle" übernehme. Mit seinem Rücktritt wolle er helfen, "das Morgen neu zu gestalten - im Zeichen des Fortschritts für ganz Spanien".

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Der König sprach wie ein langjähriger altgedienter Unternehmenspatriarch oder Regierungschef, der das operative Geschäft in jüngere, leistungsfähigere Hände gibt.

König sein ist kein Job

Doch ein König ist kein Unternehmenslenker, kein Regierungschef oder sonst irgendein Alpha-Mensch. Nicht erst die Demonstrationen gegen die Monarchie, die in Spanien gestern stattfanden, sondern auch die Worte des abdankenden Königs an sein Volk, machen deutlich, wie fremd den Menschen die Idee der Monarchie geworden ist. Die Monarchen selbst scheinen nicht mehr so recht daran zu glauben.

Monarch zu sein, das ist kein Beruf, keine Position, auf die man sich vorkämpft, um sie irgendwann erschöpft oder satt oder weil man altersmüde ist, wieder aufzugeben. Ein König muss nicht "Platz machen für eine neue Generation", wie Juan Carlos verkündete.

Seine Vorfahren aus der Dynastie der Bourbonen, die unzählige Könige in Spanien, Frankreich und Neapel stellte, würden gar nicht verstehen, was Juan Carlos damit meint. Erst Recht nicht sein Großvater Alfonso XIII., der 1931 vor den Republikanern ins Exil fliehen musste, oder sein Vater, der beim Diktator Franco in Ungnade stand und nie König sein durfte.


In Spanien muss nun die Verfassung geändert werden, denn auch die ging selbstverständlich davon aus, dass der König Platz macht, indem er stirbt. So war das zumindest jahrhundertelang.

Monarchien sind ein Anachronismus in modernen Gesellschaften, in denen allein die "Leistung" als Rechtfertigung für soziale Unterschiede gelten gelassen wird. Könige aber müssen nichts leisten, um König zu werden. Sie werden – im Normalfall – als Thronfolger geboren.

"Von Gottes Gnaden", hieß das früher, vor der Erfindung der Leistung. Könige werden König, weil Gott und die Tradition es wollen. Ein König ist kein Mensch, der ein Amt innehat, sondern er ist identisch damit.
Abdankende Fürsten hat es immer wieder gegeben. Doch wirklich freiwillig dankten nur sehr wenige Monarchen ab.

Diokletian war der einzige römische Kaiser, der die Macht auf ihrem Zenit abgab, um seinen Lebensabend zurückgezogen in seinem Palast in Split zu verbringen. Karl V. war 1556 der einzige deutsche Kaiser, der nach einem Leben voller Siege seine zahlreichen Kronen (als Carlos I. war er auch von Spanien auch ein Vorgänger von Juan Carlos!) niederlegte und sich in ein Kloster begab.

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