Ruhestand: Wenn die Arbeit krank macht

Ruhestand: Wenn die Arbeit krank macht

Die deutsche Wirtschaft ist auf ihre älteren, qualifizierten Mitarbeiter angewiesen. Doch immer häufiger scheiden sie frühzeitig aus dem Arbeitsleben aus.

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Protest gegen die Rente mit 67

Deutsche Unternehmen verlieren einen großen Teil ihrer Arbeitskräfte, weil Mitarbeiter aus gesundheitlichen Gründen ihre Jobs aufgeben müssen. Während Politiker über die Rente mit 67 diskutieren, könnten bereits heute Millionen älterer Menschen länger arbeiten, wenn Firmen ihre Arbeitsbedingungen verbesserten.

Wissenschaftliche Studien verdeutlichen den Umfang des Problems. So zeigt etwa eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes: Rund ein Viertel aller Deutschen, die 2008 in den Ruhestand gingen, hat ihre Arbeit aufgegeben, weil sie die physischen Anforderungen des Berufslebens nicht mehr erfüllen konnte.

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Dabei lag das durchschnittliche Alter derjenigen, die gesundheitsbedingt in den Ruhestand gingen, bei gut 55 Jahren und damit rund neun Jahre niedriger als bei denjenigen, die in den regulären Altersruhestand gingen. Sie hätten also eigentlich noch ein paar Jahre arbeiten können – wenn sie nicht frühzeitig erkrankt wären.

Besonders häufig müssen Arbeiter und Angestellte, die harte, körperliche Jobs verrichten, frühzeitig ihr Berufsleben beenden. So schied etwa rund die Hälfte aller Personen, die vor ihrem Ruhestand in Hoch- und Tiefbauberufen gearbeitet hatten, aus gesundheitlichen Gründen aus.

Welche Berufe besonders betroffen sind

Bei Fliesenlegern, Heizungsbauern und Polsterern war der Anteil in etwa gleich hoch. Auch der Anteil von Malern und Lackierern, die 2008 krankheitsbedingt in den Ruhestand gingen, war mit 40 Prozent außerordentlich hoch. Gerade in solchen Berufen sind aber erfahrene Mitarbeiter gefragt. Je früher sie ausscheiden müssen, umso schlechter für die Volkswirtschaft.

Ein Problem, dass vor allem die ostdeutschen Bundesländer trifft. So geht aus einer aktuellen Studie des Gesundheitsministeriums und der Robert Koch Stiftung hervor, dass ostdeutsche Arbeitnehmer ihre Arbeitsbedingungen weitaus häufiger als gesundheitsschädlich empfinden, als ihre westdeutschen Mitbürger.

Demnach gaben rund 40 Prozent der Befragten in Ostdeutschland an, dass ihr Job ihrer Gesundheit schade. In Westdeutschland waren es rund 30 Prozent.

Die Bundesrepublik kann auf ihre erfahrenen Arbeiter und Angestellten nicht verzichten. Wenn sie das tut, verliert sie auf Dauer ihren Wohlstand. Die Diskussion über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters ist daher richtig. Aber genau so wichtig sind wirksame Regeln, welche die Arbeitsbedingungen signifikant verbessern – und dazu führen, dass die Quote der gesundheitsbedingten Ruheständler sinkt.

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