Sabbatical: Eine Auszeit von der Krise

Sabbatical: Eine Auszeit von der Krise

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Inga Gobrecht

Viele träumen von einer beruflichen Auszeit, doch ist die Wirtschaftskrise die richtige Zeit für ein Sabbatical? Manche Unternehmen haben gar nichts dagegen. Für wen sich jetzt ein Sabbatical lohnt und wer lieber im Job bleiben sollte.

Kneipe gegen Büro? Zugegeben, ein ungewöhnlicher Tausch, den Inga Gobrecht vor einigen Monaten einging. Dennoch ist es ein bewusster. Seitdem trägt die 28-Jährige Jeans und Turnschuhe statt Hosenanzug und Pumps. Und ihre Gespräche am Arbeitsplatz drehen sich auch nicht mehr um Aktienkurse, Bilanzen oder Depots. Stattdessen diskutiert sie jetzt über Fußball, Darts und die englische Königin.

Im März verabschiedete sich Gobrecht von ihren Kollegen in der Privatkundenbetreuung der HypoVereinsbank in München. Seitdem lebt sie in London und kellnert in einem Pub. Der Grund für den Branchenwechsel: Gobrecht macht ein Sabbatical.

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Eine berufliche Auszeit nehmen – ausgerechnet jetzt? Mitten in der Krise seinem Chef verkünden, dass der die nächsten sechs bis zwölf Monate auf die Mithilfe verzichten muss? Die Vorstellung erscheint derzeit mindestens opportun – wenn nicht sogar tollkühn.

Die Sonnenseiten eines Sabbatjahres

Dahinter steckt die Angst, sich durch den Interimsabschied die Karriere zu verhageln, wenn nicht gar den Job zu verlieren. Motto: Wer das Schiff in stürmischen Zeiten verlässt und womöglich seine Entbehrlichkeit dokumentiert, wird nicht mehr gebraucht, wenn die Sonne wieder scheint. 

Selbst wenn der Arbeitgeber das offiziell anders sieht, lehnen manche Arbeitnehmer ein solches Angebot lieber vorsorglich ab. Als etwa der britische Autokonzern Vauxhall im Dezember 2008 seinen 2.200 Arbeitern in einer Fabrik in der Nähe von Liverpool das Angebot machte, eine berufliche Auszeit von bis zu neun Monaten zu nehmen – bei 50-prozentigem Gehalt –, ging zwar ein Raunen durch die Belegschaft. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen: Nur 15 Mitarbeiter gingen darauf ein.

Trotzdem hat das Sabbatical aktuell auch seine Sonnenseiten. „Einige Arbeitgeber sind gerade sicher dankbar, wenn die Angestellten ihnen dadurch kurzfristig Kosten sparen helfen“, sagt Sörge Drosten, Partner der Unternehmensberatung Kienbaum.

Für viele Firmen ist ein Sabbatical von Vorteil

Einerseits nutzen Unternehmen das Sabbatical als Lockmittel für die Rekrutierung. Aus einer Studie der Marktforschung Lünendonk im März geht hervor, dass 38,5 Prozent der IT-Unternehmen dies den Mitarbeitern in spe in Aussicht stellen. Doch dient das Sabbatjahr zunehmend dazu, kurzfristige Auftragsrückgänge abzufedern, Kurzarbeit zu umgehen oder Entlassungen zu vermeiden.

So bot die zweitgrößte spanische Bank BBVA ihren Angestellten vor Kurzem an, für 30 Prozent des Gehalts zu Hause zu bleiben – in einem Rahmen von drei bis fünf Jahren. Wer akzeptierte, bekam noch eine Jobgarantie für die Rückkehr. Zudem übernimmt die Bank alle Gesundheitskosten.

In den USA wiederum gehen einige Anwaltskanzleien derzeit einen noch exotischeren Weg: Sie stellen High Potentials ein, zahlen ihnen das Jahresgehalt von 60.000 US-Dollar auf einen Schlag aus und schicken sie gleich wieder nach Hause – zum bezahlten Nichtstun. Der Grund für diese großzügige Geste ist jedoch nicht etwa Verschwendungswahn oder geistige Umnachtung, sondern pure Erfahrung: Top-Talente unter den Junganwälten sind derart rar und hart umkämpft, dass die Kanzleien sie so früh wie möglich an sich binden – und sie lieber bezahlen, bis die Konjunktur wieder anzieht und es für sie was zu tun gibt.

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