Sanofi-Aventis-Manager Spek: "Deutschland und Frankreich sind ein Traumpaar"

Sanofi-Aventis-Manager Spek: "Deutschland und Frankreich sind ein Traumpaar"

Der Präsident für das Auslandsgeschäft von Sanofi-Aventis, Hanspeter Spek, über Führung in Frankreich und Deutschland.

WirtschaftsWoche: Herr Spek, wie lange braucht ein deutscher Manager, bis er die Feinheiten der französischen Wirtschaft gelernt hat?

Spek: Man braucht einige Jahre. Es ist eine Frage des Talents, der Anpassungsfähigkeit und der Umstände. In meinem Fall bringe ich familienbedingt eine gewisse Affinität zu Frankreich mit, weil meine Mutter aus dem Saarland stammt.

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Was kann man in Frankreich lernen? Cartesianisch klares Denken?

Spek: Ja. Eine der Stärken der Franzosen liegt in der gedanklichen Verkürzung: also die Essenz eines Gegenstandes oder eines Prozesses zu erfassen. Hier gibt es Leute, die können auf einer halben Seite brillant zusammenfassen, was die Dinge wirklich ausmacht. In diesem Punkt ist das französische Denken unserem klar überlegen.

Ist Frankreichs Bildungssystem besser als das deutsche?

Spek: Nicht unbedingt. Aber Frankreich liegt, was Allgemeinbildung angeht, vorne. Das ist für uns als Unternehmen in der Gesundheitsindustrie wichtig: das Verständnis der Dinge vor dem jeweiligen politischen Hintergrund, des politisch Möglichen und des politisch Nötigen. Die Franzosen haben einen integrativeren Zugang zu den Dingen. Es herrscht nicht die bei uns eher übliche strenge Separation zwischen Politik und Industrie.

Ist es nicht gerade dieses Denken, das in Deutschland als staatlicher Interventionismus kritisiert wird?

Spek: Ja. Oft wird bei uns der Vorwurf laut, dass der französische Staat zu sehr in die Wirtschaft interveniere. Ich halte es für naiv, zu glauben, dass das in Deutschland nicht der Fall wäre.

Gibt es auch Dinge, um die Frankreich uns Deutsche beneiden kann?

Spek: Ich glaube schon. Nehmen wir zum Beispiel die Mitbestimmung. Ich bin Vorsitzender des Aufsichtsrates der Sanofi-Aventis in Deutschland in Frankfurt, der natürlich stark mitbestimmt ist. Und ich gestehe, dass ich da immer gern hinfahre. Meinen französischen Kollegen, die mit mir in diesem Aufsichtsrat sitzen, geht es ebenso. Denn dort erleben wir Mitbestimmung, wie sie in Frankreich nicht existiert.

Konfliktfreier?

Spek: Es ist weniger ein Gegeneinander und mehr ein Miteinander. Ich finde, dass wir in Deutschland Gewerkschaften von bemerkenswerter Qualität haben. Sie wollen und können Verantwortung übernehmen und sind bereit, diese mit den Unternehmen zu tragen. Das ist für mich eine große Stärke. Diese Klarheit und Verbindlichkeit der Sozialbeziehungen in Deutschland ist etwas, was Franzosen zu schätzen wissen.

Hat Frankreich einen ökonomischen Minderwertigkeitskomplex?

Spek: Nein, eher im Gegenteil. Die Franzosen verfügen über ein gesundes Selbstvertrauen, eine Selbstzufriedenheit im positiven Sinn. Sie schauen durchaus wohlwollend auf die Nachbarn, aber sie möchten nicht unbedingt so sein. Unabhängig davon glaube ich auch nicht, dass es heute im Management moderner Großunternehmen so grundlegende Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich gibt.

Bei mittelständischen Unternehmen sieht das aber anders aus?

Spek: Oh ja. Dort gibt es gravierende Unterschiede. Da ist einerseits die unerhörte Stärke Deutschlands mit seinem großen Bestand an mittelständischen Unternehmen, die für den Export, für die Innovationskraft und für einen gesunden Wohlstand in der Mitte so wichtig sind. Das ist etwas, was von Frankreich mit großer Aufmerksamkeit – und vielleicht auch mit einem bisschen Eifersucht – verfolgt wird und was sich auch nicht von heute auf morgen nachholen lässt.

War das nicht von jeher eine Systemschwäche in Frankreich?

Spek: Es ist unter anderem ein Resultat des französischen Zentralismus. Und es hat letztlich auch mit dem Ausgang des Zweiten Weltkriegs zu tun.

Inwiefern?

Spek: Wir Deutsche mussten industriell zwar wieder am Nullpunkt anfangen, aber dafür mit unschätzbar großer Unterstützung unserer amerikanischen Verbündeten. Während Deutschland in den Fünfziger- und Sechzigerjahren ein Wirtschaftswunder sondergleichen erlebte, blieb Frankreichs Wirtschaft sich selbst überlassen, war hochgradig von den französischen Kolonien abhängig und versank strukturell in diesen Jahrzehnten fast in Armut.

Glauben Sie, dass Deutschland und Frankreich zur wirtschaftlichen Kooperation prädestiniert sind?

Spek: Ich denke, Deutsche und Franzosen können gerade deshalb gut miteinander, weil sie so verschieden sind. Wenn man die Unterschiedlichkeit beider Völker als Qualität ansieht, dann ist die Partnerschaft der beiden Länder eine absolut glückliche, weil sie von der Unterschiedlichkeit lebt. Dann bilden Deutschland und Frankreich ein Traumpaar.

Was raten Sie den Deutschen, die ein französisches Unternehmen managen wollen?

Spek: So offen und tolerant wie möglich an Dinge herangehen! Keine vorgefassten Meinungen mitbringen! Sensibilität im Umgang mit Menschen! Wer in einem internationalen Umfeld arbeitet, muss sicher auftreten. Einem ausländischen Manager werden Fehler weniger verziehen als einem einheimischen. Wer als Newcomer im Ausland Fehler vermeiden will, muss genau hinhören und hinschauen.

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