Selbstoptimierung: Ein Plädoyer für mehr Genuss – auch nach den Feiertagen

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Selbstoptimierung: Ein Plädoyer für mehr Genuss – auch nach den Feiertagen

von Kerstin Dämon

Weihnachten ist vorbei. Also ist wieder ein Jahr lang Schluss mit Muße und Genuss. Beides passt nicht zur asketischen Selbstoptimierung. Wir schwanken zwischen Extremen. Wäre ein Mittelweg nicht sinnvoller?

Die Adventszeit und Weihnachten sind wie der nächtliche Fressanfall bei einer Nulldiät. Das ganze Jahr über gab es gluten-, zucker- und fettfreie Lebensmittel aus dem veganen Biosupermarkt. Das Fitnessarmband sorgte bei Bewegungsmangel fürs schlechte Gewissen. Und dann, ab dem 1. Dezember, ist Schluss mit Askese: Genuss ist das Schlagwort der besinnlichen Adventszeit.

Im Dezember nehmen wir uns Zeit: Zeit für uns selbst, Zeit um mit den Kindern Plätzchen zu backen und mit der Oma durch die Stadt zu bummeln. Wir nehmen uns Zeit für Musik und die Zeit, um dem Bettler am Bahnhof ein paar Münzen zu geben. Außerdem pfeifen wir auf die Ernährungsratgeber und -berater - ist je schließlich Weihnachten - und gönnen uns auch noch ein zweites Gänsebein und noch ein Plätzchen zum Glühwein. Oder zwei.

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Spätestens Januar schlägt der Neujahrsvorsatz zu

Eigentlich eine prima Sache, sagt Psychologin Ilona Bürgel: „Die Adventszeit ist ein Ventil. Vier Wochen lang darf man über die Stränge schlagen, ganz viel essen und das auch genießen, ohne an die Konsequenzen zu denken. So ein Ventil ist ganz wichtig, weil wir uns Sinnesfreuden eigentlich das ganze Jahr über verbieten.“

Denn am 27. Dezember, spätestens am 1. Januar, ist Schluss mit lustig. Dann kommen die Neujahrsvorsätze: mehr Sport, weniger und gesünder essen, weniger Alkohol.

Diese guten Vorsätze hatten die Deutschen für 2016

  • Stress vermeiden - oder zumindest abbauen

    Seit Jahren führt der gute Vorsatz "Stress vermeiden oder abbauen" die Liste der guten Vorsätze bei den Deutschen an. 2016 wollten 62 Prozent Stress reduzieren. In den vergangenen Jahren wollten das 60 beziehungsweise 57 Prozent. Offenbar hat es bis dato also nicht so geklappt mit dem Neujahrsvorsatz.

     

    Quelle: Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK

  • Mehr Zeit für Familie und Freunde

    Ebenfalls seit Jahren hoch im Kurs: Im neuen Jahr mehr Zeit mit der Familie beziehungsweise mit Freunden verbringen. Für 2016 hatten sich das 61 Prozent vorgenommen. In den letzten Jahren waren es 55 Prozent (2015) und 54 Prozent (2014).

  • Mehr Sport machen

    Der Klassiker: Im nächsten Jahr wird sich endlich mehr bewegt: Statt mit dem Auto geht es mit dem Fahrrad zur Arbeit, im Büro nimmt man die Treppe statt dem Lift und am Wochenende wird gejoggt. Das planten 59 Prozent. Vermutlich war es kurz nach Vertragsabschluss mit dem Fitness-Studio aber auch schon wieder vorbei mit der Euphorie. Schließlich wollten die Deutschen schon die letzten Jahre mehr Sport treiben.

  • Mehr Zeit für sich selbst

    Außerdem sollten im letzten Jahr bei 51 Prozent die eigenen Bedürfnisse stärker beachtet und man selbst mehr in den Vordergrund gerückt werden. Für 2015 hatten das 48 Prozent geplant und auch schon 2014 wollten sich 47 Prozent der Deutschen endlich mehr Zeit für sich selbst nehmen. Hat offenbar nicht geklappt.

  • Gesunde Ernährung

    Ebenfalls 51 Prozent wollten sich 2016 gesünder ernähren.

  • Abnehmen

    Gewicht reduzieren wollten 35 Prozent. Auch das Bedürfnis nach einer schlankeren Taille ist über die Jahre eher noch gestiegen: 2015 war "abnehmen" der Neujahrsvorsätze von 34 Prozent der Deutschen, 2014 wollten nur 31 Prozent abspecken.

  • Sparsamer sein

    31 Prozent wollten im letzten Jahr weniger Geld ausgeben.

  • Weniger Fernsehen

    18 Prozent hatten sich vorgenommen, öfter mal die Glotze auszulassen.

  • Weniger Handys, Internet, Computer

    16 Prozent wollten weniger Zeit mit dem Starren auf irgendwelche Bildschirme und der Nutzung sozialer Netzwerke verbringen.

  • Weniger Alkohol

    Das Bierchen zum Feierabend, der Wein zum Abendessen und am Wochenende ein paar Cocktails mit Freunden: 14 Prozent wollten weniger Alkohol trinken.

  • Rauchen aufgeben

    Noch ein Klassiker zum Schluss: Zehn Prozent wollten 2016 mit dem Rauchen aufhören.

Unternehmen, die vier Wochen vorher mit Genussmomenten und Gänsekeule geworben haben, bieten nun Pülverchen und Trainingsgeräte, um den Feiertagsspeck wieder loszuwerden.

Auch wer nicht zugelegt hat, achtet wieder darauf, möglichst fit und erfolgreich zu sein. Blockflöte spielend auf dem Sofa sitzen und Kekse mümmeln passt nicht in unsere Zeit. Schließlich dreht die Welt sich immer schneller und wer nicht mithält, ist raus.

Die Wirtschaftselite macht es vor: Steve-Jobs-Nachfolger Tim Cook steht nach eigenen Angaben jeden Morgen um 3:45 Uhr auf, checkt seine Mails und trainiert im Fitnessstudio, bevor er als einer der ersten bei Apple auf der Matte steht. Und AOL-Chef Tim Armstrong hält das Leben für zu aufregend um zu schlafen. Er steht zwischen fünf und viertel nach fünf auf, macht Frühsport und testet dann neu entwickelte Produkte, bevor er seine E-Mails abarbeitet.

Entzauberte Mythen Langeweile ist besser als ihr Ruf

Müßiggang und Langeweile haben einen schlechten Ruf – völlig zu Unrecht. Nichtstun ist nämlich auch Arbeit. Und gut für die Kreativität.

Sich ab und an etwas Muße und Zeit zum Nachdenken zu geben, schadet nicht. Quelle: Getty Images

Selbst im privaten Umfeld hört man häufig, dass manche sich regelrecht dazu zwingen müssen, einmal nichts zu tun. Montags sitzen Menschen im Achtsamkeits-Seminar, um dort genau das zu tun, was sie sich sonntags verbieten. Sie tun nichts, außer ihren Atem zu spüren und achten auf all die Kleinigkeiten um sie herum.

Allerdings ertragen wir Muße-Stunden außerhalb eines geleiteten Seminares auch offenbar nicht mehr gut. In einer Reihe von Experimenten haben US-Forscher herausgefunden, dass viele Personen es schrecklich finden, mit sich selbst alleine zu sein. Einige verabreichen sich sogar lieber Elektroschocks, als ohne weitere Beschäftigung ihren Gedanken nachzuhängen, berichteten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Science“.

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