Sex zur Mitarbeitermotivation: "Bordellbesuche auf Spesen"

Sex zur Mitarbeitermotivation: "Bordellbesuche auf Spesen"

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Alexander Gerhardinger

von Thorsten Firlus-Emmrich

Der Betriebswirt und Bordellbetreiber über das schmutzige Geschäft mit Prostituierten auf Firmenrechnung.

WirtschaftsWoche: Herr Gerhardinger, Mitarbeiter einer Versicherung haben in Budapest auf einer sogenannten Incentive-Veranstaltung mit Prostituierten gefeiert. Die Aufregung ist zu Recht groß. Sind Sie als Bordellbetreiber auch überrascht?

Gerhardinger: Nicht, dass es die Veranstaltung gab. Mich überrascht, dass es ein Skandal sein soll. Diese Art von Veranstaltungen sind seit Jahren üblich.

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Wer bucht solche Veranstaltungen?

Das sind unter anderem Unternehmen mit Auslandsgeschäft, die ihre Kunden bewirten wollen. Vor allem aber sind es alle Arten von Vertriebsmitarbeitern, die in Strukturvertrieben der Finanzbranche arbeiten. Diese Organisationen basieren auf einem Anreizsystem, das die Mitarbeiter antreibt und bei mehr verkauften Verträgen belohnt. Da gehört der Bordellbesuch als eine Art der Auszeichnung dazu.

Der Skandal ist auch darum so groß, weil die Party organisiert wurde und alles steuerlich abgerechnet wurde. Warum fliegen nicht mehr solcher Veranstaltungen auf?

Das ist bei Veranstaltungen dieser Art inzwischen die größte Sorge der Organisatoren: Wie bekomme ich eine saubere Rechnungsstellung?

Und wie geht das?

Dafür haben alle Betriebe, die diese Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel einen Catering-Betrieb als GmbH angegliedert, der dann die Rechnung stellt. In der Buchhaltung tauchen dann Rechnungen über Essen, Getränke und so weiter auf.

Mit Menüs lassen sich aber kaum die wohl hohen Rechnungen begründen?

Nein, da kommen dann eben Posten wie Organisation und Live-Musik oder Dekoration dazu, selbst wenn es beides nicht gab. Vor der Finanzkrise war es auch bei Banken oder Versicherungen üblich, die Rechnung vom Saunaclub einzureichen. Das gibt es nicht mehr. Dabei war es 20 Jahre lang normal, Bordellbesuche auf Spesen abzusetzen.

Warum ist das erst jetzt aufgeflogen?

Es war sicher ein Fehler, eine so große Party zu organisieren und sie an einen externen Ort zu verlegen. Da können Sie kaum sicher sein, dass nicht irgendeiner plappert.

Sie empfehlen sicher diskretere Etablissements wie Ihres...

Natürlich, aber vor allem kleinere Gruppen. Das Maximum, was sie überschauen können, sind zwischen 30 und 40 Personen. Dann entsteht auch das Gefühl, um das es den Veranstaltern bei Incentives geht, sei es Quadfahren oder Drachenflug: Gemeinschaft. Meine Erfahrung über die Jahrzehnte lehrt mich, dass es diese Mitarbeiter sehr zusammenschweißt, wenn sie gemeinsam in einem Club waren – weil man gemeinsam darüber schweigt. Man teilt ein Geheimnis.

Was ist mit Kolleginnen von Ihren Gästen? In der Mitarbeiterzeitschrift der HMI wurde die Party ja noch hoch gelobt.

Es gibt in diesem beinharten Sektor Strukturvertrieb kaum Frauen. Die wenigen, die es gibt, kommen kaum in die Ebenen, in denen eben solche Incentives gemacht werden. Allein schon, weil der Männerbund, der bei einem solchen Abend geschmiedet werden soll, sich gegen Frauen abschottet. Deswegen ist es kaum erstaunlich, dass sie in den oberen Etagen kaum Frauen finden.

Sind denn tatsächlich nur Strukturvertriebler empfänglich für solche Verlockungen?

Nein, in Clubs werden sowohl Geschäfte angebahnt als auch ihr erfolgreicher Abschluss gefeiert, das ist nichts neues.

Müssen Partnerinnen also davon ausgehen, dass ihr Mann sie bei einem erfolgreichen Abschluss mit einer Frau betrügt?

Nein, wir führen zwar keine Statistik, haben aber Kameras in den Gemeinschaftsräumen und den Fluren. Ich schätze, dass die Hälfte der Männer nicht aufs Zimmer geht.

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