So wird 2016: "Das Schlaraffenland ist bald abgebrannt"

So wird 2016: "Das Schlaraffenland ist bald abgebrannt"

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Horst Opaschowski

von Mark Fehr

Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski erklärt, wie die junge Krisengeneration mit der wachsenden Ungewissheit umgeht und verrät seinen Tipp für das Unwort des Jahres.

2015 war ein ziemliches Katastrophenjahr mit Terroranschlägen, Millionen Menschen auf der Flucht und der Angst vor einer Rückkehr des kalten Kriegs. Geht das 2016 so weiter?

Die „3K“, Kriege, Krisen und Katastrophen, werden im Jahr 2016 weltweit die Hauptsorge der Menschen sein. Deutschland in der Mitte Europas bleibt davon nicht verschont. Die Krisen werden immer globaler. Es gibt keine Insel der Seligen mehr.

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Zur Person

  • Horst Opaschowski

    Opaschowski, 74, prägte die in Deutschland relativ jungen Disziplinen der Zukunfts- und Freizeitforschung. Er ist immer früh dran mit seinen Prognosen, liegt aber oft richtig. Der Wissenschaftler nahm 1980 eine Vision des Internetzeitalters vorweg oder schrieb bereits 2004 über den Zusammenbruch der Finanzmärkte und des Euro.

  • Seine Prognosen der vergangenen Jahre

Wie reagieren die Deutschen auf die Dauerkrisen?

Krisen sind ja nicht neu, wohl aber das Ausmaß, die Intensität und die Dauer von Krisen, die in immer kürzeren Abständen auftreten und in ihren Auswirkungen extremer und bedrohlicher werden. Dies ist der Nährboden für wachsende Zukunftsängste, weil alles in Bewegung ist – das Geld, die Güter, die Märkte und die Menschen auch. Wir müssen uns verabschieden von der Illusion einer Gesellschaft der Sicherheiten, Absicherungen und Versicherungen.

Einige Katastrophen und Skandale trafen Aushängeschilder der deutschen Wirtschaft, etwa der Lufthansa-Germanwings-Absturz, der VW-Skandal oder die Qualitätsprobleme beim neuen Bundeswehr-Gewehr. Gehen die Deutschen mit eingeschränktem Selbstwertgefühl ins Neue Jahr?

Das Selbstwertgefühl der Bevölkerung ist nicht erschüttert, wohl aber das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Versprechungen von Politik und Wirtschaft. Ein Verfall moralischer Grundsätze zeichnet sich ab. Mit den Skandalen vom Autobauer VW bis zum Fußballverband DFB stellt sich die Frage nach Fairness, Anstand und Ehrlichkeit neu. Wer kann wem noch trauen? Gibt es keinen Ehrenkodex für Manager mehr? Es ist kein Zufall, dass derzeit „Ehrlichkeit“ sowie „Anstand und richtiges Benehmen“ die Wertehierarchie der Deutschen anführen. Konvention ist wieder mehr gefragt als Emanzipation.

Woraus ziehen wir künftig unser Sicherheits- und Selbstwertgefühl? Oder müssen wir einfach lernen, mit Unsicherheit zu leben?

Leben in einer Welt, die immer unsicherer und unzuverlässiger wird, zwingt zum Um- und Neudenken: Nicht resignativ, sondern offensiv, ja positiv lernen viele Menschen, dem Zukunftsgewissheitsschwund zu begegnen, um krisenresistenter zu werden. Die Millennials, die Generation der um das Jahr 2000 Geborenen, leisten derzeit geradezu Pionierarbeit. Die Jugendlichen bezeichnen sich selbst als „Generation Krise“ und wollen dennoch das Beste aus ihrem Leben machen. Sie sind geradezu zukunftsoptimistisch eingestellt.

Bietet eine krisenreiche Zeit wie diese eigentlich auch Chancen für die Zukunft?

Für die Chinesen gibt es für die beiden Wörter Krise und Chance nur ein Schriftzeichen...

…Sie meinen das chinesische Wort für Krise (weiji), welches die beiden gegensätzlichen Begriffe von Gefahr (weixian) und Chance (jihui) vereint?

Die Deutschen sehen darin ebenfalls zwei Seiten einer Medaille und verhalten sich auch so: Stolpern. Aufstehen. Weitermachen. Krisen machen stärker und selbstbewusster. Bisher hatte jedes Jahrzehnt „seine“ Krise – von der Kubakrise 1962, der Öl-Energiekrise 1972, Tschernobyl 1986 über den Golfkrieg 1991 bis zum 11. September 2001. Seither leben wir in einer Ära der Dauerkrise. Und ein Ende der Terrorattacken und Umweltbedrohungen ist noch lange nicht absehbar.

Sie haben im vergangenen Jahr den Begriff von der Wohlstandswende geprägt. Worauf müssen wir uns dabei einstellen?

Seien wir ehrlich: Das Schlaraffenland ist bald abgebrannt. Noch geht es uns mehrheitlich gut. Aber die Wohlstandswende steht unmittelbar bevor. Meine Prognose von 2014 „Von der Bestzeit über die Wohlstandswende bis zur neuen Bescheidenheit ist vielleicht nur ein Schritt“ behält ihre Gültigkeit.

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