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Soziale Netzwerke: Die Macht der Kontakte

von Daniel Rettig

Die Anzahl unserer Kontakte entscheidet stärker über unseren beruflichen Erfolg als bisher angenommen. Das beste Rezept lautet Masse statt Klasse – und die lässt sich dank der Online-Netzwerke leichter pflegen denn je.

Online-Netzwerk Xing: Das Quelle: dpa
Online-Netzwerk Xing: Das Vitamin Xing wirkt nicht nur bei Selbstständigen Quelle: dpa

Ungläubiges Staunen. Eine Sekunde Stille. „Im Ernst?“ So reagieren Menschen häufig, wenn Thorsten Hahn über seine Bekanntschaften beim Online-Netzwerk Xing spricht. Niemand hat dort mehr Verbindungen als er. Die Zahl seiner Kontakte: knapp 30.000.

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Nimmt man auch noch alle Menschen dazu, die Hahns Bekanntschaften kennen, kommt man auf 2,4 Millionen – das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl von Lettland. „Natürlich halten mich einige für einen Spinner“, gibt Hahn zu, „aber mir helfen die Kontakte beruflich enorm weiter.“

2004 hat er auf Xing den Bankingclub gegründet, ein Forum für die Finanzbranche. Mithilfe der Suchfunktion schrieb Hahn alle Netzwerk-Mitglieder an, in deren Profil die Schlagwörter „Bank“ oder „Versicherung“ auftauchten. Heute gibt es den Club auch in der realen Welt, Hahn veranstaltet Konferenzen und Kongresse. Ohne sein riesiges Kontaktnetz wäre die Geschäftsidee des einstigen Schwäbisch-Hall-Außendienstlers nicht so erfolgreich.

Freunde und Bekannte sind Geld wert

Vitamin Xing wirkt nicht nur bei Selbstständigen. Wen und wie viele wir kennen, entscheidet über unseren Wert und Erfolg als Käufer, Kunden und Kollegen. Auch wenn es verstörend klingt: Unsere Freunde und Bekannten sind Geld wert. Zahlreiche Studien belegen, dass Angestellte und Top-Manager von ihren sozialen Kontakten profitieren.

Höhere Jobchancen: Roberto Fernandez und Nancy Weinberg vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) analysierten vor einigen Jahren den Bewerbungsprozess einer Bank für 326 Stellen. Wer vor seiner Bewerbung nicht von einem Angestellten empfohlen wurde, hatte eine Chance von mageren sechs Prozent, die Stelle zu bekommen. Mit Referenz betrug die Erfolgsaussicht dagegen 30 Prozent.Höhere Produktivität: Der US-Managementprofessor Emilio Castilla, ebenfalls vom MIT, untersuchte den Einstellungsprozess in einem Callcenter. Sein Fazit: Wer von einem Angestellten empfohlen wurde, hatte nicht nur bessere Chancen, das Einführungstraining zu überstehen – er arbeitete anschließend auch produktiver.Höheres Gehalt: Joseph Engelberg, Assistenzprofessor an der Kenan-Flagler Business School der Universität von North Carolina, verglich in einer Studie vom vergangenen Mai die Gehälter von knapp 2700 Vorstandsvorsitzenden in den Jahren 2000 bis 2007. Dafür griff er auf eine Datenbank zu, die alle aktuellen oder vergangenen beruflichen Beziehungen der Top-Manager auflistete – besuchte Universitäten, bevorzugte Wohltätigkeitsorganisationen, besetzte Aufsichtsratposten. Ergebnis: Im Durchschnitt steigerte ein zusätzlicher Kontakt außerhalb der Firma das Gehalt eines CEO um über 17.000 Dollar.

Mehr Freunde, mehr Gehalt

Waren Sie in der Schule beliebt? Hatten Sie viele Freunde? Oder war Ihr bester Freund, der heute mehr verdient als Sie, damals schon cooler? Eine aktuelle Studie belegt: Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Beliebtheit als Schüler und der Entlohnung als Erwachsener.

35 Jahre lang wurden 10.000 US-Studenten im Rahmen einer Langzeitstudie verfolgt. Fazit: Wer in der Schule die meisten Freunde hatte, verdiente im späteren Leben am meisten. Das Forscherteam des Instituts für soziale und ökonomische Forschung der Universität von Essex resümierte im vergangenen Februar: Jede zusätzliche Freundschaft schlug sich 35 Jahre später in zwei Prozent mehr Gehalt nieder.

Der US-Informatiker Robert Metcalfe vertrat sogar die Ansicht, dass der Nutzen, den jemand aus einem Netzwerk zieht, exponentiell mit der Gesamtzahl der Mitglieder steigt. Übertragen auf unser persönliches Netzwerk bedeutet dies: Je mehr Kontakte wir haben, desto besser.

Schon in den Siebzigerjahren sorgte der US-Soziologe Mark Granovetter für Aufsehen, als er untersuchte, wie Ingenieure in Boston an eine neue Stelle kamen. 56 Prozent hatten ihren Arbeitsplatz über eine persönliche Verbindung gefunden – aber nur 16,7 Prozent beschrieben die Intensität der Verbindung als „regelmäßig“. 84 Prozent hingegen sagten, dass sie ihre Kontaktperson „gelegentlich“ oder „selten“ persönlich getroffen hätten.

21 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.02.2011, 15:37 Uhrclaudia Kowitz

    Networking im oben beschriebenen Sinne wird meiner Meinung nach immer interessanter. bei meinen Kaufentscheidungen waren es eben nicht die Hochglanzbroschüren oder der Super-Vertriebler, der mich überzeugt hat. Als Kunde bin ich immer informierter, kann jederzeit online Preise und Produkte vergleichen und habe bei den meisten Konsumgütern (außer bei Kleidung) vor dem Kauf ganz konkrete Vorstellungen. Wo ich letztendlich mein Produkt kaufe, hängt meist von Zufällen oder persönlichen Kontakten ab. So ist es durchaus denkbar, dass ich einen buchtipp ernster nehme, wenn er mir von einem "Xing-/Twitter-Freund" empfohlen, wird, mit dem ich mich zuvor schon über das ein oder andere Thema ausgetauscht habe. im Personal- und Marketing-bereich ist das social-media-marketing, meiner Meinung nach, nicht mehr wegzudenken. Wer diese instrumente noch nicht - zumindest beruflich - nutzt, sollte sich genau überlegen, ob es sich das leisten kann.

  • 25.07.2009, 21:41 UhrThorsten Hahn

    > Regelmäßig lösche ich obsolet gewordene Verbindungen.
    Aus meiner Sicht ein echter Networking-irrtum

    > Mich haben auch schon Personen angeschrieben, die ich gar nicht
    > kannte, aber die mich einfach so hinzufügen wollen. Das lehne
    > ich ab!
    ich weiss leider nicht was Sie beruflich machen. Aber wenn ein Rechtsanwalt eine Kontaktanfrage von einem potentiellen Mandanten bekomt, sollte er dann wirklich ablehnen? Nein, tut mir leid, ich kenne Sie nicht. Komen Sie erst in meine Kanzlei, geben mit einen Auftrag von 5 Stunden á 300,- und dann sehen wir mal weiter?

    > Mir ist auch nicht klar, wie jemand, der mehr als 300 Kontakte
    > hat, diese pflegen möchte?
    Aus meiner Sicht übrigens ein weiterer irrtum. Netzwerke pflegt man nicht. :-)

    Übrigens ich habe über 100 irrtümer zusammengesammelt!

  • 25.07.2009, 01:50 UhrMartin G.

    Also ich bin ja auch Fan von "Crossing" (aka: XiNG), und habe "nur" eine dreistellige Anzahl von Kontakten. ;-) Aber das sind echte Kontakte, mit denen ich in der Vergangenheit zusammengearbeitet habe und es auch zukünftig wieder möchte. Regelmäßig lösche ich obsolet gewordene Verbindungen.
    Nie im Leben käme ich darauf, Kontaktjäger und -sammler zu werden. Mich haben auch schon Personen angeschrieben, die ich gar nicht kannte, aber die mich einfach so hinzufügen wollen. Das lehne ich ab! Mir ist auch nicht klar, wie jemand, der mehr als 300 Kontakte hat, diese pflegen möchte? Selbst wenn man je Tag einen anruft, oder sich auf ein bierchen verabredet, kann man jeden nur ca. ein Mal pro Jahr treffen...
    ich finde das schräg - da könnte ich auch das Telefonbuch abtippen. :-)))

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