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Soziale Netzwerke: Rede mit uns!

von Konrad Fischer

Mit viel Tamtam versuchen die Unternehmen derzeit über soziale Netzwerke und Mikrobloggingdienste ihren Ruf als Arbeitgeber aufzupolieren. Das ist günstig und gilt als modern. Aber lohnt es sich auch?

Facebook, Youtube & Twitter: Mit viel Tamtam polieren Arbeitgeber ihren Ruf Quelle: Daniel Stolle
Facebook, Youtube & Twitter: Mit viel Tamtam polieren Arbeitgeber ihren Ruf Quelle: Daniel Stolle
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Ob bei Tag oder bei Nacht – Kai beantwortet alle Fragen zu seinem Job rund um die Uhr. Der Mittzwanziger sitzt hinter seinem aufgeräumten Schreibtisch und streicht sich über die modische Krawatte, wenn er davon erzählt, wie abwechslungsreich sein Job bei der Versicherung ist. Und falls sich jemand für einen bestimmten Geschäftsbereich interessiert, zitiert er den jeweiligen Bereichsleiter zum Videointerview.

Von solchen Mitarbeitern müssen Manager auch weiterhin träumen – denn Kai alias „Allianz Kai“, ist bislang lediglich ein computeranimierter Schauspieler. Dafür bekleidet er ein einflussreiches Amt: Kai ist der virtuelle Recruiting-Chef der Versicherungsgruppe, und hinter ihm versucht eine ganze Personalmarketing-abteilung im Internet unter spannende-jobs.de, potenzielle Mitarbeiter für das Unternehmen zu interessieren.

Unternehmen wollen eigene Bekanntheit steigern

Kai ist nur einer von vielen neuen Versuchen, die die Unternehmen derzeit wagen, um auf die sich rasant wandelnden Anforderungen im Personalmanagement und Recruiting zu reagieren. Treiber ist in allen Fällen das Internet: Bereits 51 Prozent der deutschen Onliner nutzen soziale Netzwerke wie Xing, Facebook oder LinkedIn. Jede elfte Online-Minute weltweit wird heute schon für sogenannte Social Media genutzt. Fünf Milliarden Minuten werden allein täglich auf Facebook verbracht.

Multimedial, vernetzt, interaktiv – nach langer Skepsis gegenüber den modernen Medien entdecken die Personaler nun zunehmend das Internet für sich als Mittel zum Zweck: Hauptsächlich geht es ihnen dabei darum, die Bekanntheit als Arbeitgeber zu steigern (59 Prozent), Mitarbeiter als Botschafter einzusetzen (54 Prozent), ein glaubwürdiges Image aufzubauen, auch Employer Branding genannt (39 Prozent), sowie die Personalauswahl zu verbessern (34 Prozent), so eine Studie des Instituts für Organisationskommunikation, kurz Ifok.

Seitdem boomen die Fanseiten von Unternehmen und Videoclips. Allein auf der Videoplattform JobTV24 haben fast 600 Unternehmen Videos hochgeladen, um Bewerber anzulocken. Hatten Ende 2008 gerade einmal fünf der 30 Dax-Konzerne eine an Bewerber gerichtete Fanseite bei Facebook, so sind es inzwischen schon 17.

16 Dax-Unternehmen bereits bei Twitter aktiv

Noch im April gab es erst drei Karriere-Mikroblogs – kurz Tweets – von Dax-Konzernen bei Twitter, im Oktober waren es bereits 16. Laut einer Erhebung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft sind mittlerweile 52 Prozent der deutschen Unternehmen in sozialen Medien zumindest präsent. Tendenz: stark steigend.

So rechnen fast 70 Prozent der Personaler für das Jahr 2012 mit einer überragenden Bedeutung der sozialen Medien in der Konzernkommunikation, ermittelte kürzlich die internationale Studie „European Communication Monitor“, koordiniert von der Universität Leipzig.

Damit sind die hiesigen Personalmarketingabteilungen jedoch reichlich spät dran, findet Armin Trost, Professor für Human Resource Management an der Hochschule Furtwangen. So sei es in der Produktwerbung längst üblich, „dass soziale Netzwerke für virale Kampagnen genutzt werden“.

Beispiel Henkel. Der Chemiekonzern sucht seine Produkttester schon seit Jahren über das firmeneigene Ratgeberportal fragmutti.de. Auch Google nutzt seine Plattform Google Labs, um Verbesserungsvorschläge der Nutzer in die Produktentwicklung einzubinden.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.12.2009, 12:50 UhrAnonymer Benutzer: Lutz Altmann

    Hallo Herr Fischer,

    Glückwunsch zu dem sehr guten Artikel. Sie schaffen damit noch einmal einen guten Überblick. ich kann mich den Überlegungen von Johannes Lenz auch anschließen. Die Kommunikation mit den bewerber-Zielgruppen vor allem über Soziale Netzwerke wird immer bedeutender werden. Ergänzt haben wir dazu neben Artikeln auf unserem Personalmarketing blog auch bei Twitter eine Liste mit den gefundenen Employer brands bei Twitter erstellt. Vielleicht ergeben sich daraus ja auch noch neue Anregungen.

    Viele Grüße

    Lutz Altmann

  • 01.12.2009, 16:42 UhrAnonymer Benutzer: Johannes Lenz

    Hallo Herr Fischer,

    interessanter Artikel!

    Unser Eindruck: Unternehmen sehen die Notwendigkeit der Social Media (SM) Präsenz sowie den damit verbundenen Dialog & die Personalisierung.

    SM Awareness ist da. Die sich in letzter Zeit häufenden Abmahnungs-Fälle ggü bloggern zeigen auch Anderes.
    Dahinter verbirgt sich der Gedanke des Kontrollverlustes.

    De facto ist er z. T. eingetreten. Mit Usern, die sich im Vergleich zu früheren Konsumenten heutzutage durch das Netz bewegen, inhalte verschieben, kommentieren, weiterleiten od selbst in versch Medienformaten darbieten, führt dies gepaart mit Realtime-Kommunikation zur wahren Herausforderung für Unternehmen.

    Allerdings nicht zum "Nulltarif". Weiterhin gilt für Unternehmen: SM Monitoring betreiben, Dialoge führen & sich persönlich als brand Amabssador präsentieren. botschaften können (Allianz Kai, Robindro Ullah, etc) glaubwürdiger transportiert werden, was widerum langfristig Employer of Choice begriff stärkt.

    Zudem gilt es, eine SM Strategie zu erarbeiten & integrieren. Es muß aber nicht alles neu sein. Vorbilder können bayer, SAP, intel oder ibM sein.

    Schließlich: SM ist m. E. kein Hype, sondern iST-Zustand. Die Frage ist nur, in welchem Maße sie in D in den nächsten Jahren an Fahrt gewinnen.

    Deutsche Unternehmen sollten sich weiterhin engagieren & auf ihre künftigen Mitarbeiter auch im internet zugehen. Diese bewegen sich darin wie "Ureinwohner" (Digital Natives).

    Mit einer SM Präsenz ist Arbeit verbunden. Genauso wie der Fakt, daß Employer brand nicht nur von der internetpräsenz abhängt. Aber: SM kann den virtuellen Unternehmensauftritt um ein Vielfaches verstärken, popularisieren & das image stärken.

    Warum: Weil das Unternehmen sich auf Augenhöhe mit seinen möglichen Mitarbeitern/Kunden bewegt (identifikation Gleichberechtigung). Man spricht eine Sprache.

    beste Grüß aus Stuttgart

    Johannes Lenz

  • 01.12.2009, 12:59 UhrAnonymer Benutzer: Martin Bregulla

    Danke für den Hinweis - sollte das mit der Arbeit zu viel werden, meld ich mich wieder für einen industriebeamtenjob.

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