Sozialstudie: Der eingebildete Arme wird eher krank

Sozialstudie: Der eingebildete Arme wird eher krank

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In Griechenland sinkt der allgemeine Gesundheitsstand. Hier demonstrieren Ärzte am 17. Februar 2014 vor einer Klinik in Athen gegen Einsparmaßnahmen. Sie streiken seit zwei Monaten.

Armut schadet der Gesundheit. Das gilt auch, so zeigt eine Studie des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Berlin, wenn die Menschen sich nur als Arme empfinden.

Die Nachricht wird Sozialforscher ebenso wenig überraschen wie Mediziner: In Griechenland werden seit Ausbruch der Schuldenkrise mehr Menschen krank, verkündet die Universität Cambridge in einer Studie. Demnach haben auch die Infektionen mit HIV und die Zahl der Selbsttötungen stark zugenommen. Ein kausaler Zusammenhang zwischen Wohlstand und Gesundheit, beziehungsweise durchschnittlicher Lebenserwartung ist vielfach belegt. Natürlich spielen da auch die Organisation des Gesundheitssystems und andere soziale Fragen mit, doch tendenziell sind wohlhabendere Menschen und Gesellschaften gesünder und langlebiger als ärmere.

Wie eine Studie des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Berlin (WZB) jetzt zeigt, ist aber nicht nur das objektive Wohlstandsniveau von Menschen gesundheitsrelevant, sondern auch deren subjektives Empfinden. Auch wer sich nur arm fühlt, wird demnach eher krank. Die WZB-Ökonomin Maja Adena und ihr Kollege Michal Myck (DIW Berlin und Center for Economic Analysis, Szczecin) haben diesen Zusammenhang erstmals für die Altersgruppe der über 50-Jährigen in Deutschland und elf weiteren europäischen Ländern gezeigt.

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Für die Studie wurde eine repräsentative Befragung der Bevölkerung 50+ in Europa ausgewertet, der Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE). Verwendet wurden Daten einer Wiederholungsbefragung, die zwischen 2006 und 2012 stattfand. Gesundheit wird hier an vier Faktoren festgemacht: der subjektiven Einschätzung, Krankheitssymptomen, Einschränkungen im täglichen Leben durch Krankheit und der Sterblichkeit.
Die Forscher unterscheiden drei Dimensionen von Armut: Einkommen, Vermögen und die subjektive Einschätzung. Ältere Menschen, die sich selbst als arm einschätzen, erkranken deutlich häufiger (38 Prozent) und erleiden eher einen gesundheitlichen Rückschlag (48 Prozent). Auch die Wahrscheinlichkeit, früher zu sterben, ist bei ihnen weitaus höher – bei Männern dieser Altersgruppe um 40 Prozent.
Neben der gefühlten Armut verschlechtert auch die objektive Vermögensarmut – unabhängig vom Empfinden - den Gesundheitszustand. Wer über 50 ist und kaum oder wenig Vermögen hat, erkrankt deutlich häufiger und erholt sich nach einer Krankheit langsamer. Das Einkommen macht dagegen keinen Unterschied, wie gesund oder krank die Europäer über 50 Jahre sind.

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Aufschlussreich ist aber an der Studie nicht nur der Kausalzusammenhang zwischen Armut und Krankheit, sondern auch die geringe Überschneidung zwischen den verschiedenen Formen von Armut: Nur acht Prozent der Befragten gelten nach allen drei Definitionen (Einkommen, Vermögen, subjektive Einschätzung) als arm. Die Autoren empfehlen deshalb, dass Wissenschaft und Politik zur Messung von Armut nicht nur das Einkommen heranziehen. Es brauche weiter gefasste Armutsdefinitionen, um Altersarmut und ihre Folgen abbilden zu können, schreiben die Wissenschaftler.

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