ThemaKirche

Städtebau: Die Kirche lebt weiter

24. Dezember 2012
von Thorsten Firlus-Emmrich, Christopher Schwarz und Harald Schumacher

Viele Kirchen werden nicht länger benötigt. Abriss ist die eine Lösung, Nachnutzung eine andere.

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Andrea di Martino besinnt sich gerne einer journalistischen Tugend: „Ich bin kein Richter. Ich dokumentiere.“ Vor drei Jahren begann er, sein Stativ in Kirchengebäuden aufzubauen gegenüber dem Platz, wo einst der Altar stand, befestigte die Kamera und hielt in Bildern fest, was sich ihm darbot. Herausgekommen ist eine höchst sehenswerte Serie, die zeigt, wie sich das Gesicht moderner Gesellschaften im Zuge der Säkularisierung wandelt. Seltsamen Dingen ist der 47-jährige Fotojournalist auf seinen Erkundungen begegnet: Hebebühnen in Kirchenschiffen, Flachbildfernsehern in Altarräumen, Computertischen, wo früher Bänke zum Knien einluden.

„Die Menschen sind nur zum Teil gegen diese Eingriffe“, sagt er, „die Mehrheit derer, mit denen ich gesprochen habe, begrüßt es, dass Kirchengebäude anderweitig genutzt werden.“ Seine Serie von 25 Bildern heißt „The Mass is ended“ und illustriert die schönen und skurrilen Seiten dieses Wandels.

Italien hat zahllose historische Denkmäler, ein eigenes Ministerium kümmert sich um das kulturelle Erbe. Die Zahl der Kirchen, die unter Denkmalschutz stehen, geht in die Abertausende, weshalb die ersten Umnutzungen schon in den Siebzigerjahren begannen.

Auch in Deutschland ist das Phänomen nicht unbekannt, wenngleich die Zahl der Kirchengebäude, die nicht mehr gebraucht werden, wesentlich geringer ist als in Italien und immer noch, in geringer Zahl, neue Gotteshäuser entstehen. Der Zenit des modernen Kirchenbaus ist längst überschritten. Trotzdem stellen sich die katholische und evangelische Kirche nach wie vor den Herausforderungen zeitgenössischer Sakralarchitektur. Doch vor dem Entschluss zu einem Neubau stellt sich für die meisten Gemeinden die Frage: Was tun mit der alten Kirche? Sanieren, abreißen oder umnutzen?

Längst haben wir uns daran gewöhnt, dass ganze Gebäudekomplexe ihrem ursprünglichen Daseinszweck entfremdet und neuen Aufgaben zugeführt werden: Bahnhöfe, die zu Museen umfunktioniert werden, Industriehallen, die sich in Konzertsäle verwandeln, Schlösser, die zu Einkaufscentern mutieren. Warum soll eine Gebläsehalle nicht als Kino, eine Militärkaserne nicht als Wohnungsanlage genutzt werden, statt zu verfallen oder abgerissen zu werden?

Die christlichen Kirchen als Arbeitgeber

  • Beschäftigtenzahl

    Die christlichen Kirchen sind mit rund 1,3 Millionen Beschäftigten nach dem öffentlichen Dienst der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland.

  • Evangelische Kirche

    Sie hat nach den jüngsten veröffentlichten Zahlen (Stand 2010) rund 222.700 Beschäftigte, davon sind rund 21.488 Theologen. Hinzu kommen weitere rund 452.600 Beschäftigte, die für den evangelischen Wohlfahrtsverband Diakonie arbeiten, vorwiegend in Pflege- und Erziehungsberufen.

  • Katholische Kirche

    Die katholische Kirche beschäftigt in Deutschland nach eigenen Angaben hauptamtlich rund 650.000 Menschen, davon 150.000 direkt bei der Kirche. Darunter sind rund 14.800 Priester. Beim katholischen Wohlfahrtsverband Caritas arbeiten mehr als 500.000 Menschen, unter anderem in Diensten der Gesundheitshilfe, Kinder- und Jugendhilfe, Altenhilfe und Behindertenhilfe.

Allein, was wir bei Profanbauten als Bereicherung empfinden, ja als reizvollen Verfremdungseffekt goutieren, ruft bei Kirchen immer noch Befremden, häufig auch Ablehnung hervor. Kein Wunder, Sakralbauten gelten Gläubigen als Räume, in denen das Wort Gottes verkündet und heilige Handlungen vollzogen werden, in denen ihr Glaube sichtbare Gestalt annimmt.

In den Niederlanden hindern derlei Bedenken die Verantwortlichen nicht daran, pragmatische Lösungen zu finden. Dort kümmert sich etwa mit dem Makler Reliplan ein spezialisiertes Unternehmen um die Vermittlung zwischen den durch den Unterhalt überforderten klammen Gemeinden und mutigen Investoren, die den energetisch häufig eher minderwertigen Sakralbauten eine neue Nutzungsidee einhauchen wollen.

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