26. März 2007 Bingo. Das Zollamt genehmigt das Steuerlager rechtzeitig. Das ist wichtig für unseren Cash-Flow, da wir jetzt die Kaffeesteuer nur auf einen Teil der Containerladung abführen müssen. Die für den Export bestimmte Ware bleibt steuerfrei. Dafür muss unsere Buchhaltung nun ein Kaffeesteuerbuch führen, in dem alle Zu- und Abgänge vom Steuerlager erfasst werden. 30. März 2007 Von meiner Beraterzeit weiß ich, wie wichtig halbjährliche Leistungsbeurteilungen sind – vor allem bei Praktikanten und Berufsanfängern. Hier kann man die Rohdiamanten schleifen und Fehler frühzeitig ausmerzen. Ich nehme mir jeweils eineinhalb Stunden Zeit und spreche gegenüber unseren Leuten positive Punkte ebenso an wie Verbesserungspotenziale. Und ich erwarte von allen, dass sie mir ebenso offen Feedback geben. Auch ich möchte mich schließlich verbessern. 31. März 2007 Ich treffe mich mit einem befreundeten Unternehmensberater, den wir vor einigen Wochen beauftragt haben. Das klingt zwar paradox, da wir selbst ehemalige Consultants sind. Doch eine solche Außensicht hilft enorm. Zu einem Freundschaftspreis von 1500 Euro bekommen wir eine kritische Evaluation unseres Geschäftsmodells und Businessplans und kommen in den Genuss seines Know-hows als ehemaliger Investmentbanker. Das ist wichtig für die geplante Finanzierungsrunde mit den Investoren, die wir für die Expansion benötigen. Der Berater ist von unserem Konzept überzeugt, deckt aber auch Schwächen auf. Die beste Nachricht aber kommt noch: Die Stadt Berlin übernimmt die Hälfte der Beraterkosten bei Startups! 3. April 2007 Die Probleme mit den brasilianischen Behörden reißen nicht ab. Ein Aufsichtsbeamter bemängelt das Fehlen eines Lagers. Wolfgang hatte unsere Anwältin extra auf diesen Punkt hingewiesen. Sie solle den Geschäftszweck unserer Filiale nur auf den Kaffeeexport beschränken. Sie hat uns jedoch überredet, den Vertrieb innerhalb Brasiliens einzubauen – für künftige Leads. Jetzt verlangen die Behörden genau dafür ein Lager. Hätte sie das nicht vorher wissen müssen? Interessanterweise lässt der Beamte durchblicken, wie wir die Probleme „anders“ lösen könnten. Die Korruption in Brasilien überrascht uns immer wieder. Wir schlagen die Lösung durch ein „Trinkgeld“ aus. Unsere Anwältin sucht nach Alternativen. 4. April 2007 Niels ist völlig außer sich. Er hat einen großen Kunden in Kopenhagen aufgetan, der sich für den neuen Blend interessiert. Ich gebe ihm Details zu Liefer- und Abnahmebedingungen durch – und der Deal klappt! Es ist eines der größten Vertriebsbüros für Kaffee in Dänemark. Die wollen nun unsere Espressi in ganz Dänemark vertreiben. Ein weiterer Meilenstein! 6. April 2007 Ich bekomme einen Anruf aus der Türkei. Es ist nicht der Café-Besitzer, sondern jemand, der unseren Espresso probiert hat und ihn vor Ort vertreiben möchte. Ich sage ihm, dass wir bereits mit dem Café-Besitzer aus Istanbul kooperieren und dieser Vorrecht hat. Doch er lässt nicht locker. Ich schlage ihm vor, dass die beiden zusammenarbeiten könnten. Noch am selben Tag treffen sie sich. Am Abend ruft mich der Café-Besitzer an: Er fliegt nächste Woche nach Deutschland, um gleich einen ganzen Container unseres Espressos zu kaufen. Die beiden seien sich einig, unseren Espresso in unterschiedlichen Regionen zu vertreiben. Ich kann das Glück noch gar nicht fassen: Nach dem Durchbruch in Dänemark nun die Türkei! Sollte sich dieses Geschäft bestätigen, hätten wir den Break-even erreicht!
Bildergalerie: Menschen der Wirtschaft
10. April 2007 Die Markteinführung des Samba Flavour scheint ein Erfolg. Von unseren Werbe- und Vertriebspartnern bekommen wir nur positives Feedback. Klasse. 12. April 2007 Auch in Vietnam ist unser Espresso ein Renner. Die Supermarktkette expandiert nach Südchina, Japan und die arabischen Emirate und gibt sofort die nächste Großbestellung auf. Sie planen fest mit unsren Edel-Bohnen. Ebenso wurden unsere Vorschläge zu den Cachaça- und Fruchtsaft-Lieferanten abgesegnet. Hier werden wir also auch noch Provisionen verdienen! 24. April 2007 Der Unternehmensberater präsentiert unseren neuen Businessplan. Neben den ganzen Zahlen rät er uns, dass wir in der Finanzierungsrunde keinesfalls nur mit institutionellen Geldgebern sprechen sollten. Das Produkt und unser Konzept seien so attraktiv, dass man auch Privatinvestoren dafür begeistern könne. Vorteil: Man muss nach der Finanzierungsrunde keine monatlichen Reports machen, sondern kann seine Energie für das Kerngeschäft einsetzen. Dafür müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Der Investor muss an das Produkt und an das Team glauben. Das sollten wir schaffen... 25. April 2007 Das Neujahrsevent trägt Früchte. Ich treffe mich mit zwei Vertretern eines großen Kaffeemaschinenherstellers. Es geht um große Abnahmemengen und eine langfristige Partnerschaft. Die Vertreter sagen, dass Moema bereits eine Kultmarke sei. Sie würden es immer wieder von Kunden hören. Ich bin baff – und mächtig stolz. Wir einigen uns per Handschlag auf eine Zusammenarbeit. 3. Mai 2007 Unsere Praktikantin Sueli hat sich bewährt, und ich mache ihr ein Jobangebot, das sie ohne Zögern annimmt. Von nun an wird sie fest für Moema arbeiten. Wieder einen Arbeitsplatz geschaffen! Unglaublich, die Moema Espresso Republic existiert nun seit zwei Jahren und hat den Sprung fast geschafft. Die Vorzeichen für unser Wachstum sind positiv, den Wandel vom gut bezahlten Consultant zum Unternehmer habe ich keine Sekunde bereut. Wir fühlen uns kaum noch als Startup, sondern als ein richtiges Unternehmen mit internationalen Kunden. Und wer weiß: In ein paar Jahren sind wir vielleicht schon eine etablierte Größe auf dem Espressomarkt... Hier endet das WirtschaftsWoche-Gründertagebuch der Moema. Zahlreiche Leser haben die Entwicklung des Unternehmens begleitet und mitgefiebert. Auf jede Tagebuchfolge erhielten die Gründer im Schnitt rund 2000 Leserbriefe und E-Mails. Deswegen wird das WirtschaftsWoche-Gründertagebuch fortgesetzt – allerdings mit einem neuen Gründerteam. Zusammen mit hochkarätigen Partnern schreibt die WirtschaftsWoche dazu einen neuen Gründerwettbewerb aus. Das Siegerteam wird nicht nur das neue Tagebuch schreiben, sondern erhält zudem einen Preis im Gesamtwert von 250.000 Euro.













