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Storytelling: Wie man eine Präsentation aufpeppt

von Stefan Brunner

Die Kunst, eine packende Geschichte zu erzählen, feiert ein Comeback als Managementinstrument. Vor allem wenn es darum geht, dröge Wirtschaftspräsentationen aufzupeppen, kommt das Storytelling in Mode.

Mit Geschichten und Parabeln kann jeder komplexer Vorgang einfach erklärt werden Quelle: Shutterstock, Claudia Immig
Mit Geschichten und Parabeln kann jeder komplexer Vorgang einfach erklärt werden Quelle: Shutterstock, Claudia Immig

Bill will mit einer Ranch reich werden. Also kauft er bei einem Farmer für 100 Dollar ein Pferd. Am nächsten Tag soll es geliefert werden. Doch es kommt anders: Das Tier sei in der Nacht gestorben, bedauert der Farmer. „Kein Problem“, sagt Bill. „Gib mir einfach mein Geld zurück.“ Doch der Farmer weigert sich: „Das Geld habe ich gestern schon für Dünger ausgegeben.“ Da überlegt Bill kurz und fordert: „Dann gib mir wenigstens das tote Pferd. Ich will es verlosen.“ Der Farmer ist verwirrt: „Du kannst doch kein totes Pferd verlosen!“ „Doch“, sagt Bill, „ich erzähle einfach keinem, dass es schon tot ist.“

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Monate später laufen sich Bill und der Farmer zufällig über den Weg. Dem Farmer fallen sofort Bills feine Kleider auf. „Und“, fragt der Farmer neugierig, „wie ist es mit deiner Verlosung gelaufen?“ Bill grinst: „Sehr gut! Ich habe über 500 Lose zu je zwei Dollar verkauft.“ Der Farmer ist verdutzt: „Aber gab es denn keine Reklamationen wegen des toten Pferdes?“ Bill grinst noch breiter: „Doch, der Gewinner hat sich beschwert“, sagt Bill. „Aber dem habe ich einfach seine zwei Dollar zurückgegeben.“

In Ovids Fußstapfen

Bill ist inzwischen berühmt, die Geschichte kursiert durch Online-Foren, Blogs und Spaß-Mails. Sie gilt bei den Lesern als die Parade-Parabel über die Entstehung der Finanzkrise: ein gigantischer Handel mit wertlosen Papieren, bei dem sich einige die Taschen voll gemacht haben und viele andere die Betrogenen sind.

So gut kann das kein Ökonom erklären. Zudem ist die Geschichte ein Appell an die Vernunft und eine Warnung vor den kriminellen Auswüchsen des Kapitalismus – jedoch nicht im Kleid einer sachlichen, moralinsauren Ansage, sondern als dramaturgisch-pointiertes Erzählstück. Und nur deshalb funktioniert sie so gut.

Ob Anekdoten, Allegorien, Gute-Nacht-Geschichten, Lagerfeuerromantik, Seemannsgarn oder Bibel-Gleichnisse – wir alle dürsten nach bunten Lach- und Sach-Geschichten. Richtig aufgebaut und erzählt, merken wir uns solche Geschichten nicht nur leichter, sondern erzählen sie auch bereitwillig weiter – und tragen so dazu bei, dass sich ihre Botschaften wie ein Lauffeuer verbreiten.

So wie die Sage von Ikarus und Dädalus, von dem römischen Dichter Ovid um Christi Geburt aufgeschrieben. Sie hielt unter den Menschen über Generationen den Traum vom Fliegen wach und warnte sie zugleich vor Übermut – bis es ihnen knapp 2000 Jahre später tatsächlich gelang, abzuheben.

Parabeln wie diese befriedigten schon zu Ovids Zeiten das Bedürfnis der Menschen nach Abenteuern, Helden und Gefühlen, nach Klatsch und Information. Und auch heute noch vermitteln sie scheinbar nebenbei auf verständliche Weise Wissen, das uns im Alltag weiterhelfen kann.

Storytelling: der neue Trend

Zugegeben, um in Ovids Fußstapfen zu treten, braucht es etwas Geduld und Spucke. Aber die Methoden sind heute dieselben wie in der Antike.

Genau derer bedient sich jetzt ein neuer US-amerikanischer Managementtrend, der gerade Personaler, Fachbuchautoren und Seminaranbieter fesselt: „Storytelling“ gilt als das ultimative Führungswerkzeug für bessere Kommunikation, verständlichere Botschaften, begeisterte Mitarbeiter – und überhaupt: für mehr Unterhaltung bei der Präsentation von drögen Bilanzzahlen, kryptischen Change-Management-Strategien oder komplexen Problemen.

Tatsächlich zeigen zahlreiche Studien aus der Hirnforschung, dass wir Informationen besonders bereitwillig aufnehmen, wenn dabei viele Sinne einbezogen werden. Eine bildhafte Sprache, ein lebhafter Erzähler, viele eindrückliche Emotionen – all das begünstigt, dass wir uns noch lange an das Gehörte erinnern. Lernen ohne Gefühle sei „kaum denkbar“, erklärt etwa der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer.

Das Prinzip lässt sich problemlos auf die Unternehmenskommunikation übertragen: mehr anschauliche Geschichten erzählen, weniger Bericht erstatten, weniger nackte Zahlen vermelden.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.08.2009, 19:36 UhrNikolai Schulz

    Hier das Storytelling als gemeinnützige Variante des persönlich erlebten Storytelling online:
    Sie sind über 65 und haben etwas zu erzählen? Dann freuen wir uns, wenn Sie für MEMORO aus ihrem Leben berichten.

    www.memoro.org/de ist eine internetseite, auf der ältere Menschen in kurzen Videoclips, ca. 5 Minuten, von Ereignissen und ihrer persönlichen Lebenserfahrung erzählen.
    Warum?
    Wir wollen den Erfahrungsschatz reifer Menschen an Jüngere weitergeben. Wir wollen die Erinnerung an Ereignisse der Geschichte, bräuche und Lebensweisen von damals lebendig halten. Wir glauben, dass ältere Menschen etwas zu erzählen haben, das es wert ist, für die nachkommenden Generationen festzuhalten.
    Wer steht hinter MEMORO?
    www.memoro.org wurde 2008 von vier jungen italienern gegründet. in Deutschland, Frankreich, Spanien, USA und Großbritannien haben sich nun ebenfalls Privatpersonen gefunden, die die internetseite aufbauen.
    Wie finanziert sich MEMORO? Hauptsächlich über das persönliche finanzielle Engagement der italienischen Gründer. in italien konnten erste Sponsoren gewonnen werden, mittelfristig wollen wir für alle Länder Sponsoren finden. Eventuelle Gewinne fließen dann in soziale Projekte. in Deutschland haben wir nun einen gemeinnützigen Verein gegründet.
    ihre Geschichte auf MEMORO:
    Wenn Sie ihre Geschichte für MEMORO erzählen möchten, können Sie mit uns einen Aufnahmetermin vereinbaren. Sie können sich aber auch selbst filmen und ihr Video bei MEMORO.org einstellen.

    Sie können aus der Kriegs- und Nachkriegszeit erzählen, von gesellschaftlichen und politischen Ereignissen, wie Sie sie erlebten oder auch von ganz persönlichen Dingen: ihrem ersten Kuss, wie eine Hochzeit in den 50er Jahren aussah...

    Nikolai C.C. Schulz
    Dachauer Str.123
    80335 München
    Tel.: +49-89-95455453
    Mobil: +49-179-2963669
    Memoro - Die bank der Erinnerungen e.V.
    Amtsgericht München VR 202373
    www.memoro.org/de

  • 09.06.2009, 00:56 UhrAlexander Nick

    Wer Storytelling in einer seiner besten Formen sehen moechte, dem empfehle ich Dan Ariely auf ted.com. Er hat 2 tolle Praesentationen, die absolut sehens- und hoerenswert sind.

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