_

Studentenwettbewerb: Positiv geladen

von andreas.grosse-halbuer@wiwo.de

Physiker gegen Betriebswirt – wer ist der bessere Manager? Das Studentenduell "Kampf der Disziplinen" bringt Erstaunliches zu Tage.

Ein guter Gedanke, sagen Physiker, besticht durch Einfachheit und Symmetrie. Das ist ein Grund, warum die großen Beratungshäuser gerne mehr Physiker einstellen würden. Aber auch einer, warum das so selten gelingt: Wer die Weltformel sucht, hält sich nicht mit der Kostenrechnung auf. Der „Kampf der Disziplinen“, ein Studentenwettbewerb, den die internationale Strategieberatung Monitor Group und die WirtschaftsWoche jährlich ausschreiben, ist da eine Ausnahme (siehe Kasten Seite 130): In diesem Jahr traten Powerpoint-bewehrte Betriebswirte gegen nüchtern rechnende Physiker an. „Wir wollen herausfinden, welche Fachrichtung die besseren Manager und Berater ausbildet“, sagt Jürgen Schmidt, Vice-President der Monitor Group Deutschland. Der Herausforderung stellten sich zwei Physiker-Teams der Uni Heidelberg und der TU München. Sie traten gegen zwei BWL-Gruppen der LMU München und der privaten European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel an. Damit kommen alle Wettstreiter von den deutschen Spitzenunis. Sie glänzen mit hervorragenden Noten und Lebensläufen. Viele waren im Ausland oder werden von Elitestiftungen gefördert. Einige haben bereits ein Unternehmen gegründet, andere promovieren an renommierten Lehrstühlen. Drei Tage dauert der Wettstreit, an dem sich die Teams einer fünfköpfigen Jury aus Topmanagern und einer dreiteiligen Aufgabe stellen müssen. Diesmal geht es darum, die Internetsuchmaschine Google noch besser zu machen: Wie verdient Google Geld? Wie ist Google auf welchen Märkten positioniert, wo sind die Stärken und Schwächen, was macht die Konkurrenz? Was muss das Management tun, damit Google seine Vormachtstellung behalten, besser noch ausbauen kann? Für die Studenten heißt das: recherchieren, recherchieren, recherchieren. Sie bekommen Basismaterial gestellt, müssen den Rest aus dem Internet besorgen, alles ordnen und eine Strategie entwickeln. Mitten in diese Phase platzt am zweiten Tag die Jury und verlangt eine spontane Präsentation der ersten Ergebnisse. Die Betriebswirte der LMU München und die Physiker der TU München sind offenbar positiv geladen, sie kommen mit dieser Attacke am besten klar. In Sekundenschnelle sortieren sich die Teams und liefern eine überzeugende Analyse des Geschäftsmodells, das komplizierter ist, als es scheint. Bemerkenswert: Obwohl das Münchner BWL-Team nur zu dritt antritt (der vierte Student fehlte krankheitsbedingt), bringt es hervorragende Ergebnisse und setzt sich mit den TU-Physikern an die Spitze. Die Physiker der Uni Heidelberg dagegen verheddern sich in Details, der Vortrag wirkt ungelenk. Deutlich zeigt sich, dass dem Quartett die Präsentationserfahrung fehlt. Ganz anders die Betriebswirte der EBS. Auch sie stochern inhaltlich noch im Nebel, tragen dafür aber perfekt vor. An der EBS wird das Verkaufen und Präsentieren trainiert, das zahlt sich jetzt aus. Ebenso auffällig in diesem Jahr: Die schwächeren Teams müssen harsche Kritik der Juroren einstecken, sie verlieren sich anschließend aber nicht in gegenseitigen Schuldzuweisungen. Im Gegenteil: Ruhig und überlegt arbeiten sie weiter. Die EBS-Studenten gönnen sich sogar entspannende Intermezzi am Kickertisch.

Anzeige

Lustiger Zeitvertreib: Manager-Memory

Keine schlechte Strategie: Interne Scharmützel haben in den vorangegangenen Studentenduellen schon etliche Gruppen den Sieg gekostet. Im wirklichen Leben ist das nicht anders. „Bei uns werden die Gruppen individuell und nationen-übergreifend zusammengesetzt“, sagt Monitor-Partner Schmidt. „Wir müssen schnell auf Touren kommen, kein Kunde würde Streitereien akzeptieren.“ Der Tag ist gerade verdaut, da taucht am Abend die Jury erneut unangemeldet auf – Ring frei für die zweite Aufgabe. Bei allen läuft es besser, an der Spitze zeichnet sich ein Wettrennen zwischen der LMU und der TU ab. Die anderen beiden Teams können nicht aufschließen. Trotzdem ist noch nichts verloren, für jedes Team ist der Sieg noch möglich. Keiner gibt auf, einige brüten bis nachts um drei über ihren Folien, strukturieren den Vortrag, verteilen die Aufgaben für die Abschlusspräsentation. Finale. Es kommt zum Showdown im Mercedes-Benz-Center in München, 16. Stock. Am Horizont leuchten die schneebedeckten Gipfel der Alpen. Drinnen schwitzen die Studenten in ihren Anzügen. Das Münchner BWL-Team beginnt. Google brauche eine stärkere Kundenbindung, analysieren sie. Die entscheidende Schwachstelle – den flüchtigen Internetsurfer – haben sie sofort erkannt. Der Surfer müsse mehr Zeit auf der Google-Seite verbringen. Deshalb soll die Suchmaschine künftig Inhalte, vor allem Video- und Audiodateien anbieten, statt nur das Netz zu durchforsten. Die Inhalte sollen Unternehmen wie Time Warner oder Disney bereitstellen – vermarktet durch Google. Außerdem wollen die drei mit Google Online-Zugänge aufbauen und so zahlende Kunden gewinnen. „Warum sollten die Kunden zu Ihnen wechseln?“, will ein Jurymitglied wissen. „Weil wir den Zugang zu einem günstigeren Preis anbieten“, kontern die Betriebswirte. „Und wie wirkt sich das auf die Bilanz des Unternehmens aus? „Das müssten wir nachreichen“, sagt Teamsprecher Nico Grove. Es bleibt eine der wenigen Schwachstellen der Präsentation. Später wird die Jury die gute Analyse des Marktumfeldes, die eleganten Folien und den flüssigen Vortrag loben. Es ist das Handwerkszeug der Betriebswirte und es war zu erwarten, dass sie hier punkten. Dennoch mäkeln die Juroren: Das LMU-Team hat keine klare Strategie. „Die Empfehlung lautet: Machen Sie alles, was geht. Das ist nicht fokussiert“, moniert Jurymitglied Siegfried Luther, Chairman of the Board bei der RTL Group.

weitere Fotostrecken

Blogs

Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"
Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"

Teil 8 – Die silberne Geldklammer. Geld regiert die Welt, das war so und das bleibt so. Nur das Geld verändert seine...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.