TINA-Prinzip: Warum wir auf Killerphrasen hereinfallen

TINA-Prinzip: Warum wir auf Killerphrasen hereinfallen

von Jochen Mai und Daniel Rettig

Generalisten hängen an ihren Phrasen: "Das machen wir schon immer so" ist eine davon. Solche Aussagen sollten hinterfragt werden.

Auf jeder Gedankenautobahn trifft man irgendwann auf einen ebenso schwerfälligen wie manövrierunfähigen Bulldozer mit einer Frau am Steuer. Sie heißt: Tina. Tina besitzt den geistigen Horizont eines Wurzelwichts, aber das Auftreten von Rübezahl. Mangelnde Weitsicht und mentale Erstarrung macht sie mit viel Verve und noch größerer Vehemenz wieder wett.

Sie ist sicher nicht dumm, aber sie neigt zu Verkehrsbehinderungen und Blockaden. Kurz: Tina ist die personifizierte Engstirnigkeit, die Mutter aller Totschlagargumente – und das geistige Kind des französischen Soziologen Pierre Bourdieu.

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TINA, Sie ahnen es, ist keine reale Frau, sondern ein Akronym und steht für die Abkürzung „There Is No Alternative“ – es gibt keine Alternative!

Widerspruch abwenden

Natürlich handelt es sich dabei um eine Floskel, eine Killerphrase, die Widerspruch im Keim ersticken soll. Die behauptete Alternativlosigkeit ist in aller Regel pure Propaganda, ein populistischer Akt, um Kritiker mundtot zu machen.

Leider hat Tina zahlreiche Schwestern, die regelmäßig zum Repertoire der Fortschrittsverweigerer und Veränderungsunwilligen gehören: „Das hat noch nie funktioniert!“ „Das kann man nicht vergleichen!“ „Das haben wir schon immer so gemacht!“ „Das haben wir noch nie so gemacht!“ „Das hat doch keinen Sinn!“

Tatsächlich verfehlen diese Killerphrasen ihre Wirkung selten. Die meisten Menschen reagieren darauf mit Verunsicherung. Die Größe des Generellen schüchtert sie ein und nimmt die Wucht aus der eigenen Argumentation. Zugleich sollen diese Phrasen den anderen diskreditieren und provozieren. Das ist gemein, aber häufig auch sehr effektiv.

Zum Glück gibt es einige effektive Wege, einer chronischen Engstirn entgegenzutreten: Die eine Alternative ist, derlei Killerphrasen schlicht zu ignorieren. Die zweite stammt von der französischen Politologin Susan George und heißt TATA. Das steht für „There Are Thousands of Alternatives“ – es gibt Tausende Alternativen!

Scheinbar fehlende Alternativen

Das mag genauso übertrieben sein, schlägt den Generalisten aber mit seinen eigenen Waffen. Allerdings hilft es durchaus, wenn man seiner These mindestens zwei gute Vorschläge folgen lässt. Die dritte Reaktionsmöglichkeit ist, die Alternativlosigkeit selbst zu hinterfragen: „Wie kommen Sie überhaupt darauf?“ Oder: „Was macht Sie da so sicher?“

Letztlich aber geht es gar nicht mal darum, Tina in einer Art Straßenkampf auszumanövrieren. Es kommt allein darauf an, sich von solch notorischen Verkehrsberuhigern weder ausbremsen noch aufhalten zu lassen.

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