Ungezwungener Freitag: Bergschuhe fürs Büro?

kolumneUngezwungener Freitag: Bergschuhe fürs Büro?

Bild vergrößern

In der kalten Saison können Frauen auf Lammfellschuhe aus Australien setzen. Kleine Stilbrüche sind erlaubt. Es gibt aber noch Alternativen.

Kolumne von Lin Freitag

Der Winter zeigt seinen wahren Schrecken nicht im Schneechaos, sondern in der Schuhwahl. Zum Anzug passen die Schneestiefel nämlich nicht. Und auf Stilettos kann Frau auf Eis und Schnee nicht laufen.

Sobald die Temperaturen ernsthaft sinken, haben Büroarbeiter ein Problem. Und zwar ganz unten, an den Füßen. Matsch und Kälte, Nieselregen und Schnee sind keine optimale Kombination für die Schuhwahl. Denn die feinen Leder-Treter mit ihren glatten Sohlen müssen dann zu Hause bleiben. Schuhe mit hohen Absätzen sowieso.

Was also zu Anzug, Kostüm und ihren weiteren Verwandten tragen? Stellen Winterschuhe doch schon im freizeitlichen Kontext eine mittelgroße Herausforderung dar. So greifen Frauen häufig zu Lammfellschuhen aus Australien: Ugg-Boots.

Anzeige

Die ganz schlimmen Frostbeulen schlüpfen in klobige Moonboots.

Wechselschuhe im Büro

Pfiffikusse verstecken wenigstens ein zweites Paar unterm Schreibtisch im Büro und wechseln schnell nach der Ankunft. Bei den Männern fällt die Verzweiflung mitunter noch größer aus – das lässt sie drastische Mittel wählen. Dann kramen sie alte Wanderschuhe oder durchgelatschte Timberland-Boots aus dem Keller oder dem Dachboden hervor. Oder noch schlimmer: Sie schnallen sich Spikes unter die Füße. Ist ja so praktisch.

Die gute Nachricht: Das muss nicht mehr sein – der Mode sei Dank! Denn in diesem Winter gönnen die Designer vielen Sohlen ein ordentliches Profil. Was für das ungeübte Auge zunächst nach Springerstiefel oder Bergschuh aussieht, wird bürotauglich. Das italienische Traditionslabel Tods schuhmacherte wohl das Modell der Saison. Mit seinen knallroten Schnürsenkeln und dem dicken Profil ist dieser Luxuswanderschuh allerdings etwas für die ganz Modemutigen.

Noch reicht die Akzeptanz auf den meisten Büroetagen noch nicht für Bergschuh zum Brioni aus. Grundsätzlich aber kann der Kontrast vom derben Schuh zum feinen Stöffchen gut funktionieren. Wenn der Träger denn weiß, was er tut. Es kommt auf Maß und Mitte an. Und auf Qualität. So darf der neue Wintertreter sehr wohl an einen Bergschuh erinnern – er darf aber keiner sein. Außerdem will er gut gepflegt werden. Wintermatsch an der Hacke oder abgelaufene Sohlen sind in jedem Fall tabu. Für den richtigen Auftritt sorgt ein Desert-Boot aus Wildleder. Gute Farben finden sich in den Abstufungen von Beige bis Braun. Grau funktioniert auch. Finger weg von schwarzen Modellen, sie wirken zu hart. Ebenfalls problematisch: Olivgrün, das sieht nach Wandersmann aus.

Wenn es eine Stiefelette sein soll, bitte zum Chelsea-Modell aus Wildleder greifen. Springerstiefel und ähnlich andere schwere Stiefel sind Modemenschen oder 20-Jährigen vorbehalten, sonst zweifeln die Mitmenschen noch an der politischen Gesinnung des Trägers. Keine optimale Voraussetzung im Job.

Geht gut: Kleine Stilbrüche sind in der kalten Jahreszeit erlaubt. Ein Männerhalbschuh mit leichtem Plateau zum Kostüm oder ein derber Boot zum Brioni ist ein spannender Kontrast.

Geht gar nicht: Ausgelatschte, dreckige und speckige Modelle. Je derber der Schuh aussieht, desto gepflegter muss er sein.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%