Ungezwungener Freitag: Das Einstecktuch ist zurück

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Das Einstecktuch ist zurück.

Kolumne von Lin Freitag

Mann und Frau kleiden sich wieder korrekt. Das zeigt sich auch an der Rückkehr des Einstecktuches beim Anzug. Eine Kolumne.

Kürzlich stritten sich vier Investoren in einer deutschen Fernsehshow. Anlass war ein 23-Jähriger, der mit dunkelblauem Jackett, weinroter Krawatte und fliederfarbenem Einstecktuch aussah wie sein eigener Großvater: David Schirrmacher, Gründer eines Onlineshops für Herren-Accessoires. Unter dem Label von Floerke verkauft er Fliegen, Manschettenknöpfe und vor allem Einstecktücher. Ein vergessenes Relikt aus einer anderen Zeit – das jetzt ausgerechnet junge Unternehmer wiederentdecken. Vural Öger, Gründer des gleichnamigen Reiseveranstalters, zeigte sich in der Vox-Sendung „Die Höhle des Löwen“ begeistert. „Das ist eine Marktlücke“, sagte er – und gab spontan ein Angebot ab. 100.000 Euro für 33 Prozent des Unternehmens.

Das Investment wird sich lohnen. Denn nicht nur 73-jährige Geschäftsmänner wie Öger kleiden sich gerne klassisch. Nach fast zwei Jahrzehnten, in denen Trends weitestgehend aus dem Sportbereich in unsere Kleiderschränke hinüberschwappten, entdecken vor allem die Jungen und Coolen das optische Spießertum für sich. Statt Jogginghosen und Sneaker tragen sie Bundfaltenhosen und rahmengenähte Budapester. Verspiegelte Sonnenbrillen und schwere Chronografen weichen Nickelbrillen und Golduhren mit Lederarmband.

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Darauf sollten Sie beim Anzug achten

  • Der Stoff

    Hände weg von Synthetik: Polyester, Polyacryl und Co. bringen den Träger nur ins Schwitzen. „Gentleman“-Autor Bernhard Roetzel rät zu 100 Prozent Naturfasern, im Idealfall Schurwolle. Diese ist im Gegensatz zu einfacher Wolle frisch geschoren und zeichnet sich daher durch besonders feine Fasern aus. Stoffe aus Schurwolle sind elastisch, glatt und fallen besser. In vielen Fällen können Anzugkäufer die Stoffqualität auch dadurch ausmachen, indem sie einmal zupacken und schauen, wie stark der Stoff knittert. Das ist aber nicht immer ein Qualitätshinweis: Leinen knittert beispielsweise immer.

  • Das Futter

    Billiganzüge haben meist ein synthetisches Futter aus Kunstfasern. Bessere Anzüge sind mit Viskose gefüttert. Das ist zwar auch synthetisch, wird aber aus Holz hergestellt und weist somit gleiche Eigenschaften auf, wie Baumwolle. Im besten Fall ist das Futter jedoch aus Seide.

  • Die Nähte

    Je billiger der Anzug, desto weniger Stiche weisen die Nähte auf. Wichtig ist vor allem, dass sie ordentlich und gerade verlaufen. Wer dafür keinen Blick hat, kann einfach den ausgewählten Anzug mit einem teuren High-Ende-Modell vergleichen.  Wichtig ist hierbei auch die Hose auf links zu drehen und die inneren Nähte zu begutachten.

  • Die Säume

    Billiganzüge verzichten gerne auf einen ordentlich verarbeiteten Saum. Dadurch fransen die Stoffränder schnell aus.

  • Die Knöpfe

    An Knöpfen lässt sich die Qualität eines Anzugs kaum ausmachen. Diese sind in so gut wie allen Preisklassen aus Kunststoff. Lediglich am oberen Ende haben Anzüge Knöpfe aus Büffelhorn, Steinnuss oder Perlmutt.  „Das sind aber eher traditionelle Qualitätsmerkmale“, sagt Stilexperte Bernhard Roetzel.

Anfang des 19. Jahrhunderts tauchte es erstmals auf. Wer sich wie ein ehrbarer Kaufmann kleiden wollte, trug zum dreiteiligen Anzug ein Stoff-Quadrat, das auch Kavalierstuch oder Pochette genannt wird. Bis weit in die Vierzigerjahre war es fester Bestandteil, vor allem in unschuldigem Weiß. Das geht auch heute noch, fröhlicher sind allerdings knallige Farben und auffällige Muster. Das Einstecktuch überzeugt durch seine modische Narrenfreiheit, es gibt nur eine Regel: Tragen Sie es niemals im Set, also passend zur Krawatte.

Beim Material, der Farbe oder Faltung ist hingegen alles erlaubt. Der Klassiker: Das Tuch wird zum Quadrat gefaltet und guckt ein bis drei Zentimeter aus der Brusttasche heraus.

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Es lässt sich aber auch als Dreieck tragen, kunstvoll in Falten gelegt, mit zwei oder drei Zipfeln oder als Bausch. Das Einstecktuch ist auch längst nicht mehr auf den Blazer fixiert. Der italienische Modedesigner Brunello Cucinelli kombiniert es in seiner aktuellen Kollektion zur Daunenweste. Als Marlene Dietrich in den Dreißigerjahren im Herren-Smoking auftrat, lugte frech ein Einstecktuch aus ihrer Brusttasche hervor. Damals war das ein Skandal, heute können das Accessoire auch Frauen tragen. Egal, ob Mann oder Frau – schöne Tücher mit Paisley-Muster gibt es bei Etro zu kaufen. Die Klassiker haben Hermès und Boss im Sortiment. Oder eben der Onlineshop von David Schirrmacher, der mit den gewonnenen 100 000 Euro garantiert das ein oder andere neue Einstecktuch kaufen wird.

Geht gut: Passend zur Socke oder im Mix – gestreiftes Hemd, gepunktetes Tuch

Geht gar nicht: Im Partnerlook mit der Krawatte

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