Ungezwungener Freitag: Der Duft der Macht

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kolumneUngezwungener Freitag: Der Duft der Macht

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Eine Frau steht vor einer Vitrine mit verschiedenen Flacons. In der Chefetage werden die Düfte dezenter

Kolumne von Lin Freitag

Erfolg riecht heute anders: Gurke-Limette löst Moschus und Patchouli ab.

Es gibt nicht nur einen Dresscode der Macht, Erfolg hat auch einen speziellen Duft.

Dieser ist immer Spiegel seiner Zeit: Bevor der Tabakkonzern Davidoff Mitte der Achtzigerjahre sein Cool Water auf den Markt brachte, ähnelten sich Frauen- und Männer-Parfüms stark. Doch der Yuppie-Look der Achtzigerjahre verlangte nach einem entsprechend männlichen Duft. Zu Schulterpolstern, Zweireiher und Aktentasche trug der Geschäftsmann von Welt Aromen von Moschus, Amber und Tabak. Für Frauen war es damals schwer, zu den beliebtesten Düften gehörte Jil Sanders Sun – bis heute ein Verkaufsschlager.

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Macht riecht dezent

Doch es ist gar nicht so leicht, Kompetenz auszustrahlen, wenn man riecht wie ein Puddingteilchen. Daher veränderte sich der Duft der Chefetage. Macht riecht mittlerweile dezenter. Und gleichzeitig individueller, mit einer feinen Note Extravaganz. Trug der erfolgreiche Mann früher Hugo Boss, darf es heute Gurke-Limone sein. Auch sein eigenes Parfüm entwerfen zu lassen ist kein Problem, sondern eine Frage des Geldes. Bis zu 30.000 Euro kostet ein solcher Flakon, mitunter braucht ein Parfümeur mehrere Jahre.

Das bedeuten die verschiedenen Business-Dresscodes

  • Casual

    Bedeutet gehobene Freizeitkleidung, also: Baumwollhose, Polohemd, Jackett. Beim Business Casual putzen sich die Leute mehr heraus: Frauen tragen Kostüm oder Hosenanzug, nicht zu hohe Schuhabsätze, unsichtbare Zehen. Männer tragen eine Kombination, die Krawatte kann im Schrank bleiben.

  • Smart Casual

    Meist bei Einladungen nach der Arbeit. Konservativ: Er trägt Anzug, aber keine Brauntöne. Sie: Kostüm oder Hosenanzug, aber keine großen Handtaschen mit Schulterriemen. Einzig richtig: Clutchbags – kleine Handtäschchen ohne Riemen. Rocklänge: nie kürzer als eine Handbreit über dem Knie.

  • Informal

    Damen: halblange, elegante Kleider
    Herren: dunkelgraue oder schwarze Anzüge.

  • Black Tie

    Gerne zu Abendanlässen. Er: Smoking, Hemd mit Doppelmanschetten, Kummerbund und Einstecktuch, schwarze Fliege, schwarze Schuhe. Sie: schwarze lange Robe, Tasche (kleiner als der Kopf). Accessoires gerne farbig.

  • White Tie

    Er: Frack, weiße Weste mit tiefem Ausschnitt, Stehkragenhemd mit verdeckter Knopfleiste, weiße Fliege, Lackschuhe. Sie: bodenlanges Abendkleid in Schwarz, Weiß oder Grau (Schultern bei Ankunft bedeckt). Zum Ballkleid geschlossene Schuhe mit Seidenstrümpfen. Findet der Ball im Hochsommer statt, auch hohe Sandaletten – dann ohne Strümpfe.

  • Cocktail

    Zu eleganten Partys und Vernissagen ab 16 Uhr. Er: dunkler Anzug, Hose mit Bügelfalte, einfarbiges Hemd, dunkle Krawatte, lässiger Schnürschuh. Sie: das kleine Schwarze. Schultern, Dekolleté und Bein dürfen gezeigt werden.

  • Jacketts

    Werden oft falsch zugeknöpft. So ist es richtig: Zweireiher immer geschlossen. Sakko mit zwei Knöpfen: ein Knopf geschlossen, wahlweise der untere oder der obere. Drei-Knopf-Sakko: beide oberen Knöpfe zu oder nur der mittlere. Vier-Knopf-Sakko: die beiden mittleren oder die drei oberen Knöpfe geschlossen. Fünf-Knopf-Sakko: alle Knöpfe bis auf den untersten bleiben zu. Frack: wird immer offen getragen. Weste: alle Knöpfe bis auf den untersten bleiben geschlossen.

  • Kurzarmhemden

    Unter Sakkos tabu! Die Hemdmanschette muss unter dem Ärmel herausschauen. Richtig: Die Ärmel des Sakkos enden knapp über dem Handrücken, die Hemdmanschette schaut darunter einen Zentimeter heraus.

  • Einstecktuch

    Klassisch aus weißer Baumwolle, modern aus farbiger Seide oder Kashmir. Hat nie (!) dasselbe Muster wie die Krawatte, passt aber farblich dazu.

  • Krawatte

    Sie reicht exakt bis zur Gürtelschnalle, nicht länger, nicht kürzer. Der Knoten darf nie so dick werden, dass er den Kragen vom Hemd abdrückt.

  • Schuhe

    Ungepflegte Galoschen enttarnen jedes stilvolle Outfit als Verkleidung. Das Minimum ist ein Paar schwarzer Schnürschuhe aus Leder. Etwa ein Oxford – glatt mit schlichter Kappe. In Braun passt er auch zu Sportjacketts oder Tweedanzügen. Der Semi-Brogue eignet sich zu gemusterten Anzügen und weichen Stoffen. Auch er hat eine Kappe, die weist aber dezente Lochmuster wie beim Brogue auf. Der wird auch Budapester genannt und passt mit seinem typischen Lochmuster auf der geschwungenen Kappe und den Seitenflügeln zu Anzügen aller Art. Wirkt aber stets etwas konservativ.

Doch auch abseits dieses speziellen Luxus boomt das Besondere. Bei der britischen Duftmarke Jo Malone etwa erschnüffelt man Kreationen von Ingwer-Muskat bis hin zu Salbei-Holz-Meersalz. Das bereits 1760 gegründete Traditionshaus Creed duftete schon Napoleon und Kaiserin Sissi ein. Heute hüllen sich Prinz Charles und Robert Redford in den Duft Green Irish Tweed, der riecht wie ein Morgenspaziergang im Frühling. Klar, dass das auch im Büro funktioniert. Aber was geht nicht?

Weniger ist mehr

Zunächst gilt – Überraschung! – weniger ist mehr. Vor allem Fans der aufdringlichen deutschen Lieblingsdüfte Le Male von Jean-Paul Gaultier oder Thierry Muglers Angel sollten besser wohl dosieren. Gut hingegen sind Düfte mit Zitronen- oder Orangennoten. Zunächst stehen diese Gerüche für Lebendigkeit, Dynamik und Aktivität. Ebenfalls nicht ganz nutzlos im Job: Sie sollen die Produktivität steigern. Allzu sehr sollte es dann aber doch nicht nach Zitrusfrüchten riechen. Die Bundesbürger verbinden einen besonders intensiven Duft mit Klostein, in Frankreich hingegen kann es gar nicht zitronig genug sein.

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Und da sind wir auch schon beim Dilemma: Geht es um Duft, spielen Geschmack und Sozialisierung eine große Rolle. Die Nasenschleimhaut ist im Unterschied zu jedem anderen unserer Sinnesorgane mit der Großhirnrinde verbunden. Gerüche wandern direkt ins limbische System und in den Hippocampus. Diese Teile des menschlichen Gehirns sind für Gefühle, Triebe und Erinnerungen zuständig. Apropos Triebe: Ganz neu im Duftregal ist das Werk des Proll-Millionärs Robert Geiss zu erschnüffeln. Beworben als „Rockig und Markant“ riecht ein echter Geiss nach Patchouli und Bergamotte. Klingt streng, muss aber auch nicht im Büro funktionieren. Der Mann ist mittlerweile seit vielen Jahren Privatier.

Geht gut: unaufdringliche, natürliche Noten wie Koriander, Obst und Hölzer

Geht gar nicht: zu süß, zu herb, zu betont männlich, zu betont weiblich

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