Ungezwungener Freitag: Die Sache mit dem Dresscode

kolumneUngezwungener Freitag: Die Sache mit dem Dresscode

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Dresscode: Casual. Doch was heißt das für den Einzelnen?

Kolumne von Lin Freitag

Der Dresscode soll für Klarheit in Kleidungsfragen sorgen. Stattdessen stiftet er häufig Unsicherheit.

In der vergangenen Woche herrschte große Aufregung in der Redaktion. Und das lag nicht etwa an der Krise der Deutschen Bank oder am dramatischen Ölpreisverfall. Nein, Schuld waren zwei kleine Wörter am Ende der Einladung zur Feier des 90. Geburtstages dieses Magazins. „Dresscode: Casual“ war da zu lesen.

Eigentlich eine feine Sache. Soll der Dresscode doch für mehr Klarheit bei der Klamottenwahl sorgen. Stattdessen war plötzlich gar nichts mehr klar. Es herrschte maximale Unentschlossenheit.

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Die Kollegen waren sich uneins, ob sie bloß die Krawatte weglassen dürfen oder einfach auch nur eine Jeans tragen können.

Und bei den Kolleginnen reichte die Auslegung des Wörtchens Casual noch deutlich weiter: Von „Wir brezeln uns richtig auf“ bis „Ich ziehe Turnschuhe an“ war alles dabei.

Woran liegt das nur, dass etwas, das die Welt vereinfachen soll, sie scheinbar so viel komplizierter macht? Oft erschwert die Verbindung aus Beruflichem und Privatem die Wahl. Wie auch in diesem Fall. Geladen waren nicht nur Redakteure, sondern auch Manager, Politiker und Leser. Stattgefunden hat das Fest außerdem an einem Freitagabend in einer ehemaligen Düsseldorfer Diskothek – eine schwer kombinierbare Mischung.

Dazu kommt die muntere Ausweitung der gängigen Kleiderordnung. Gab es früher im Großen und im Ganzen doch nur zwei verschiedene Möglichkeiten: die „Abendgarderobe“, die einen dunklen Anzug für den Mann und ein Cocktailkleid für die Frau vorsah, und „Black Tie“, bei dem sich der Mann in einen Smoking hüllte und die Frau in das lange Abendkleid warf. Heute ist das anders.

Mit dem Siegeszug der Werber, Kreativen und Gründer in der deutschen Wirtschaft kamen auch allerlei Wortneuschöpfungen auf, wie etwa Smart Casual, Business Casual oder auch Creative Casual.

Die Folge? Die größere Auswahl sorgte nicht für schärfere Grenzen, sondern ließ sie mehr und mehr verschwimmen. Egal, ob T-Shirt unter dem Blazer, Sneaker zum Smoking oder die Abwesenheit der Krawatte: Irgendwie scheint immer alles zu gehen.

Das bedeuten die verschiedenen Business-Dresscodes

  • Casual

    Bedeutet gehobene Freizeitkleidung, also: Baumwollhose, Polohemd, Jackett. Beim Business Casual putzen sich die Leute mehr heraus: Frauen tragen Kostüm oder Hosenanzug, nicht zu hohe Schuhabsätze, unsichtbare Zehen. Männer tragen eine Kombination, die Krawatte kann im Schrank bleiben.

  • Smart Casual

    Meist bei Einladungen nach der Arbeit. Konservativ: Er trägt Anzug, aber keine Brauntöne. Sie: Kostüm oder Hosenanzug, aber keine großen Handtaschen mit Schulterriemen. Einzig richtig: Clutchbags – kleine Handtäschchen ohne Riemen. Rocklänge: nie kürzer als eine Handbreit über dem Knie.

  • Informal

    Damen: halblange, elegante Kleider
    Herren: dunkelgraue oder schwarze Anzüge.

  • Black Tie

    Gerne zu Abendanlässen. Er: Smoking, Hemd mit Doppelmanschetten, Kummerbund und Einstecktuch, schwarze Fliege, schwarze Schuhe. Sie: schwarze lange Robe, Tasche (kleiner als der Kopf). Accessoires gerne farbig.

  • White Tie

    Er: Frack, weiße Weste mit tiefem Ausschnitt, Stehkragenhemd mit verdeckter Knopfleiste, weiße Fliege, Lackschuhe. Sie: bodenlanges Abendkleid in Schwarz, Weiß oder Grau (Schultern bei Ankunft bedeckt). Zum Ballkleid geschlossene Schuhe mit Seidenstrümpfen. Findet der Ball im Hochsommer statt, auch hohe Sandaletten – dann ohne Strümpfe.

  • Cocktail

    Zu eleganten Partys und Vernissagen ab 16 Uhr. Er: dunkler Anzug, Hose mit Bügelfalte, einfarbiges Hemd, dunkle Krawatte, lässiger Schnürschuh. Sie: das kleine Schwarze. Schultern, Dekolleté und Bein dürfen gezeigt werden.

  • Jacketts

    Werden oft falsch zugeknöpft. So ist es richtig: Zweireiher immer geschlossen. Sakko mit zwei Knöpfen: ein Knopf geschlossen, wahlweise der untere oder der obere. Drei-Knopf-Sakko: beide oberen Knöpfe zu oder nur der mittlere. Vier-Knopf-Sakko: die beiden mittleren oder die drei oberen Knöpfe geschlossen. Fünf-Knopf-Sakko: alle Knöpfe bis auf den untersten bleiben zu. Frack: wird immer offen getragen. Weste: alle Knöpfe bis auf den untersten bleiben geschlossen.

  • Kurzarmhemden

    Unter Sakkos tabu! Die Hemdmanschette muss unter dem Ärmel herausschauen. Richtig: Die Ärmel des Sakkos enden knapp über dem Handrücken, die Hemdmanschette schaut darunter einen Zentimeter heraus.

  • Einstecktuch

    Klassisch aus weißer Baumwolle, modern aus farbiger Seide oder Kashmir. Hat nie (!) dasselbe Muster wie die Krawatte, passt aber farblich dazu.

  • Krawatte

    Sie reicht exakt bis zur Gürtelschnalle, nicht länger, nicht kürzer. Der Knoten darf nie so dick werden, dass er den Kragen vom Hemd abdrückt.

  • Schuhe

    Ungepflegte Galoschen enttarnen jedes stilvolle Outfit als Verkleidung. Das Minimum ist ein Paar schwarzer Schnürschuhe aus Leder. Etwa ein Oxford – glatt mit schlichter Kappe. In Braun passt er auch zu Sportjacketts oder Tweedanzügen. Der Semi-Brogue eignet sich zu gemusterten Anzügen und weichen Stoffen. Auch er hat eine Kappe, die weist aber dezente Lochmuster wie beim Brogue auf. Der wird auch Budapester genannt und passt mit seinem typischen Lochmuster auf der geschwungenen Kappe und den Seitenflügeln zu Anzügen aller Art. Wirkt aber stets etwas konservativ.

Was wiederum zu der nächsten Frage führt, ob es überhaupt noch Dresscodes braucht. In einer Welt, die Individualität hoch schätzt, wirken sie wie aus der Zeit gefallen. Ist der Kleiderordnung oberstes Ziel doch die Gleichmacherei: Alle ziehen sich ähnlich an, damit keiner sich unwohl fühlt.

So geschehen dann auch am Freitagabend auf der großen Party zum 90. Geburtstag dieses Magazins. Wie die große Unsicherheit endete? Alle trugen die Nummer sicher: Jeans und Blazer. Zweck erfüllt, langweilig ist das trotzdem.

Geht gut: Langweilig, aber bei fast allen Mischformen völlig in Ordnung: Jeans und Blazer.

Geht gar nicht: Heißt es Black Tie, gehen Jeans und Blazer nicht. Und umgekehrt. Wer ein kleines bisschen wild sein will, wählt eine Smokingjacke aus Samt.

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