Ungezwungener Freitag: Holt die Krawatte aus der Krise!

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kolumneUngezwungener Freitag: Holt die Krawatte aus der Krise!

Kolumne von Lin Freitag

Die Krawatte gilt als Gegenteil von Innovationsfreude, Flexibilität und moderner Führungskultur. Jetzt verzichten schon Autobosse und Industriechefs darauf. Zeit, den Schlips wieder cool zu machen. Eine Kolumne.

Für Daimler-Chef Dieter Zetsche ist es ein Symbol der digitalen Transformation. Für Bosch-CEO Volkmar Denner gehört es zur Verankerung einer jüngeren Unternehmenskultur. Und der Telekom-Vorstandsvorsitzende Timotheus Höttges verhält sich eh schon länger so, als führte er ein Start-up und keinen ehemaligen Staatskonzern.

Worum es geht? Um Krawatten. Oder genauer: um deren zunehmende Abwesenheit in Deutschlands Büros. Der Schlips ist zum Feind mutiert, gilt als Gegenteil von Innovationsfreude, Flexibilität und moderner Führungskultur. Doch warum gerade der Schlips? Steht er doch auch für all die Eigenschaften, für die Deutschland vom Rest der Welt beneidet wird: Er ist konservativ, korrekt, ein bisschen bieder.

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Darauf sollten Sie beim Anzug achten

  • Der Stoff

    Hände weg von Synthetik: Polyester, Polyacryl und Co. bringen den Träger nur ins Schwitzen. „Gentleman“-Autor Bernhard Roetzel rät zu 100 Prozent Naturfasern, im Idealfall Schurwolle. Diese ist im Gegensatz zu einfacher Wolle frisch geschoren und zeichnet sich daher durch besonders feine Fasern aus. Stoffe aus Schurwolle sind elastisch, glatt und fallen besser. In vielen Fällen können Anzugkäufer die Stoffqualität auch dadurch ausmachen, indem sie einmal zupacken und schauen, wie stark der Stoff knittert. Das ist aber nicht immer ein Qualitätshinweis: Leinen knittert beispielsweise immer.

  • Das Futter

    Billiganzüge haben meist ein synthetisches Futter aus Kunstfasern. Bessere Anzüge sind mit Viskose gefüttert. Das ist zwar auch synthetisch, wird aber aus Holz hergestellt und weist somit gleiche Eigenschaften auf, wie Baumwolle. Im besten Fall ist das Futter jedoch aus Seide.

  • Die Nähte

    Je billiger der Anzug, desto weniger Stiche weisen die Nähte auf. Wichtig ist vor allem, dass sie ordentlich und gerade verlaufen. Wer dafür keinen Blick hat, kann einfach den ausgewählten Anzug mit einem teuren High-Ende-Modell vergleichen.  Wichtig ist hierbei auch die Hose auf links zu drehen und die inneren Nähte zu begutachten.

  • Die Säume

    Billiganzüge verzichten gerne auf einen ordentlich verarbeiteten Saum. Dadurch fransen die Stoffränder schnell aus.

  • Die Knöpfe

    An Knöpfen lässt sich die Qualität eines Anzugs kaum ausmachen. Diese sind in so gut wie allen Preisklassen aus Kunststoff. Lediglich am oberen Ende haben Anzüge Knöpfe aus Büffelhorn, Steinnuss oder Perlmutt.  „Das sind aber eher traditionelle Qualitätsmerkmale“, sagt Stilexperte Bernhard Roetzel.

Das ist Teil des Problems. Krawatte, das klingt eben auch nach beigebraunen Teppichböden, Behördenmentalität, kurz: der alten Republik. Als Manager nicht zum Lunch gingen, sondern ein von der Gattin geschmiertes Butterbrot verspeisten; sie noch Filterkaffee statt Coffee to go tranken. Und Industriebarone keine Konkurrenz von Start-ups fürchten mussten.

Abkehr vom Schlips als positiver Wirtschaftsindikator

Die Krawattenkrise hat aber noch einen anderen Grund. Deutschland geht es aktuell wirtschaftlich so gut wie lange nicht mehr. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Männer und Frauen gerade in angespannten Zeiten dazu neigen, sich konventionell zu kleiden. Das Bewährte soll dabei Halt bieten. Die Abkehr vom Schlips ist also als positiver Wirtschaftsindikator zu verstehen.

So kleiden Sie sich richtig

  • Wie Sie stilsicher werden

    Wie kleidet man sich ordentlich? Dabei geht es um mehr als die Frage, ob mit oder ohne Krawatte. Welche Aussagen lassen sich durch welche Kleidung transportieren? Das ist keineswegs Jacke wie Hose. Ein Crashkurs.

  • It fits

    Im Englischen heißt es „it fits“, wenn etwas passt. Daher das Wort „Outfit“. Ihre Kleidung sollte in drei Kategorien passen: Dem Anlass entsprechend, dem Typ entsprechend und der individuellen Aussage entsprechend. Genau in der Schnittmenge liegt das für sie optimale Outfit.

  • Für Banken, Versicherungen, Rechtsabteilungen und Buchhaltung

    Anzug oder Kostüm sollten Werte wie Vertrauen und Sicherheit widerspiegeln. Das gilt auch für Mitarbeiter im Back-Office. Ein Ziel ist Understatement. Die Kleidung sollte modern und nicht bieder wirken; dunkle Business-Farben wirken am besten.

  • In Management, Controlling, Marketing und PR

    Es gilt, einen Tick schicker zu sein als im klassischen Business. Hosen mit Pullover gehen maximal in der Werbebranche. Ansonsten eher kompletter Hosenanzug oder Blazer-Hose-Kombi für Damen, Anzüge und Kombinationen für Herren. Anspruchsvoll, gehobene Qualität und dunklere Farben.

  • Im B2B

    Professioneller Look ist hier unabdingbar. Klassische Kostüme, Anzüge und Kombinationen in mittleren bis dunkleren Farbtönen. Farben dürfen nicht ins Auge springen, sollten aber modern sein.

  • In Kreativ-Jobs

    In der Werbung oder bei den Medien darf es bunter und ausdrucksstark zugehen. Hier ist Nähe angesagt und schwarze Kleidung ist da sehr hinderlich.

  • Große Männer brauchen Unterteilungen

    Für besonders große Männer empfehlen sich farbliche Unterteilungen. Also zum Beispiel blaue Hose oder roter Pullover. Das unterbricht die Größe und lässt Sie weniger lang wirken. Männer mit langen Beinen tragen am besten längere Jacken und Ärmel.

  • Kleine Männer eher eintönig

    Ist Ihr Körper insgesamt kurz, empfiehlt sich farblich Ton in Ton. Farbliche Unterteilungen würden die Kürze betonen. Haben Sie kurze Beine, sollten Sie von Hosenaufschlägen absehen – und auch davon, Ärmel aufzukrempeln.

  • Passend zum Typ

    Tiefsinnige und Kreative wollen sich ausdrücken. Die Erscheinung darf Außergewöhnliches bieten, also kreativer Kragen, Schmuck, extravagante Brille oder bunte Farben. Bodenständige Typen verwenden besser natürliche Materialien und Erdtöne. Dramatiker und Extrovertierte mögen vielleicht asymmetrisch geschnittene Kleidung – sie sollten dann aber darauf achten, dass sie niemals billig wirkt. Zu sportlichen Typen passen Blau und Grün.

  • Nicht nur beim Mann entscheidet die Figur

    Sollten Sie eine schlanke Frau sein und Kleidergröße 32 bis 34 tragen, sehen Röhrenjeans super aus. Ab Kleidergröße 40 sehen Sie mit ihnen dicker aus. Es liegt also stets an der Form ihres Körpers.

  • Rechteckige Figurform

    Sind Schulter, Taille und Hüfte gleich breit, empfiehlt sich eine gerade Hose oder ein gerader Rock.

  • Dreieckige Figurform

    Die Schulter ist schmaler als die Hüfte. Hier sollten Sie Hosen und Rücke in der sogenannten A-Linie mit kurzen Oberteilen kombinieren.

  • Umgekehrtes Dreieck

    Die Schulter ist breiter als die Hüfte: Hier empfehlen sich Caprihosen, Röhrenhosen und enge Röcke. Die schmalen Hosen lassen sich gut in Stiefel stecken.

  • Die Achter-Figur

    Die Figur ist wie eine 8 geformt. Sie ist eine sehr weibliche Figurform. Die Röcke sind konisch geschnitten, sie werden zum Knie hin schmaler. Passende Hosen sind Hosen in Bootcut-Schnitten.

Eine erfreuliche Auswirkung auf den Stil hat das nicht zwangsläufig. Nur weil Manager den Schlips im Schrank lassen, heißt das nicht, dass sie dadurch besser gekleidet sind. Auf dem Weg zu einem modernen Businesslook liegen noch ganz andere Felsbrocken, die es zu zerschlagen gilt. Bollerige Bundfaltenhosen, Hemden mit Brusttasche oder auch Jack-Wolfskin-Jacke zum Anzug.

So wundert es nicht, dass zahlreiche Gegenbeispiele von Krawattenträgern zeigen, wie man auch oben mit modern aussehen kann. Der scheidende Bayern-Trainer Pep Guardiola kombiniert Krawatte mit grauem V-Pulli und sieht trotzdem nicht aus wie sein eigener Großvater.

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So ist das eben bei Trends: Kaum sind sie in der breiten Masse angekommen – siehe Zetsche und Denner –, tragen Modebewusste wieder das Gegenteil. Das zeigen auch die aktuellen Kollektionen. Mausgraue Polyester-Binder gibt es nur noch als Artefakt in der Herrenabteilung von Karstadt zu bestaunen. Die neuen Modelle sind schmal wie ein Lineal, aus Kaschmir oder gestrickter Seide.

Ein anderer Gewinner der Krawattenkrise ist die Fliege. Auch sie wird schon länger nicht mehr nur zum Smoking oder von SPD-Gesundheitsexperten getragen. Mehr Vielfalt am Kragen tut der Bundesrepublik gut. Bedeutet das Ende des Krawattenzwangs doch auch das Ende eines besonders unerfreulichen Anblickes: Manager, die so gequält gucken, als würden sie einen Strick und keinen Schlips um den Hals tragen.

Geht gut: Krawatte aus Samt, gewaschener oder gestrickter Seide, mit Blumendrucken.

Geht gar nicht: Krawatte aus Polyester, mit humorvollem Print – außer von Hermès.

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