Ungezwungener Freitag: Kann man wieder Samt tragen?

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Früher zierte Samt Könige und Kaiser. Jetzt ist der Stoff zurück in der Mode

Kolumne von Lin Freitag

Je härter die Welt, desto weicher der Stoff: In diesem Winter hüllen sich Mann und Frau in Samt. Zumindest, wenn es nach den Designern geht. Wie alltagstauglich ist der Stoff? Eine Kolumne.

Wenn es in der Welt besonders hart zugeht, mögen es die Menschen auf ihrer Haut besonders weich. So fügt sich Samt, der Stoff der Stunde, nahtlos in eine Zeit der Messerattacken, Terroranschläge und Flüchtlingskrise. Eben auch, weil das Material zwar weich und glänzend ist, aber nicht auf harmlos-kuschelige Art wie Nikki-Stoff oder Kaschmir. Samt haftet immer auch etwas Düsteres, Melancholisches an. Das liegt zum einen daran, dass der Stoff in den vergangenen Jahren vor allem an Gruftis und Esoterik-Anhängern gesichtet wurde.

Zum anderen aber auch an der langen Historie: Hergestellt wurde Samt erstmals im späten 13. Jahrhundert. Er zierte Könige, Kaufmänner und Schurken, überlebte Kriege, Krankheiten und Hunger – ein krisenfestes Stöffchen also. In den Siebzigerjahren lancierte Samt gar zum politischen Gesprächsstoff, als Sänger wie Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger und David Bowies Alter Ego Ziggy Stardust in hautengen Samtoveralls eine Genderdebatte anstießen.

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Ungezwungener Freitag Das Einstecktuch ist zurück

Mann und Frau kleiden sich wieder korrekt. Das zeigt sich auch an der Rückkehr des Einstecktuches beim Anzug. Eine Kolumne.

Das Einstecktuch ist zurück. Quelle: dpa

Ein Blick auf die Laufstege von Paris über Mailand bis nach New York zeigt, dass die Designer bei ihren aktuellen Herbstkollektionen kein bevorzugtes Geschlecht im Sinn hatten und sich auch nicht auf einzelne Kleidungsstücke beschränkten.

Samt von Kopf bis Fuß

Manch einer ist dem Stoff scheinbar euphorisch verfallen: Samt von Kopf bis Fuß, als Mantel, als Kleid, als Hose und Schuh waren keine Seltenheit. Givenchy zeigte mitternachtsblaue Samtkleider mit opulenter schwarzer Spitze und blutrote Samt-Dirndl. Tom Ford setzte auf mittelalterlich anmutende Oberteile mit Rüschen aus Samt. Und Giorgio Armani, erwiesener Langzeitfan des Materials, zeigte in seiner Couture-Kollektion Samthosen in jeglicher Form, aber immer in Schwarz.

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Dazu passt auch die nächste Designer-Kooperation von H&M mit dem Pariser Luxushaus Balmain. Anfang November kommt die Kollektion in die Läden. Zu sehen: Samt in Schwarz, Rot und Grün – über und über bestickt mit Perlen und allerlei anderem Glitzerkram. Gott sei Dank dauert es nicht mehr lang bis zum 24. Dezember, denn dass es bei Samt immer auch festelt und weihnachtet, liegt in der Optik der Sache. Wer es deshalb als Frau langsam angehen will, wählt ein Samtband aus dem Stoffladen für 3,50 Euro und bindet sich daraus eine Schleife für den Hals. Oder kauft sich alternativ eine bereits fertig gebundene für 250 Euro bei Yves Saint Laurent, Großmeister des Samtgebrauchs.

Bei Männern ist die Samtlage etwas komplexer. Anfänger starten traditionell mit einem schwarzen Jackett, die Mutigen wählen eines in Beige oder als Komplettlook mit passender Hose. Mick Jagger oder Ziggy Stardust macht man so zwar keine Konkurrenz, aber um eine Genderdebatte im Jahr 2015 anzuzetteln, braucht es vielleicht auch mehr als einen hautengen Samtoverall.

Geht gut: in Verbindung mit anderen feinen Stoffen wie Brokat oder Seide.

Geht gar nicht: mit viktorianischer weißer Spitzenbluse – Vorsicht, Gothic!

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