Unternehmensgründer: Gründen in der Krise - Seite 2

Unternehmensgründer: Gründen in der Krise

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Toksta-Gründer Felix Fiedelsberger und Michael Glöß
Toksta-Gründer Felix Fiedelsberger und Michael Glöß

Regelrecht durchgefragt haben sich die beiden Gründer Robin Behlau und Mario Kohle, die vor Kurzem die Internet-Plattform käuferportal.de aufgebaut haben. Dort können Mittelständler und Selbstständige nach Anbietern für Produkte suchen, von denen sie selbst kaum Ahnung haben – und müssen nicht wertvolle Zeit opfern, um selbst im Markt zu recherchieren. Ein Anwalt etwa, der für seine Kanzlei einmalig eine neue Telefonanlage benötigt und nicht weiß, welches Modell seinen Ansprüchen am besten gerecht wird, kann seine Anfrage aufgeben – kostenlos. Käuferportal verkauft die Anfrage dann an drei Händler, die den Kunden die passenden Produkte anbieten können. Indem sie Käufer auf einem unübersichtlichen Markt an die passenden Verkäufer vermitteln, wollen Behlau und Kohle Geld verdienen.

Zunächst brauchten sie aber selber welches – um Rechner zu kaufen, die Software zu entwickeln und Mitarbeiter zu bezahlen. Bei der Suche nach Kapitalgebern half ihnen, dass Mario Kohle an seiner Uni jemanden kannte, der wiederum Lukasz Gadowski kannte und ihn mit den Gründern bekannt machte. „Der hat uns dann viele Türen zu anderen Investoren geöffnet, an die wir sonst nie herangekommen wären“, sagt Behlau. Im Herbst, als die Schockwellen der Finanzkrise um die Welt gingen, machten die beiden 24-Jährigen den Deal mit einer Gruppe von Business Angels um Lukasz Gadowski und den StudiVZ-Mitgründer Ehssan Dariani perfekt.

Dass sie den Geldgebern, die eine „mittlere sechsstellige Summe“ investierten, größere Anteile am Unternehmen abgeben mussten, stört sie nicht: „Wir wollen lieber ein kleines Stück von einer großen Melone“, sagt Behlau, „als ein großes Stück von einer Erbse.“

Mitten in der Krise haben sich auch Christian Gaiser und Tim Marbach nach Geld für ihr Unternehmen umgesehen – und ausgerechnet im Epizentrum des Bebens wurden sie fündig: Just als die Londoner Mitarbeiter der US-Pleitebank Lehman Brothers ihre Büros ausräumten, fuhren die beiden in die britische Hauptstadt. Ihr Ziel: der Finanzdistrikt. Dort trafen sie Stefan Glänzer, der seit den Neunzigerjahren serienmäßig Unternehmen gründet und finanziert.

Drei Stunden erzählten Marbach und Gaiser von ihrer Geschäftsidee: eine Plattform im Internet, auf der Supermarktketten und andere Händler ihre Prospekte einstellen können, anstatt sie überall für viel Geld zu verteilen. Kunden, die die Seite ansteuern, können am Bildschirm durch die Prospekte aus ihrer Region blättern. Pro Abruf sollten die Anbieter den Gründern so viel zahlen, wie sie ein gedruckter Prospekt gekostet hätte: Kaufda.de, das „Online-Schaufenster für lokales Einkaufen“, war geboren. Und Investor Glänzer angetan.

Kosten senken als Überlebensstrategie

Mit seiner Hilfe sprachen die Gründer weitere Geldgeber an und bauten parallel ihr Unternehmen zusammen: „Es ist wichtig, möglichst viel selbst zu machen, bevor man mit den Investoren spricht“, rät Mitgründer Marbach. Je mehr man vorweisen könne, desto mehr sei das Unternehmen wert und desto weniger Anteile müsse man an die Investoren abgeben. Allerdings sollte man immer realistisch bleiben, raten Investoren wie Olaf Jacobi von Target Partners: „Wir merken, wenn es sich um einen geschönten Businessplan handelt.“

Die meisten VC-Gesellschaften unterziehen die Anwärter einer besonders sorgfältigen Prüfung, der „Due Diligence“. Manche Superidee entpuppe sich dabei schnell als Schnapsidee, sagt Jacobi. Wichtig ist es, den Umsatz nicht zu euphorisch zu planen und die Kosten nicht zu gering anzusetzen. Florian Schweitzer, Partner beim Investorennetzwerk BrainsTo Ventures rät, den Kapitalbedarf bis zum Break Even genau zu kalkulieren. Aber auch dann sei man nicht über den Berg: „Viele unterschätzen, wie viel Kapital Unternehmen später noch ins Wachstum investieren müssen“.

Das bedeutet auch, im Zweifel seine ursprüngliche Strategie ändern zu müssen, etwa um Kosten zu sparen. Felix Fidelsberger und Michael Glöß hat das in der Krise geholfen. Das Duo hat einen sogenannten Instant Messenger namens Toksta entwickelt – ein Computerprogramm, mit dem sich Internet-Nutzer per Video, Mikrofon oder Tastatur unterhalten können. Toksta funktioniert ähnlich wie Skype, hat aber eine Besonderheit: Online-Communities können den Dienst problemlos integrieren und so ihren Mitgliedern ermöglichen, direkt auf ihrer Web-Seite zu kommunizieren.

Zunächst waren Fidelsberger und Glöß darauf bedacht, möglichst viele Nutzer zu erreichen: „Als Kapital noch günstig zu bekommen war, bot es sich an, schnell zu expandieren“, sagt Fidelsberger, „und es war nicht so wichtig, sofort Geld zu verdienen.“ Dann kam die Krise. Und mit ihr eine PowerPoint-Präsentation der großen US-amerikanischen VC-Gesellschaft Sequoia Capital, die viele zum Nachdenken brachte.

Die erste Seite zeigte einen Grabstein und den Satz „Gute Zeiten, Ruhet in Frieden“, eine andere verkündete das neue Motto „Survival of the Quickest“ – nur wer am schnellsten Kosten senkt, überlebt. Fidelsberger und Glöß verstanden. Und reagierten umgehend. Sie stellten anders als geplant keine Vertriebler mehr ein und baten ihre Lieferanten um Rabatte. Zudem schauten sie sich nach günstigeren Servern um und konzentrierten sich darauf, mehr Lizenzen zu verkaufen, anstatt so viele kostenlose werbefinanzierte Versionen wie möglich unters Volk zu bringen. Der Strategieschwenk lohnte sich: Die Geldgeber hielten Toksta die Stange. Jetzt steht sogar ein weiterer Investor kurz davor, ins Unternehmen einzusteigen. Trotz Krise.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.06.2009, 22:25 UhrAnonymer Benutzer: Johannes

    @ DER GRÜNDER: Endlich mal Jemand der mir aus der Seele spricht!!! Stimme deinem Kommentar absolut zu!!!

  • 19.03.2009, 19:37 UhrAnonymer Benutzer: andre77

    für gründer ist deutschland wahrlich kein gutes pflaster. dabei sind sicher mangelnde finanzierungsmöglichkeiten ein grund, aber noch bescheidener sind die millionen von bürokratiebollwerken, richtlinien und beschränkungen. das sind oft hürden die man mit einer guten idee und etwas geld letztendlich doch nicht überspringen kann. wer es dann doch schafft tu spart oft an der falschen stelle nähmlich bei der nachhaltigen und guten aussendarstellung... kunden und aufträge kommen nicht von allein. die devise "licht lockt leute"
    bekommt immer mehr bedeutung, denn es wird um jeden kunde gekämpft.

    www.werbeanlagen.info

  • 20.01.2009, 09:31 UhrAnonymer Benutzer: zarromanowski

    @DER GRÜNDER
    "Am Markt zu bestehen und sich dem Staat, der Steuer und den behörden gegenüber zu behaupten sind nunmal die Hauptaufgaben jedes Unternehmers."

    Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, soweit sind wir schon in dieser Republik, Gründer sehen ihre Hauptaufgabe als Unternehmer im behaupten gegenüber dem Staat und seinen behörden - seltsam, was in dieser Republik so heranwächst???

    Habe ich denn als Unternehmer keine anderen Probleme, muß ich mich tatsächlich mit einem balast von weltfremden Gesetzen, Verordnungen und Zwangsbeiträgen herumschlagen um anschließend mit geschwollener brust behaupten zu können, "ich habe mich dem Staat gegenüber behauptet" zumindest bis zur nächsten betriebsprüfung??

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