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Unternehmensgründer: Gründen in der Krise

von Jens Tönnesmann

Derzeit ist es eine besondere Herausforderung, ein Unternehmen zu gründen. Doch die Krise bietet auch Chancen. Wie Gründer jetzt Geldgeber überzeugen, welche öffentlichen Mittel sie anzapfen können und wie sie mit dem Startkapital länger durchhalten.

Zwei Gründer aus Berlin: Mario Kohle und Robin Behlau Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Zwei Gründer aus Berlin: Mario Kohle und Robin Behlau Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Eine Million Euro – so viel Geld hätte der junge Mann mit den blonden, gegelten Haaren gerne. Deswegen ist er nach Düsseldorf gereist, zum „European Venture Summit“ auf dem Messegelände. Jetzt steht er im Konferenzraum Nummer 5, ihm gegenüber sitzen potenzielle Investoren in dunklen Anzügen. Mit einer bunten Präsentation hat er ihnen seine Geschäftsidee vorgestellt: ein „ortsbasiertes soziales Netzwerk“ im Internet. Die Investoren schauen sich ratlos an. „Wie lange dauert es wohl“, fragt einer von ihnen, „bis Sie damit überhaupt Geld verdienen?“

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Für Investoren ist das derzeit die entscheidende Frage. Geht den Gründern vor dem „Break Even“, bei dem die Erlöse erstmals die Kosten decken, das Geld aus, bedeutet das meist das Ende. Eine Anschlussfinanzierung zu bekommen ist längst nicht mehr so leicht wie noch vor zwölf Monaten – die Wirtschaftskrise hat auch den Startup-Finanziers die Laune verdorben. Business Angels, die Gründer mit Geld aus ihrem Privatvermögen finanzieren, werden vorsichtiger, weil sie an anderer Stelle möglicherweise viel Geld verloren haben. Und Venture-Capital-Gesellschaften fällt es im Moment deutlich schwerer, bei Versicherungen, Kreditinstituten und Fonds Geld einzusammeln, um es anschließend in junge Unternehmen zu pumpen.

„Das Fundraising macht gerade keinen Spaß“, sagt ein Partner einer deutschen Venture-Capital-Gesellschaft, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, weil auch ihm jüngst einige institutionelle Anleger abgesprungen sind: „Die müssen erst mal eigene Wunden lecken.“

In den USA fürchten ganze 92 Prozent der Wagnisfinanzierer, dieses Jahr weniger Geld einzusammeln – das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ warnte vergangene Woche bereits vor einem Kollaps der Branche.Das bekommen die Gründer zu spüren: In einer Umfrage der WirtschaftsWoche unter 151 deutschen Startups im Dezember berichtete jeder Siebte, dass ihm jüngst eine sicher geglaubte Finanzierung weggebrochen sei. Rund 30 Prozent rechnen damit, dass die Suche nach Geldgebern 2009 enorm schwierig wird. Gleichzeitig aber könnte die Zahl der Gründer sogar steigen, weil gute Jobs im Moment rar sind, prognostiziert etwa der Gründerprofessor Dietmar Grichnik. Geld wird also nicht nur knapp – der Wettstreit darum wird auch härter. Denn ohne Kapitalspritze kommt nur jeder zehnte Gründer aus, wie der Gründungsmonitor der KfW zeigt. Jeder Dritte braucht mehr als 10.000 Euro.

Was also tun? Freunde anpumpen? Darlehen aufnehmen? Oder gar: doch nicht gründen?

"Essbare Aktien" und die kleinste künstliche Lunge der Welt

Weil Kredite von Banken gerade Mangelware sind, kommt mancher Nachwuchsunternehmer auf geradezu abenteuerliche Ideen: Ein Berliner etwa hat im Herbst kurzerhand „essbare Aktien“ ausgeben, um damit die Gründung eines Restaurants zu finanzieren – wer 1000 Euro investiert hat, darf seinen Anteil plus 100 Prozent Rendite inzwischen gegen Flammkuchen oder Krautstrudel zurücktauschen. Weniger Erfolg hatten die Gründer des Online-Video-Kanals MobuzzTV, die im November per Video die ganze Welt um frisches Geld baten. Nur Tage später gaben sie auf. Dieses öffentliche Betteln um Bares, im Fachjargon auch „Crowdfinancing“ genannt, sollte allerdings auch nur der letzte Ausweg sein.

Naheliegender ist es für viele, erst einmal ihre persönlichen Ersparnisse einzusetzen und im Bekanntenkreis Geld einzusammeln. So wie es Peter Kenzelmann und Robert Rückel taten, die in Berlin-Mitte das „DDR Museum“ eröffnet haben. Nachdem Kenzelmann bei Banken und Business Angels mit der Idee abgeblitzt war, griff er zu seinen eigenen Reserven und bat Freunde und Verwandte um Kredit. Seine Eltern nahmen sogar eine Hypothek auf ihr Haus auf, um sein Projekt zu unterstützen. Die Investition lohnte sich: Das Museum läuft heute auf Hochtouren.

Allerdings sollten größere Kredite von Freunden und Familie nur die zweite Wahl sein – denn das Risiko, zu scheitern und so die guten Beziehungen zu riskieren, ist groß. Gerade in Krisenzeiten ist es meist sinnvoller, sich zunächst um Fördergelder zu bemühen. Gründer werden heute vom Staat auf vielen Wegen unterstützt, besonders wenn sie aus der Forschung heraus gründen. Dann hilft zum Beispiel der High-Tech-Gründerfonds oder das Exist-Gründerstipendium.

So haben zum Beispiel auch Albert Großer, Andreas Strauß, Hayat Koubaa und Philipp Mayer ihre Unternehmer-Laufbahn begonnen. Ihr Unternehmen, die Bochumer Ilias-medical GmbH, entwickelt die kleinste mobile künstliche Lunge der Welt. Sie soll Menschen mit einem akuten Lungenversagen das Leben retten – etwa nach Unfällen. Bisher ließen sich die passenden Geräte nur mit hohem Aufwand transportieren. Das Modell der vier Jungunternehmer wiegt dagegen nur fünf Kilo und passt in jeden Rettungshubschrauber.

Mit der Idee überzeugten die Gründer erst die Jurys bei Gründerwettbewerben, dann bekamen sie 100.000 Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Diese Anschubfinanzierung half ihnen, ihr Produkt weiterzuentwickeln und Privat-Investoren aufzutreiben. Im vergangenen Jahr beteiligten sich schließlich auch der High-Tech-Gründerfonds mit 500.000 Euro und der Düsseldorfer Sirius Seedfonds an der Firma.

Wer die Fördermittel abgegrast hat, sollte versuchen, die eigenen Kontakte zu nutzen oder über Alumni-Vereine und Gründer-Netzwerke der eigenen Hochschule mit Geldgebern in Kontakt zu kommen. Das etwa rät Lukasz Gadowski, der einst den Internet-Shop Spreadshirt und heute mit seiner Firma Team Europe Ventures andere Gründer finanziert. "Vor einem Jahr konnte man mit einer guten Idee und ohne Kontakte schon weit kommen," sagt Gadowski," aber heute läuft ganz viel nur noch über Beziehungen. Ohne die dauert es länger, und es gibt schlechtere Konditionen für die Gründer." Denn je weniger ein Investor absehen kann, ob sich eine Investition lohnt, umso höher ist die Beteiligung, die er als Risikoprämie dafür fordert. Referenzen hingegen steigern das Vertrauen und senken diese Prämie.

Kontakte richtig nutzen heißt allerdings auch, seinen Businessplan nicht einfach breit unter die Finanziers zu streuen, sondern gezielt die richtigen anzusprechen, rät Olaf Jacobi von der Münchner VC-Gesellschaft Target Partners.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.06.2009, 22:25 UhrAnonymer Benutzer: Johannes

    @ DER GRÜNDER: Endlich mal Jemand der mir aus der Seele spricht!!! Stimme deinem Kommentar absolut zu!!!

  • 19.03.2009, 19:37 UhrAnonymer Benutzer: andre77

    für gründer ist deutschland wahrlich kein gutes pflaster. dabei sind sicher mangelnde finanzierungsmöglichkeiten ein grund, aber noch bescheidener sind die millionen von bürokratiebollwerken, richtlinien und beschränkungen. das sind oft hürden die man mit einer guten idee und etwas geld letztendlich doch nicht überspringen kann. wer es dann doch schafft tu spart oft an der falschen stelle nähmlich bei der nachhaltigen und guten aussendarstellung... kunden und aufträge kommen nicht von allein. die devise "licht lockt leute"
    bekommt immer mehr bedeutung, denn es wird um jeden kunde gekämpft.

    www.werbeanlagen.info

  • 20.01.2009, 09:31 UhrAnonymer Benutzer: zarromanowski

    @DER GRÜNDER
    "Am Markt zu bestehen und sich dem Staat, der Steuer und den behörden gegenüber zu behaupten sind nunmal die Hauptaufgaben jedes Unternehmers."

    Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, soweit sind wir schon in dieser Republik, Gründer sehen ihre Hauptaufgabe als Unternehmer im behaupten gegenüber dem Staat und seinen behörden - seltsam, was in dieser Republik so heranwächst???

    Habe ich denn als Unternehmer keine anderen Probleme, muß ich mich tatsächlich mit einem balast von weltfremden Gesetzen, Verordnungen und Zwangsbeiträgen herumschlagen um anschließend mit geschwollener brust behaupten zu können, "ich habe mich dem Staat gegenüber behauptet" zumindest bis zur nächsten betriebsprüfung??

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