Videokonferenzen: Chat statt Jet

Videokonferenzen: Chat statt Jet

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von Daniel Rettig und Harald Schumacher

Flugverbot, Sparzwang, Umweltschutz: Videokonferenzen sind gefragter denn je, schon heute nutzt sie bereits jedes dritte Unternehmen. Worauf es beim Führen virtueller Teams ankommt.

Der Flug von Frankfurt nach Shanghai war längst gebucht: In der chinesischen Metropole wollte ein Mitglied des Gesellschafterkreises des badischen Familienunternehmens Freudenberg an der jährlichen Konferenz mit angehenden chinesischen Führungskräften teilnehmen. Doch daraus wurde nichts. Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull machte auch den Start dieses Flugzeugs unmöglich.

Also musste eine Alternativlösung her – denn das Freudenberg-Management legt Wert auf Etikette, gerade im Umgang mit China. Kurzerhand organisierte das Unternehmen eine Videokonferenz und versendete über die Breitbandleitung, pünktlich zum Start der Veranstaltung am 16. April, eine 15-minütige Grußbotschaft nach Shanghai. „Sehr schade, dass der persönliche Besuch nicht möglich war“, sagt ein Freudenberg-Sprecher, „aber die Chinesen haben diese Lösung sehr geschätzt.“

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Sie waren nicht die Einzigen: Reihenweise wurden in den Tagen nach dem Vulkanausbruch reale Meetings durch Videokonferenzen ersetzt: So erlebte das Münchner Dienstleistungsunternehmen Regus, das weltweit etwa 2500 öffentliche Videokonferenzstudios für virtuelle Besprechungen betreibt, im Zuge der jüngsten Luftraumsperrungen den größten Ansturm seiner Firmengeschichte. Innerhalb weniger Tage stieg die Nachfrage nach den Studios europaweit um rund 190 Prozent, zwischen München, Frankfurt, Düsseldorf und Berlin gar um mehr als 200 Prozent.

Entwicklung zu virtuelle Konferenzen

Auch der Videotelefonie-Anbieter Skype konnte einen enormen Anstieg verbuchen. Innerhalb von fünf Tagen stieg das Volumen der über die Plattform abgewickelten Anrufe um mehr als 20 Millionen Minuten. Der US-Softwarekonzern Adobe reagierte prompt auf die Flugausfälle: Geschäftsreisende, die ihre Termine gezwungenermaßen platzen lassen mussten, konnten diese über das webbasierte Konferenzsystem kostenlos nachholen.

Solche Gratisaktionen sind künftig überflüssig. Die Aschewolke, die der isländische Vulkan über den europäischen Himmel geschleudert hatte, legte nicht nur den privaten und geschäftlichen Flugverkehr lahm. Sie beschleunigt vielmehr eine Entwicklung, die sich im Zuge der Globalisierung schon abzuzeichnen begann: Verstreut in Dutzende Länder rund um den Globus, kommunizieren Mitarbeiter mit Kollegen, Vorgesetzten und Kunden immer seltener von Angesicht zu Angesicht, sondern virtuell.

Verzicht aufs Auto

Ob Finanzkrise, Schweinegrippe, CO2-Bilanz oder Vulkanasche – regelmäßig sorgen externe Impulse dafür, dass Unternehmen immer öfter darauf verzichten, ihre Mitarbeiter per Auto, Zug oder Flugzeug zum nächsten Meeting zu schicken. Stattdessen stellen sie virtuelle Teams zusammen, die über Landesgrenzen und Zeitzonen hinweg kooperieren. „Der Einsatz virtueller Teams liegt eindeutig im Trend“, sagt Josephine Hofmann vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. „Langfristig führt in unserer arbeitsteiligen Ökonomie kein Weg daran vorbei.“

So ist der Markt für sogenannte Collaboration-Dienstleistungen – das Bereitstellen von Telefonkonferenzen, internetbasierten Systemen oder Videokonferenzen mit entsprechenden High-Tech-Geräten – schon vor dem Vulkanausbruch auf Island rasant gewachsen: nach Expertenschätzung auf 36 Milliarden Dollar weltweit. Allein 4,5 Milliarden Dollar werden Unternehmen bis 2012 in Videokonferenzsysteme investieren, mit Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent.

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