Welchs Welt : Abspecken in mageren Zeiten

Welchs Welt : Abspecken in mageren Zeiten

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Jack und Suzy Welch

Wie sichert man eine hohe Servicequalität für den Kunden, wenn man auf dem besten Weg in eine Rezession ist?

In Anbetracht der Tatsache, dass so gut wie jeder, angefangen von US-Notenbankchef Ben Bernanke bis hin zum Gemüsehändler um die Ecke, einen wie auch immer gearteten wirtschaftlichen Rückgang vorhersagt, waren wir bereits auf Fragen zur Rezession gefasst.

Danke, dass Sie uns nun das passende Stichwort geliefert haben. Sie sprechen da nämlich etwas sehr Wichtiges an. Denn egal, wie schwer die wirtschaftlichen Zeiten werden, dürfen Sie doch nur als allerletzte Maßnahme, wenn überhaupt, Abstriche in der Kundenbeziehung machen.  Stattdessen setzen Sie zuallererst und so lange als möglich auf Kürzungen tief in Ihrer Organisation. Wir wissen, was die meisten Leute jetzt denken werden - dass nämlich ihr Unternehmen nicht wirklich über Fettpolster verfügt und daher jeder Einschnitt tief an die Substanz gehen wird. Sie glauben: „Mit dem, was uns der Wettbewerb über die letzten Jahre abverlangt hat, können wir gar nicht noch mehr abspecken." 

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Stimmt nicht! Sie können und Sie werden es auch tun. Weil da nämlich noch jede Menge Fettpolster sind.   Denn die gibt es aufgrund des fortgesetzten Wachstums der letzten Jahre bei praktisch jedem Unternehmen.  Das ist jedoch alles nicht neu und es ist unvermeidlich. Die Herausforderung für Sie als Chef steckt darin, herauszufinden, wo diese Reserven zu finden sind.

Verräterische Anzeichen gibt es zuhauf. Das Parkhaus im Headquarter, in dem die freien Plätze immer knapper werden. Längere Schlangen mittags in der Kantine. Nun weiß natürlich jedes Kind, dass das Headquarter weder etwas produziert noch etwas verkauft. Dies ist reiner Overhead.

In den fetten Jahren haben jedoch besonders Stabsfunktionen die Tendenz, “Gewicht zuzulegen”. Die Zahl der Datensammler, Berichtschreiber, Projektanalysten etc. vergrößert sich – und die meisten von ihnen tun nicht viel mehr als passend zum letzten Management-Hype Zahlenkolonnen aufzuaddieren.

Sogar die Entwicklung ist vor Auswüchsen nicht gefeit. Wenn der Laden brummt, steckt die Vorstandsetage Geld in alle möglichen Projekte, die vielleicht nicht überlebensnotwendig sind, die man aber zu diesem Zeitpunkt für eine recht gute Idee hält. Droht aber eine Rezession, dann muss man ganz rigoros Prioritäten setzen. Ebenso wimmelt es in guten Zeiten in manchen Unternehmen nur so von Beratern. Das soll nicht bedeuten, dass wir komplett gegen diesen Berufsstand sind. In klar definierten Projekten können solche Leute ausgesprochen nützlich sein.

Will man aber nennenswerte Einsparungen erzielen, ist es Zeit, jeden einzelnen Vertrag genau unter die Lupe zu nehmen. Wenn sich Ihre externen Dienstleister nicht n hohem Maße durch einen Anstieg an Produktivität und Einfallsreichtum rechnen, dann sollten Sie sich von ihnen und ihren monatlichen Rechnungen verabschieden.  In Zeiten, in denen es außerordentlich gut läuft, neigt man außerdem dazu, interne Veranstaltungen aufwendiger und pompöser als nötig zu gestalten. In der Regel ist ein Betriebsausflug im Jahr völlig ausreichend. Expandiert das Unternehmen jedoch über einen längeren Zeitraum, kommt es durchaus vor, dass die Belegschaft zwei Mal oder öfter wegfährt und das Ziel immer exotischer wird. 

Hey, solche Ausflüge machen uns genauso viel Spaß wie Ihnen. Bevor Sie jedoch Einschnitte machen, die wirklich weh tun, sollten Sie als erstes auf solche Kosten verzichten.

Um eins klarzustellen: An schmerzlichen Einbußen geht in der Zukunft dennoch kein Weg vorbei. Jede Rezession hat ihren realen und schmerzhaften Preis. In Anbetracht jedoch dieser natürlichen Trägheit, die durch lange Wachstumsphasen entsteht, wird es sicher einige Zeit dauern, bis ein Unternehmen seinen Speck los ist. In der Zwischenzeit dürfen Führungspersönlichkeiten nicht den nur allzu weit verbreiteten Fehler machen, zum Rasenmäher zu greifen und auch dort Kürzungen vorzunehmen, wo man es besser nicht täte. Konzentrieren Sie sich weiterhin auf Ihre Kunden. Sie selbst können sich ja ruhig die eine oder andere Einsparung verordnen, aber die anderen müssen das nicht unbedingt wissen.

Vor kurzem hat man mich zum Chef einer Abteilung mit fünf Leuten gemacht. Was ist der beste Weg, um meinen eigenen Managementstil zu finden?

Ein altbewährter Ansatz ist der, ein paar Führungsstile auszuprobieren und dabei zu sehen, was am besten funktioniert. Sicherlich haben Sie bereits eine Vorstellung davon, wie Sie führen wollen. Fangen Sie damit an und justieren Sie bei Bedarf nach, während Sie die Effektivität der einzelnen Maßnahmen im Auge behalten. Sind Ihre Leute motiviert? Stehen Sie mit Ihren Ergebnisse dort, wo Sie sein sollen? 

Zweiter Punkt: Suchen Sie sich überall Mentoren. Wenn Sie jemanden im Unternehmen oder außerhalb kennen, der ein gutes Händchen bei den Einstellungen hat, dann fragen Sie ihm bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein Loch in den Bauch. Wenn Sie erleben, wie jemand eine mitreißende Ansprache hält, dann bitten Sie ihn um Tipps, wie Sie das auch tun können. Vergessen Sie nicht, einschlägige Fachzeitschriften und –bücher nach Anregungen zu durchforsten und absolvieren Sie Schulungen aller Art.

Kurz gesagt: Folgen Sie bloß nicht dem Standardratschlag, der da sagt, Sie sollen sich eine Person als absolutes Vorbild suchen und diese in allem imitieren. Bleiben Sie offen für alles und seien Sie bereit überall von jedem zu lernen. Bevor Sie es sich versehen, werden andere Leute die Chance ergreifen, ihrerseits von Ihnen zu lernen.

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