Welch's Welt : Wahlkampf – die fünfte Jahreszeit

Welch's Welt : Wahlkampf – die fünfte Jahreszeit

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Jack und Suzy Welch

Derzeit wettern die Präsidentschaftskandidaten gegen die Gier der Großkonzerne – während sie deren Zuwendungen gleichzeitig nur allzu gern entgegennehmen. Sollten die Wirtschaft da nicht im Sinne einer besseren PR das Heft in die Hand nehmen und die Grundzüge des Kapitalismus noch einmal genau erläutern?

Das können Sie gerne tun – so Sie denn das merkwürdige und brennende Verlangen verspüren sollten, sich in den nächsten neun Monaten oder, genauer gesagt, bis zum 4. November 2008 zum Sündenbock zu stempeln, verhöhnen, verunglimpfen und heruntermachen zu lassen. So lautstark und dick aufgetragen diese „Alle-Großkonzerne-sind-hassenswert“-Tiraden jetzt auch sein mögen, könnten wir doch wetten, dass sie ab dem Wahltag fast gänzlich verstummen werden, nämlich dann, wenn die Gewinner, ganz egal, welcher Partei sie letztendlich angehören, wieder bewusst jener Realität ins Auge blicken, die den meisten von ihnen bereits hinreichend bekannt ist.

Das Business ist nicht der Feind der Menschen. Es wird von Menschen für Menschen gemacht. Und das Business zerstört keine Hoffnungen. Es schafft welche. Allerdings ist aktuell garantiert NICHT der richtige Zeitpunkt für solche Äußerungen. Stattdessen ist jetzt der passende Moment, um Wähler zu fischen, indem man Feindbilder aufbaut – und es gibt keinen Buhmann, der praktischer ist, Wahlkampf für Wahlkampf, Jahr für Jahr, als „die Großkonzerne“.

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Schon das Wort ist unpersönlich! Es weckt Assoziationen von düsteren Betonburgen und Wolkenkratzern in Hochglanzoptik, was den Politikern die perfekte Steilvorlage für Aussagen wie die liefert, die wir erst letzte Woche vernehmen konnten: "In den letzten sieben Jahren hatten wir einen Präsidenten, der sich für die Großkonzerne stark gemacht hat. Es wird Zeit, dass wir einen Präsidenten haben, der sich für euch stark macht!”

Euch – wer soll das sein? Wer von diesen Leuten, fragen wir uns, gehört nicht in irgendeiner Art und Weise selbst zum Business? Sicher, ein Teil unserer Bevölkerung besteht aus Studenten, Beamten und Beschäftigten im gemeinnützigen Sektor. Aber seien wir doch realistisch. Die Mehrheit der Amerikaner verdient ihre Brötchen im Business – und nicht alle von ihnen sind gesichtslose, blutleere, Wall Street-Großverdiener mit fetten Bonuszahlungen.

Stattdessen handelt es sich um Arbeiter bei den großen Ölkonzernen, die sich jeden Tag unter den härtesten Bedingungen der Welt abplagen müssen, vom Kanadischen Ölsand bis zu den Offshore-Plattformen vor Norwegen. Oder um Immunologen und Onkologen bei den großen Pharmakonzernen, die Tag und Nacht in ihren Laboren hocken, während sie versuchen, ein Mittel gegen AIDS und Krebs zu finden. Oder um Einwanderer aus Ecuador oder Vietnam, die in ihren kleinen Restaurants in der Küche und hinterm Tresen stehen bzw. in ihrer Kellerwerkstatt ein High-Tech-Unternehmen aufbauen.

Was wir damit sagen wollen: Großkonzerne bestehen nicht aus einem großen Haufen beeindruckender Gebäude. Wie alle Organisationen im Geschäftsleben, bestehen sie aus Fleisch und Blut. Sie sind menschliche Wesen. Und in den allermeisten Fällen solche, die für ihre Familien und ihre Angestellten die Welt ein bisschen besser machen wollen.

Natürlich würden wir nie behaupten, so etwas wie unternehmerische Gier sei völlig aus der Luft gegriffen. Auch käme uns nie in den Sinn, den Kapitalismus als perfekt zu bezeichnen. Das System hat seine Schwachstellen, aber keine andere wirtschaftliche Struktur ist besser darin, echte Arbeitsplätze zu schaffen.

Vor welchen Stolperfallen sollte sich ein frischgebackener Manager mit einem unerfahrenen Team hüten?   

Es gibt zwei – aber lassen Sie uns zunächst einen kleinen Moment über all das nachdenken, was jetzt auf Sie zukommt: Junge Teams, vor allem unter der Leitung von frischgebackenen Managern, sollten die Gruppen im Geschäftsleben mit der größten Begeisterung und Energie sein. In der Regel fehlt ihnen jene Geisteshaltung des „Ist-alles-schon-mal-dagewesen“ so vieler erfahrener Teams; selten betrachten sie Herausforderungen als unmöglich in der Realisierung; und häufig begrüßen sie eine Veränderung von ganzem Herzen.

Aber natürlich haben unerfahrene Teams auch ganz typische Schwierigkeiten. Die erste liegt darin, dass sie üblicherweise nicht wissen, wie viel Risiko sie sich erlauben können. Aus diesem Grund müssen Sie, auch wenn Sie selbst noch nicht lange in diesem Job sind, sicherstellen, dass Ihre Leute den Spagat schaffen zwischen einer oft entscheidenden strategischen Kühnheit und dem unabdingbaren Respekt für die Grenzen tragbarer Risiken. Die zweite Schwierigkeit betrifft Sie in Ihrer Eigenschaft als Anführer des Teams. Zu oft neigen unerfahrene Manager dazu, ihre Freunde einzustellen oder zumindest Leute, in deren Gesellschaft sie sich wohl fühlen. Bekämpfen Sie diesen Drang! Suchen Sie stattdessen nach Menschen, die besser, cleverer und in jeder Hinsicht talentierter sind als Sie selbst. Sie werden die Organisation zu neuen Leistungshöhen treiben. Und wir garantieren Ihnen, dass es Ihr Schaden nicht sein wird.

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