Welchs Welt: Was Chefs ausmacht

Welchs Welt: Was Chefs ausmacht

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Jack und Suzy Welch

Tipps zur Auswahl eines CEOs oder Regierungschefs von Jack und Suzy Welch.

Was sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten Eigenschaften bei der Auswahl eines CEOs oder eines Regierungschefs?

Hätten Sie Ihre Frage nur auf den ersten Teil beschränkt, wäre uns die Antwort wesentlich leichter gefallen. Das Thema Führungsqualitäten haben wir seit einigen Jahren an dieser Stelle immer wieder unter den verschiedensten Aspekten betrachtet. Aber die Regierung eines Landes – das ist ein ganz anderes Paar Stiefel.

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Oder vielleicht doch nicht?

Als wir Ihre E-Mail erhielten, war unser erster Gedanke, dass Unternehmenschefs und Regierungsoberhäupter bei dem, was auf dem Spiel steht, bei den Regeln und auch in Sachen Wertvorstellung in zwei ganz unterschiedlichen Welten zu Hause sind. Nach einem genaueren Blick auf die von uns erstellte Liste der sechs Eigenschaften, die ausschlaggebend für einen guten Unternehmenschef sind, änderten wir jedoch unsere Meinung.

Und obwohl wir nie behaupten würden, Experten auf dem Gebiet der politischen Führung zu sein, vertreten wir doch mittlerweile die Ansicht, dass es zwischen den Entscheidungsträgern an der Spitze eines Unternehmens und jenen, die einem ganzen Land vorstehen, weit mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt.

Nehmen Sie nur mal die „Authentizität“, also die allerwichtigste Eigenschaft, die eine Führungspersönlichkeit in der Wirtschaft besitzen muss. Für ein Staatsoberhaupt ist dies ebenso entscheidend – aus einem ganz ähnlichen Grund: Vertrauen. Wenn ein Präsident oder Premierminister versucht, ein komplexes Vorhaben voranzubringen oder eine Krise zu meistern, darf die Nation nicht in eine Debatte über seine Ehrlichkeit verfallen.

Als Hillary Clintons Augen vor den Vorwahlen in New Hampshire feucht wurden, konzentrierten sich Wähler und Experten überall in den gesamten Vereinigten Staaten auf die Frage, ob ihre Tränen echt waren. Zweifellos wird die Aufrichtigkeit eines jeden Kandidaten vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen am 4. November auf ähnliche Weise auf den Prüfstand gestellt werden. Ein amtierender Präsident jedoch sollte haushoch über solche Zweifel erhaben sein. Das Volk darf zwar seine Verdienste, nie aber seine Beweggründe infrage stellen.

Eine „visionäre Ader“ ist die nächste universelle Eigenschaft einer Führungspersönlichkeit. Wer im Geschäftsleben an der Spitze steht, kann zwar bei der Marschrichtung seiner Organisation improvisieren, wenn sich die Märkte schnell verändern. Aber unterm Strich ist eine klar umrissene Mission für echten Fortschritt von entscheidender Bedeutung, und dasselbe gilt für einen politischen Anführer.

Zusätzlich bedeutet, ganz wie in der Wirtschaft, eine Vision für die Nation zu haben, nicht, dass man einfach nur ankündigt: „In diese Richtung soll die Reise gehen.“ Vielmehr sollte man die eigene Sache so unablässig vertreten, bis man vor Heiserkeit keinen Ton mehr herausbringt und dabei keinen Zweifel lassen: „Seht her, so wird das, was wir anstreben, das Leben unseres Landes und damit das eines jeden Einzelnen von euch verbessern!“

Die angeborene Fähigkeit, nur die besten Leute um sich zu scharen, ist die dritte Eigenschaft, die sowohl für CEOs als auch für Top-Politiker unabdingbar ist. Dabei muss man sie nicht nur finden, sondern vor allem richtig einsetzen – sie dazu animieren, neue Ideen zu entwickeln und tiefere Einsichten zu gewinnen. Die Umsetzung dessen in der Wirtschaft ist klar umrissen, da Chefs ihre direkten Untergebenen einstellen und daher auch das Instrumentarium an der Hand haben, diejenigen loszuwerden, die inkompetent sind oder ihnen Knüppel zwischen die Beine werfen.

Für Spitzenpolitiker ist die Angelegenheit ungleich komplizierter. Sie ernennen die ihnen direkt unterstellten Mitarbeiter, die ihrerseits eine Belegschaft „erben“, die vielleicht hinter der Marschrichtung der Regierung steht, vielleicht aber auch nicht. Aus diesem Grund müssen Präsidenten und Premierminister über ein ganz besonderes Händchen bei der Einstellung verfügen. Sie müssen in der Lage sein, ihren Stab so auszuwählen, dass er selbst zögerliche Teams zur Arbeit bewegen und motivieren kann. Darüber hinaus benötigen Spitzenpolitiker den Mut und die Disziplin, sich zügig von Mitarbeitern zu trennen, die hier Schwächen haben.

Die Belastbarkeit kommt an vierter Stelle. Es handelt sich dabei um die Fähigkeit, nach einer Schlappe rasch wieder auf die Beine zu kommen. Die renommierte Historikerin Doris Kearns Goodwin schrieb einmal, dass die besten amerikanischen Präsidenten jene waren, die aus ihren eigenen Fehlern lernten. Das würden wir als Belastbarkeit in Reinkultur bezeichnen.

Fünftens: Wirklich gute CEOs besitzen die Fähigkeit, um die Ecke schauen zu können. Ihr Gespür für Veränderungen im Markt ist legendär. Das ist angesichts der Welt, in der wir leben, für einen Politiker vielleicht noch viel entscheidender. Dabei denken wir nicht nur an spontan auftretende Bedrohungen wie etwa den Terrorismus, sondern auch an Langfristthemen, die durchaus in eine nationale Krise münden können. Natürlich haben CEOs, die intuitiv wissen, wo der Hase langläuft, einen entscheidenden Vorteil: Sie können blitzschnell Maßnahmen ergreifen. Politiker hingegen müssen parteiübergreifend alle dazu bringen, am selben Strang zu ziehen. Das ist um Klassen schwieriger.

Und nun der letzte Punkt: Ein Spitzenpolitiker muss, genau wie jeder fähige CEO, ein Macher sein – also jemand der dafür sorgt, dass auch etwas passiert. Dabei spielt es keine große Rolle, ob eine Führungspersönlichkeit selbst aktiv wird oder das an andere delegiert. Alles, was zählt, ist, dass Versprechen eingehalten und Pläne umgesetzt werden. Bei Wahlen spielen sehr häufig auch Persönlichkeit und Stil – der sogenannte Sympathiefaktor – eine Rolle. Die beiden Kriterien sollte man speziell für Politiker noch hinzufügen.

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