Werner knallhart: Bord-Knigge: Fliegen und Zug fahren, ohne andere zu nerven

kolumneWerner knallhart: Bord-Knigge: Fliegen und Zug fahren, ohne andere zu nerven

Kolumne von Marcus Werner

Lufthansa-Piloten und Lokführer der Deutschen Bahn benehmen sich derzeit daneben. Da sollten wenigstens die Passagiere wissen, was sich gehört. Teil 1: die Rückenlehne.

Ich habe mich blamiert. Gerade vergangenen Montag. Ich stieg mit einem Kollegen in den ICE von Berlin nach Köln. Der Kollege ist passionierter Autofahrer, ein Zug ist für ihn eher ein Fahrzeug für Leute, die ihr Leben schon aufgegeben haben.

Ich flötete: "Aber guck doch mal, wie bequem man die Sitze nach hinten klappen kann" und zog am Hebel. Die Sitzschale flog nach hinten, begann dann aber plötzlich zu grunzen und nach vorne zu ruckeln.

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Ach so, mein Hintermann wollte auch noch ein Wörtchen mitreden: "Hey, prima gemacht. Voll an meinen Laptop dran. Super."

"Oh, sorry, ich hätte Sie vorher warnen sollen."

"Tja, und nun mach wieder aufrecht, ja?"

Wieder aufrecht? Im Zug? Nö! Oder?

Verdammt. War es mittlerweile wie im Flugzeug auch schon im Zug verpönt, den Sitz zurück zu klappen? Ich kramte in meinem Hirn nach Argumenten, dann fragte ich nach hinten: "Sagen Sie mal, duzen wir uns?"

Das war natürlich eine unbefriedigende Lösung des Konflikts. Mir wurde klar: Für ein entspanntes, weil selbstbewusstes Reisen braucht jeder Passagier einen Bord-Knigge. Hier kommt er. 

Rückenlehne vor oder zurück?

In dieser Frage liegen zwischen Flugzeug und Bahn Lichtjahre. Seit der Finanzkrise finden sich ja selbst Manager, die bislang mit einer Senator-Karte prahlen konnten, mit den Knien an der Brust in der Economy wieder. Wegen Zeitgeist und so.

In der Economy gilt: Aufrechte Sitzposition - Schmerzen im Lendenwirbelbereich. Abgesenkte Sitzposition - Schmerzen in den Magengeschwüren des Hintermannes.

Weil aber die aufrechte Sitzposition aus reinen Sicherheitsgründen als die Standard-Position gilt, ist der Hintermann in der psychologisch günstigeren Lage. Ein Zurückklappen bedeutet immer eine Einbuße an Reisequalität.

Wären die Unfall-Analytiker zum Ergebnis gekommen, die zurückgeklappte Position mit Blick an die Kabinendecke wäre bei einem Absturz die gesündere (es wäre zumindest ein anmutigerer Tod als dieses nach vorne zusammengekauerte Abwarten), dann wäre dies die Standard-Position geworden. Statt über eine plötzlich zurückgeklappte Lehne zu mosern, würde der Hintermann über eine zeitweise vorgeklappte Lehne frohlocken. Aber es ist eben anders.

Doch die Sitze sind nunmal klappbar. Das zeigt dem Passagier an: Du darfst zurückklappen. Fluggesellschaften, die das nicht wünschen, blockieren diese Funktion nämlich.

Leider stehlen sich die meisten Airlines um klare Regeln herum und überlassen den Ärger den Fluggästen aus aller Welt. Als minimale Grundregel gilt: beim Essen Lehne vor.

Doch diese Regel wird ständig durchkreuzt. Schläft ein Passagier, wird er nämlich meist nicht geweckt, obwohl der Hintermann Essen serviert bekommt.

Das ist unlogisch, denn die Mahlzeit ist fester Programmbestandteil zumindest eines Langstreckenfluges. Schlafen in der Essensphase aber ist reine Privatsache.

Doch jeder schlafende Passagier ist ein schlecht gelaunter Esser weniger, also geht Schlafen vor Konsumieren. Wer sich während der Servier-Phase schlafend stellt, kann zurückgeklappt dösen und dann später sein Essen nachbestellen. Dann kann man sogar zurückgeklappt essen, weil der Hintermann mangels Tablett nichts mehr zu melden hat. Fliegen macht uns zu Bestien.

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