Werner knallhart: Deutsche Städte brauchen endlich neue Claims

kolumneWerner knallhart: Deutsche Städte brauchen endlich neue Claims

Kolumne von Marcus Werner

Millionen Deutsche leben in Städten ohne Image. Über die großen Metropolen hingegen hat jeder seine Vorurteile. Welcher Claim passt zu welcher Stadt?

Berlin ist die coolste Hauptstadt der Welt. Das behauptete jüngst das Hamburger Magazin "Stern". Ich als zugezogener Berliner unterschreibe das sofort. Denn zum einen ist ja nur von Hauptstädten die Rede. Ein Vergleich mit New York, San Francisco, Sydney, Barcelona und Rio de Janeiro entfällt also.

Zum anderen geht es um Coolness. Paris, Rom, Wien, Stockholm, Bangkok sind romantisch, malerisch, stilvoll, idyllisch, quirlig. Aber cool?

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Der Vergleich mit London allerdings ist kritisch. Musik, Mode, Party und so. Aber in Europas größter Stadt denkt man über Zuwanderungsquoten und den Austritt aus der EU nach. Das ist eigenbrötlerisch und demnach eindeutig uncool. Das ist der Beweis: Berlin ist die coolste Hauptstadt auf diesem Planeten.

Die zehn teuersten Städte

  • Platz 10

    Stuttgart

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 9,6 €
    Veränderung zum Vorjahr: +3,0%

    Städte mit mehr als 25.000 Einwohnern; Stand: 4. Quartal 2013; Quelle: F+B

  • Platz 9

    Hamburg

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 9,6 €
    Veränderung zum Vorjahr: +0,3%

  • Platz 8

    Fürstenfeldbruck

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 9,6 €
    Veränderung zum Vorjahr: +5,1%

  • Platz 7

    Tübingen

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 9,6 €
    Veränderung zum Vorjahr: +1,9%

  • Platz 6

    Konstanz

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 9,7 €
    Veränderung zum Vorjahr: +0,8%

  • Platz 5

    Dachau

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 10,0 €
    Veränderung zum Vorjahr: +0,8%

  • Platz 4

    Frankfurt am Main

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 10,2 €
    Veränderung zum Vorjahr: +1,6%

  • Platz 3

    Germering

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 10,3 €
    Veränderung zum Vorjahr: +1,8%

  • Platz 2

    Unterschleißheim

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 10,7 €
    Veränderung zum Vorjahr: +4,9%

  • Platz 1

    München

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 12,2 €
    Veränderung zum Vorjahr: +2,5%

Und was den Flughafen BER angeht: Meine Güte, Berlin ist arm, sexy und ein bisschen dämlich. Ist doch cool! Lasst uns nicht mehr drüber reden. Kümmern wir uns lieber mal um das Image der anderen Städte.

Hamburg

Fällt Ihnen ein Spruch zu Hamburg ein? Dass Hamburg nicht mit Berlin mithalten kann, zeigt sich schon daran, dass viele Hamburg-Fans ihre Liebe zur Stadt so ausdrücken: "Also im Vergleich zu Berlin ist Hamburg viel, viel sauberer/ eleganter/ kultivierter/... ".

Zeigen Sie mir einen einzigen Ur-Berliner, der von seiner Stadt schwärmt, indem er über Hamburg lästert. Zeigen Sie mir überhaupt mal einen Ur-Berliner, der vorbehaltlos von seiner Stadt schwärmt.

Hamburg: Hafen, Mönckebergstraße, HSV, Fischmarkt, breite Straßen mit roten Reihenhäusern.

Früher hatte dieses St. Pauli ja noch seinen Reiz. Der Kiez. Einmal, mit 18, war ich mit zwei Freunden auf der Reeperbahn. War das aufregend! Wie wir da von diesen raubeinigen Haudegen angesprochen wurden, ob wir denn nicht nackten Damen beim Tanzen zugucken wollten. Eintritt frei. Wir haben dann auf die draußen ausgehängte Getränkekarte geguckt: ein Bier 15 Mark und so. Nein danke. Bei den Preisen würde das niemals unsere Welt.

Die zehn billigsten Städte

  • Platz 10

    Halberstadt

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 4,5 €
    Veränderung zum Vorjahr: -1,5%

    Städte mit mehr als 25.000 Einwohnern; Stand: 4. Quartal 2013; Quelle: F+B

  • Platz 9

    Nordhausen

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 4,5 €
    Veränderung zum Vorjahr: -2,6%

  • Platz 8

    Pirmasens

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 4,5 €
    Veränderung zum Vorjahr: -0,7%

  • Platz 7

    Plauen

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 4,5 €
    Veränderung zum Vorjahr: +0,4%

  • Platz 6

    Zeitz

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 4,4 €
    Veränderung zum Vorjahr: +1,1%

  • Platz 5

    Straßfurt

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 4,4 €
    Veränderung zum Vorjahr: +2,82,6%

  • Platz 4

    Idar-Oberstein

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 4,4 €
    Veränderung zum Vorjahr: -2,9%

  • Platz 3

    Görlitz

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 4,3 €
    Veränderung zum Vorjahr: +1,2%

  • Platz 2

    Gera

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 4,3 €
    Veränderung zum Vorjahr: -1,1%

  • Platz 1

    Zittau

    Kaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietungen: 4,3 €
    Veränderung zum Vorjahr: -1,2%

Für mich ist Hamburg bis heute die elegante Dame mit den verruchten Hintergedanken. Passt das noch? Jetzt, wo St. Pauli so gentrifiziert ist und Sex im Internet stattfindet? Wofür steht Hamburg?

Überall kursiert übrigens das dusselige Gerücht, der Hamburger als Frikadellenbrötchen habe seinen Namen wegen des britischen Wortes „ham“. Dabei ist auf einem klassischen Hamburger überhaupt kein Schinken drauf. Ist Hamburg das egal?

Der Hamburger heißt Hamburger wegen Hamburg, entweder wegen unseres Hamburgs (und seinem traditionellen Braten auf Brot) oder eines Hamburgs in den USA, das den Namen demnach wiederum von unserem kopiert hat. Hier kann Hamburg weltweit bestimmt noch mehr draus machen. Mein Claimvorschlag deshalb: Hamburg  - Home of the Whopper.

Köln

Karneval, Gay Pride, Kölsch, WDR, RTL. Köln, die Medienstadt, die Event-Metropole. Immerhin! Und was noch? Köln ist eng. Kölner wollen nicht nach Berlin umziehen, weil Berlin ja viel zu groß ist. Sie verkennen, dass es mit der langsamen Kölner U-Bahn vom Kölner Westen in Bocklemünd genauso lange nach Mülheim im Osten dauert, wie mit der flotten Berliner U-Bahn vom Bahnhof Zoo bis Pankow.

Köln ist träge. Und will so sein. Ein riesiges Dorf. Eine Partyhymne nennt Köln den geilsten Arsch der Welt. Und alle kreischen mit.

Wenn mal was flott geht, muss der Klüngel versagt haben. Deutschland spottet über den Berliner Flughafen und die Hamburger Elbphilharmonie. Darüber, dass nach dem Einsturz des Stadtarchivs die neue U-Bahnlinie in den Süden nun statt ursprünglich 2010 frühestens 2020, wenn nicht gar erst 2022 fertig wird, spricht aber kaum einer.

Womöglich, weil man von dieser Stadt nichts erwartet. Köln ist Millionenstadt und die viertgrößte Deutschlands. Aber wer kennt den langjährigen Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters? Köln verkauft sich bislang unter Wert. Die Kölsche Art ist nicht bräsig, sie ist unkompliziert.

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