Werner knallhart: Grill-Freaks sind ahnungslose Würstchen

kolumneWerner knallhart: Grill-Freaks sind ahnungslose Würstchen

Bild vergrößern

Grillen ist eindeutig komplizierter, als rechtzeitig "Wurst ist fertig" zu brüllen.

Kolumne von Marcus Werner

Sie haben auf dem Grill schon mal ein Kotelett gewendet und halten sich deshalb für einen echten Kerl? Wenn Sie sich da mal nicht irren. Grillen ist viel komplizierter, als rechtzeitig "Wurst ist fertig" zu brüllen.

Manche sagen ja, Grillen hat was von Neandertaler. Rohes Tier auf Feuer, uga-uga. Aber davon abgesehen ist die gesamte Grill-Prozedur sowas von 21. Jahrhundert.

Angeblich besinnt sich der Mensch beim Grillen auf seine Wurzeln als Jäger und Sammler. Was für ein Irrtum.

Anzeige

Okay, wer mitten im Wald mit selbst gesammeltem Reisig ein Feuerchen macht, den hat es zurück in die Natur gezogen. Aber wer seinen schicken Kugelgrill auf die überdachte Terrasse stellt und mit dem Fön anheizt, der ist ebenso naturverbunden wie der Nachbar, der in seiner Auffahrt das Auto aussaugt.

In der Provinz ist ein Grillabend die willkommene Gelegenheit, die LED-Beleuchtung für den neuen Weg zum Garten-Trampolin oder zum Schwimmteich vorzuführen. Und wer Platz hat, prahlt mit einem Bierkühlschrank direkt auf der Terrasse, ausgeliehen vom Fußballvereinsheim.

In der Großstadt feiert man stattdessen den Schritt auf den Balkon. Da darf das Cocktailkleid am Ende des Abends ruhig nach Lagerfeuer riechen. Ist doch Frühling. Das Gegrillte ist dort eh Nebensache.

Prestige bringen die selbst gemachte Mayonnaise mit Trüffel, der Salat mit rohem Spargel an Dattelvinaigrette, die geräucherten Wachteleier und das Sesam-Honig-Sahneeis aus der eigenen Maschine. Und was schon einmal beim "Perfekten Dinner" auf Vox lief, ist nicht mehr balkonfähig. Mein Haus, mein Auto, meine Soße. Das Fleisch läuft so selbstverständlich nebenher wie das Baguette.

Irrtum 2: Grillen ist auch was für Vegetarier

Wer kein Fleisch mag, der kann ja auf Fisch ausweichen. Aber vegetarisches Grillen ist Quatsch. Ich sage das als Betroffener. Und das gilt für Grillpartys auf dem Land ebenso wie in der Großstadt.

Wissenswertes rund um den Grill

  • Wie der Kugel-Grill entstand

    1952 George Stephens ärgerte sich über seinen gemauerten Ziegelsteingrill. Weil er keinen Deckel hatte, war er bei schlechtem Wetter nicht zu benutzen. Außerdem wurde die Hitze ungleichmäßig verteilt und Steaks und Maiskolben waren entweder verkohlt oder noch roh. Stephens war Schweißer bei der Bojenfirma Weber Brothers Metal Works in Chicago. Er teilte schließlich eine Boje in zwei Hälften, versah den unteren Teil mit drei Beinen und verwendete den oberen als Deckel. Der Prototyp des Kugelgrills war geboren.

  • Was sind die Todsünden beim Grillen?

    Kein Bier über das Grillgut schütten. Dadurch sinkt die Temperatur, der Garprozess wird gestört, das Grillgut wird durch aufgewirbelte Asche beschmutzt.

    Grill nicht zu voll packen. Am besten eine Zone freilassen - darunter sollte auch keine Kohle liegen - damit man bereits fast gare Stücke zur Seite legen kann und indirekt fertig grillen kann.

    Fleisch und Burger nicht hektisch hin- und herwenden. Dadurch bleibt unnötig viel knusprige Kruste am Grill kleben. Mit Geduld kommt man weiter - siehe Interview mit Grill-Guru Jamie Purviance - Autor von Weber's Grillbibel.

  • Wie teuer ist ein guter Grill?

    Ebbo Christ, Vizepräsident der German Barbecue Association, die jährlich die Grillweltmeisterschaften ausrichtet, rät: "Ab 100 Euro bekommt man einen passablen Holzkohlegrill, einen guten für 300 bis 500 Euro. Gasgeräte sind grundsätzlich teurer, ab etwa 170 Euro kann man mit ordentlicher Qualität rechnen."

  • Schmeckt Fleisch vom Holzkohle-Grill besser?

    Nein. Blindverkostungen haben gezeigt, dass die Probanden nicht unterscheiden konnten, ob das Fleisch von einem Elektro-, Gas-, oder Holzkohlegrill stammte.

Wer als Vegetarier auf eine Grillparty auf dem Land eingeladen ist, der kann sich darauf einstellen, den ganzen Abend Kartoffelsalat und Brot zu mampfen. Vegetarier gelten in der Provinz nämlich noch als selber schuld.

In der Stadt hingegen ist es schick, kein Fleisch mehr zu essen. Stattdessen wird auf den Grill geknallt, was nicht auf den Grill gehört. Kartoffeln werden in Alufolie um die Kohlen herum drapiert, damit man sie nach rund 45 Minuten, halbseitig verbrannt, halbseitig roh, mit Cocktailsoße totschlagen und runterwürgen kann. So etwas würde man im Winter niemals tun.

Das gleiche gilt für Tomaten, die auf einem Alu-Teller gar gekocht werden. Denn direkt auf dem Rost, wo sie Grill-Aroma bekämen, platzen sie auf und laufen aus.

Paprika hingegen wird auf dem Rost knatschig und trocken. Wie oft habe ich mir schon gewünscht, das Grillgemüse einfach mit Rosmarin, Thymian und Olivenöl in die Pfanne werfen zu dürfen. Aber es war ja leider Grill-Abend.

Und dann der Halloumi-Käse. Zugegeben: Der hat einen Vorteil. Er schmeckt nach nix. So kann man ihn sowohl mit Kräutern der Provence essen als auch mit Nutella. Halloumi schmeckt wie das Gewürz an ihm. Und sein Fett (rund 26 Prozent) pimpt als Geschmacksträger auf der Zunge alles auf. Ich persönlich trinke lieber ein Tässchen flüssige Butter. Die quietscht nicht so zwischen den Zähnen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%