Werner knallhart: Ice Bucket Challenge: Schluss jetzt!

kolumneWerner knallhart: Ice Bucket Challenge: Schluss jetzt!

Kolumne von Marcus Werner

Menschen, die sich vor der Handy-Kamera mit Eiswasser übergießen: Am Anfang ging es bei der Ice Bucket Challenge um Spenden und Spaß - jetzt geht es nur noch ums Dazugehören und Abhaken. Es reicht!

Es ist mittlerweile nicht mehr lustig. Aber wer auf Facebook unterwegs ist, kommt nicht drum herum. Dabei fing alles so witzig an.

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Vor Wochen sah ich im Fernsehen meine Kölner WDR-Lokalzeit-Kollegin Mara Bergmann, wie sie sich vor laufender Kamera live mit Eiswasser übergießen ließ. Mein erster Gedanke: "Geil, mit Wasser rumsauen im Studio. Bislang tabu. Das mache ich demnächst auch."

Das war vor rund fünf Wochen. Dass das etwas mit einem Spendenaufruf zu tun hatte, war mir da noch gar nicht klar. Das habe ich erst einige Tage danach begriffen.

Es geht ja den an ALS erkrankten Menschen darum, auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen und Geld zu sammeln. Es fehlte bislang an öffentlicher Wahrnehmung. Das hat sich dank der Ice Bucket Challenge geändert. Das Prinzip der Aktion: entweder spenden oder nass werden. Und drei neue Kandidaten nominieren.

Das Schneeballsystem funktioniert. Eine amerikanische Selbsthilfeorganisation hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 50 Millionen Dollar an Spenden erhalten. Auch in Deutschland verbuchen die entsprechenden Anlaufstellen wie die an der Charité in Berlin deutlich mehr Spenden. Das ist sehr gut.

Insofern gibt es an der Aktion selber nichts zu meckern. Aus Marketingsicht ein Volltreffer: Ohne die Selbstinszenierung in den Videos wäre der Aufruf nicht so erfolgreich. Und die Herausforderung mit dem Eis-Eimer ist perfekt ausbalanciert. Für jeden einerseits eine ziemliche Strapaze, aber andererseits wiederum etwas, dass man sich zumuten kann. Anders als etwa eine Flasche Weizenbier auf ex zu trinken oder seinen eigenen Furz anzuzünden, wie man es im Internet an anderer Stelle ebenfalls bewundern kann.

Aber wie das mit Schneeball-Systemen so ist: Einmal in Fahrt, lassen sie sich kaum mehr kontrollieren. Und heraus kommen hunderte idiotische Facebook-Videos. Es nimmt einfach kein Ende.

Vor ein paar Wochen reichte es noch, in seinem Video beim Nasswerden zu kreischen. Mittlerweile sollte man sich schon etwas einfallen lassen: Auf einer Baustelle etwa ließ sich ein Arbeiter erst mit einer ganzen Baggerschaufel voll Wasser übergießen, bis dann ein Frontlader einen Container mit Wasser über ihm leerte und ihn samt Stuhl davonschwemmte.

Menschen, die sich vor der Handy-Kamera mit Eiswasser übergießen. Es nimmt einfach kein Ende. Quelle: REUTERS

Menschen, die sich vor der Handy-Kamera mit Eiswasser übergießen. Es nimmt einfach kein Ende.

Bild: REUTERS

Andere Videos wiederum zeigen Leute, die ihre Kumpels auf Kommando übergießen sollten, sich unter der Last des schweren Wasserbehälters versehentlich selber die Ladung über den Kopf schütten - unter dem hysterischen Gegacker des Kameramanns. Wieder andere lassen den mehrere Kilo schweren Wassereimer aus dem ersten Stock auf den Kopf des Kandidaten knallen. Oder die Fensterbank bricht ab. Eine Frau spült sich mit dem Eiswasserschwall die Brüste aus dem Kleid und geht vor Scham jaulend in die Knie. Das hat alles seinen Unterhaltungswert.

Aber der große Rest lässt sich eben nichts einfallen. Und postet es trotzdem auf Facebook. Und das ist mittlerweile laaaangweeeilig! Denn bei Facebook erscheinen ja nicht nur Freunde mit ihrem Video, sondern es erscheinen auch Wildfremde, die von irgendwelchen Freunden von Freunden geliked wurden. Da stehen sie dann in ihren Vorgärten neben der Garage und quengeln rum, womit sie das denn verdient hätten und so. Dutzende Male. Den meisten Leuten fällt nichts Gutes ein.

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1 Kommentar zu Werner knallhart: Ice Bucket Challenge: Schluss jetzt!

  • mal sehen was als nächstes kommt. Wettpopeln :-))

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