Werner knallhart: Job-Kleidung im Sommer: Weg mit dem alten Dresscode!

kolumneWerner knallhart: Job-Kleidung im Sommer: Weg mit dem alten Dresscode!

Kolumne von Marcus Werner

Wir sehnen uns nach Ehrlichkeit und Authentizität. Aber im Job wählen wir die Maskerade. Der geltende Business-Dresscode ist hinterhältig, männerfeindlich und fängt im Sommer an zu riechen. Wir brauchen einen neuen.

Wenn Sie dieser Tage von Berlin nach Köln reisen (beide Städte gerade bis zu 35 Grad), was ist da die Garderobe Ihrer Wahl? Meine ist: Jacke und leichter Schal. Denn ich reise mit der Bahn.

Und es ist ja ein Gerücht, dass beim ICE die Klimaanlagen nicht stark genug sind. Wenn man die auf volle Pulle stellt, dann kühlen die den Zug bei Gluthitze draußen auf gefühlte 14 Grad runter.

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Lange habe ich mich gefragt, warum die bei der Bahn uns das antun. Mittlerweile habe ich eine Vermutung nahe der Gewissheit: Es geht mal wieder gar nicht um uns Kunden. Die Dienstkleidung der Zugbegleiter und des Bordrestaurant-Personals besteht zum Gutteil aus Polyester. Und das sollen wir nicht riechen. So muss es sein. Eine andere Erklärung gibt es nicht.

So kleiden Sie sich richtig

  • Wie Sie stilsicher werden

    Wie kleidet man sich ordentlich? Dabei geht es um mehr als die Frage, ob mit oder ohne Krawatte. Welche Aussagen lassen sich durch welche Kleidung transportieren? Das ist keineswegs Jacke wie Hose. Ein Crashkurs.

  • It fits

    Im Englischen heißt es „it fits“, wenn etwas passt. Daher das Wort „Outfit“. Ihre Kleidung sollte in drei Kategorien passen: Dem Anlass entsprechend, dem Typ entsprechend und der individuellen Aussage entsprechend. Genau in der Schnittmenge liegt das für sie optimale Outfit.

  • Für Banken, Versicherungen, Rechtsabteilungen und Buchhaltung

    Anzug oder Kostüm sollten Werte wie Vertrauen und Sicherheit widerspiegeln. Das gilt auch für Mitarbeiter im Back-Office. Ein Ziel ist Understatement. Die Kleidung sollte modern und nicht bieder wirken; dunkle Business-Farben wirken am besten.

  • In Management, Controlling, Marketing und PR

    Es gilt, einen Tick schicker zu sein als im klassischen Business. Hosen mit Pullover gehen maximal in der Werbebranche. Ansonsten eher kompletter Hosenanzug oder Blazer-Hose-Kombi für Damen, Anzüge und Kombinationen für Herren. Anspruchsvoll, gehobene Qualität und dunklere Farben.

  • Im B2B

    Professioneller Look ist hier unabdingbar. Klassische Kostüme, Anzüge und Kombinationen in mittleren bis dunkleren Farbtönen. Farben dürfen nicht ins Auge springen, sollten aber modern sein.

  • In Kreativ-Jobs

    In der Werbung oder bei den Medien darf es bunter und ausdrucksstark zugehen. Hier ist Nähe angesagt und schwarze Kleidung ist da sehr hinderlich.

  • Große Männer brauchen Unterteilungen

    Für besonders große Männer empfehlen sich farbliche Unterteilungen. Also zum Beispiel blaue Hose oder roter Pullover. Das unterbricht die Größe und lässt Sie weniger lang wirken. Männer mit langen Beinen tragen am besten längere Jacken und Ärmel.

  • Kleine Männer eher eintönig

    Ist Ihr Körper insgesamt kurz, empfiehlt sich farblich Ton in Ton. Farbliche Unterteilungen würden die Kürze betonen. Haben Sie kurze Beine, sollten Sie von Hosenaufschlägen absehen – und auch davon, Ärmel aufzukrempeln.

  • Passend zum Typ

    Tiefsinnige und Kreative wollen sich ausdrücken. Die Erscheinung darf Außergewöhnliches bieten, also kreativer Kragen, Schmuck, extravagante Brille oder bunte Farben. Bodenständige Typen verwenden besser natürliche Materialien und Erdtöne. Dramatiker und Extrovertierte mögen vielleicht asymmetrisch geschnittene Kleidung – sie sollten dann aber darauf achten, dass sie niemals billig wirkt. Zu sportlichen Typen passen Blau und Grün.

  • Nicht nur beim Mann entscheidet die Figur

    Sollten Sie eine schlanke Frau sein und Kleidergröße 32 bis 34 tragen, sehen Röhrenjeans super aus. Ab Kleidergröße 40 sehen Sie mit ihnen dicker aus. Es liegt also stets an der Form ihres Körpers.

  • Rechteckige Figurform

    Sind Schulter, Taille und Hüfte gleich breit, empfiehlt sich eine gerade Hose oder ein gerader Rock.

  • Dreieckige Figurform

    Die Schulter ist schmaler als die Hüfte. Hier sollten Sie Hosen und Rücke in der sogenannten A-Linie mit kurzen Oberteilen kombinieren.

  • Umgekehrtes Dreieck

    Die Schulter ist breiter als die Hüfte: Hier empfehlen sich Caprihosen, Röhrenhosen und enge Röcke. Die schmalen Hosen lassen sich gut in Stiefel stecken.

  • Die Achter-Figur

    Die Figur ist wie eine 8 geformt. Sie ist eine sehr weibliche Figurform. Die Röcke sind konisch geschnitten, sie werden zum Knie hin schmaler. Passende Hosen sind Hosen in Bootcut-Schnitten.

Denn erst wenn es richtig saukalt ist im Zug, erst dann ist es doch wohl mit deutschem Arbeitsschutz zu vereinbaren, im Sommer Hemd, Weste und Sakko übereinander zu tragen: die legendäre, mitunter sehr voluminös auftragende DB-Uniform im Deutsche-Bundesbahn-Retro-Bundfaltenlook, noch mit den guten alten Nadelstreifen auf der Weste. Jetzt im Hochsommer auch mal kurzärmelig und ohne Sakko. Aber Krawatte, Weste und Halstuch bleiben. Kurzärmelig mit Krawatte und Weste. Den Gag verstehe ich nicht.

Staatstragende Autorität vermitteln

Bei den dänischen Staatsbahnen DSB werden Ihre Fahrkarten mitunter kontrolliert von Menschen in modern schlank geschnittenen dunklen Jeans, Shirt und Base-Cap. Auch, wenn der Schaffner schon jenseits der 50 sein sollte. Aber anders als in Dänemark sind wir hier in Deutschland ja nicht in Amerika, nicht wahr?

Hätten die Angestellten der Deutschen Bahn nicht trotzdem mehr Fashion-Fürsorge verdient? Ein Dresscode wie eine Uniform macht bei einem Unternehmen doch nur dann Sinn, wenn es durch die Außenwirkung dadurch maximal profitiert. Wenn sich Kunden optisch angesprochen fühlen. Ein zeitgemäßes Sommeroutfit wäre sogar billiger: weniger Kühlung, weniger Strom, weniger Kosten. Ist doch so.

Am aller souveränsten ist es doch, wenn eine Uniform nicht künstlich den Anschein von staatstragender Autorität vermitteln soll, sondern einfach: "Mich kannst du ansprechen. Ich bin Mitarbeiter."

Im Zwei-Sterne-Restaurant von Tim Raue nahe der Friedrichstraße in Berlin wird das Lunch-Menü serviert von jungen Leuten in dunklen T-Shirts. Da gibt es keine Pinguine. Aussage: Wir spielen dir nichts vor.

Regelrecht hinterhältig ist ein Dresscode da, wo eine Uniform als Wiedererkennungsmerkmal nicht nötig ist. Denn dort ist er nichts als Show für den Kunden. Kurioserweise wollen das viele Kunden so. In einer Bank etwa wünschen sie sich nach einer nicht repräsentativen TV-Umfrage die Angestellten mit Schlips und Kragen. Warum? Weil man in Shorts und Flipflops Euro-Scheine nicht zuverlässig in Dollar wechseln kann? Mittlerweile werden Bankgeschäfte abgewickelt über Apps, die von kleinen Start-Up-Klitschen auf den Markt geworfen worden. Glaubt wirklich jemand, die sitzen da in ihren Co-Working-Space-Büros im Anzug und in gewienerten Lederschuhen? Nein, die organisieren Ihre Bankgeschäfte problemlos auch vom heimischen Sofa aus. In Unterhose.

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