Werner knallhart: Kantinentalk: Wer guckt welche Serie online?

kolumneWerner knallhart: Kantinentalk: Wer guckt welche Serie online?

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Serien als Kantinen-Talk: Zunächst muss die Zuhörerschaft auf den aktuellen Status abgeklopft werden. Erst dann kann man inhaltlich einsteigen.

Kolumne von Marcus Werner

"Hast du den Tatort gestern gesehen?" - "Nö." Huch! Mittlerweile gilt: Wer was auf sich hält, tratscht über Homeland, Deutschland 84 und Fargo. Jetzt schnell noch Anschluss finden. Oder Sie sitzen zukünftig beim Essen alleine.

Haben Sie beim Lesen der ersten Zeilen gerade schon die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen und gedacht: "Hilfe, dieser Kolumnist hier hat ja selbst keine Ahnung"? Wenn nein, dann leben Sie gefährlich am Rande des Zeitgeistes. Denn die Serie heißt "Deutschland 83" und nicht 84 – und das haben Sie nicht gewusst. Vorsicht! Die Welt ändert sich gerade und womöglich verlieren Sie gerade den Anschluss. Das muss aber nicht sein.

Am Puls der Zeit zu sein ist nur scheinbar schwierig. Es ist so wie damals der Wechsel vom Siemens-Handy auf das iPhone. Alles neu, aber nur anders kompliziert. Zugegeben: Früher war es noch sehr übersichtlich. Da lief die Schwarzwaldklinik und ausnahmslos alle guckten.

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Das schafften danach nur noch die Shows. Nehmen wir mal Big Brother. Und dann DSDS und das Dschungelcamp. Die einen guckten aus aufrichtiger Begeisterung ("Ey, die fressen echt Känguru-Klöten da!"), die anderen aus verlogenem Interesse an der Metaebene und was solche Formate über den Zustand unserer Gesellschaft aussagen ("weil es so trashig ist, dass es schon wieder gut ist").

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Netflix-Start

  • Was kostet Netflix?

    Die Preise des Dienstes sind gestaffelt. Wer die Filme und Serien in HD sehen will oder mehrere Zugänge für die ganze Familie braucht, zahlt mehr.

    Einstiegspreis: 7,99 Euro pro Monat (Standard Auflösung / ein Gerät)

    HD-Paket: 8,99 pro Monat (Höhere Auflösung / zwei Geräte zeitgleich)

    Familien-Paket: 11,99 (Höchste Auflösung (4K-Ultra-HD / vier Geräte zeitgleich)

  • Welche Geräte unterstützt Netflix?

    Das Netflix-Angebot ist auf mehreren Wegen abrufbar:

    Im Browser über www.netflix.com/de

    Über die Netflix-App für iOS und Android

    Über Spielekonsolen die PlayStation 3 und 4, die Xbox 360 und One und die Wii,

    Über Set-Top-Boxen  wie Apple TV und das Fire TV von Amazon sowie Googles Chromecast

    Über verschiedene Blue-Ray-Spieler und Smart-Tvs (vorrangig Geräte von Samsung und Sony)

  • Welche besonderen Serien bekomme ich?

    Nach ersten Berichten fällt das Angebot von Netflix in Deutschland bislang offenbar deutlich geringer aus, als in de USA. Bekannte Filme und Serien wie Breaking Bad, Sherlock, The Walking Dead oder Big Bang Theory sind aber dabei.
    Exklusiv gibt es offenbar Serien wie Fargo und From Dusk till Dawn.  Der von vielen sehnlichst erwartete Breaking-Bad-Ableger Better Call Saul soll parallel zum US-Serienstart im Februar 2015 starten.

    Wichtig für viele Film- und Serienfans: Alle englischsprachigen Produktionen gibt es synchronisiert und mit Originalton zu sehen – auf Wunsch mit deutschen Untertiteln.

  • Wie sieht es mit Eigenproduktionen von Netflix aus?

    In der Vergangenheit hat Netflix die Auslandsrechte an seinen eigenen Serien häufig verkauft. Das führt zu merkwürdigen Situationen: Das hochgelobte House of Cards war bereits vor dem Netflix-Start in Deutschland zu sehen. Und: Der Streamingdienst hat jetzt zwar die ersten beiden Staffeln im Angebot. Die dritte Staffel wird aber wohl bei Sky laufen. Auch Lillyhammer und Arrested Development sind derzeit nicht über Netflix abrufbar.

    In Zukunft wird Netflix aber vermutlich keine derartigen Deals mit der Konkurrenz mehr eingehen.  Die bereits angekündigten Eigenproduktionen Marco Polo und Sense8 werden wohl erstmal nur für Netflix-Kunden zu sehen sein.

Bislang hieß es: Die einen gucken Fernsehen (Mainstream), die anderen lesen ein Buch (Elite). Jetzt gibt es eine neue Kategorie, in die jeder aufsteigen kann, ohne ein Buch auch nur anzufassen: die Avantgarde. Gucken Sie dazu einfach HBO, Netflix, iTunes oder Amazon Video. Fertig.

Viele Avantgardisten prahlen großkotzig: "Ich nutze meinen Fernseher nur noch für die Tagesthemen – und als Monitor, um meine Serien aus dem Internet drauf zu streamen." Wow!

Ich kenne Paare, die sitzen abends gemütlich Zuhause im Wohnzimmer, jeder mit seinem iPad auf dem Schoß und Kopfhörern in den Ohren und der Lieblingsserie auf dem Bildschirm. Armselig? Was wäre denn kommunikativer daran, wenn jeder ein Buch in Händen hielte?

Wissenswertes über Netflix

  • Alternative zu Videotheken

    Die Netflix-Gründer Reed Hastings und Marc Randolph wollte eine Alternative zu den Videotheken aufbauen. 1997 fingen sie an, DVDs online zu verleihen – ohne Säumnisgebühren, die viele Nutzer nervten. Später führte das Unternehmen eine Flatrate ein.

  • Online-Dienst als zweites Standbein

    2007 führte das Unternehmen einen Online-Dienst ein, Nutzer konnten die Filme auch übers Internet streamen. Für dieses Nebenprodukt verlangt Netflix seit 2011 auch Geld – erst empörten sich die Nutzer darüber, dann arrangierten sie sich damit.

  • Den Vorlieben der Nutzer auf der Spur

    Netflix hat einen Algorithmus entwickelt, um die Vorlieben der Nutzer genau erfassen und passende Genres vorschlagen zu können. Das Unternehmen wertet zudem aus, welche Serien und Filme besonders häufig illegal heruntergeladen werden.

  • Einladung zum „Binge Watching“

    Der Online-Dienst bietet alle Folgen einer Serie auf einen Schlag an – wer will, kann beispielsweise ein ganzes Wochenende mit der neuen Staffel von „House of Cards“ verbringen. Experten sprechen vom „Binge Watching“, also einer Art „Koma-Gucken“.

  • Schlagzeilen mit Eigenproduktionen

    Netflix bietet größtenteils bereits ausgestrahlte Filme und Serien an, bemüht sich aber verstärkt um Eigenproduktionen. Die bekannteste ist wohl die hochgelobte Politserie „House of Cards“ mit Schauspieler Kevin Spacey. Auch Anbieter wie Amazon gehen inzwischen diesen Weg.

Mit dem neuen Angebot an Spitzenserien hat sich auch der Kantinen-Talk verändert. Ich erinnere mich an früher. Da erzählte ich begeistert vom damals schon Jahre alten Spielfilm "The Sixth Sense": "Also, ich weiß noch, wie es mir damals eiskalt den Rücken runter lief, als am Ende rauskam: Bruce Willis ist selber ein Geist." Da maulte mein Kollege Axel neben mir: "Hallo? Ich kenne den Film übrigens noch nicht."

Das würde mir heute nicht mehr passieren. Heute fragt man: "Guckt jemand von euch Homeland?"

"Ja klar."

"Welche Staffel?"

"Die aktuelle. Jeden Montag direkt nach der Ausstrahlung in den USA auf iTunes Deutschland."

Zunächst muss also die Zuhörerschaft auf den aktuellen Status abgeklopft werden. Erst dann kann man inhaltlich einsteigen. Denn die einen sind noch in der Schnupperphase ("Staffel 1, Folge 3, aber bin irgendwie noch nicht angefixt"), andere hinken mittendrin hinterher ("Nicht verraten, ob Brody in der dritten Staffel doch noch lebt!"), wieder andere gieren von Woche zu Woche auf die neue Episode ("Die kriegst du über den australischen Store früher als über den US-Store.").  So ist das bei Homeland, genauso wie bei Game of Thrones, Deutschland 83, House of Cards, Fargo und und und. Je nach Jahreszeit.

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