Werner knallhart

Mein schönster Urlaubs-Flop: Mietwagen-Nepp in Spanien

Flug buchen, Hotel buchen, Finka buchen - war alles kein Problem. Aber in Spanien ein Auto zu mieten ist irgendwie immer ein Horror. Kennen Sie das? Entweder ist es schweineteuer oder man fühlt sich übers Ohr gehauen.

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Die beliebtesten Reiseziele der Deutschen
Platz 10: Dubrovnik (Kroatien)Platz 10 der beliebtesten Reiseziele der Deutschen geht an Dubrovnik im Süden Kroatiens. Die Küstenstadt steht auf der Liste der UNESCO-Kulturerben und verfügt neben einer wunderschönen Altstadt über eines der ältesten kommunalen Theater Europas. Außerdem entstanden Szenen der TV-Serie Game of Thrones in Dubrovnik. Die Stadt wird als Drehort für Königsmund und die Wüstenstadt Qarth genutzt.Quelle: Das Reiseportal trivago hat die beliebtesten Sommerreiseziele im Ausland anhand der Suchabfragen von Januar bis Juni 2015 ermittelt. Quelle: Heiko Hilbert
Platz 9: Side (Türkei)Side, 75 Kilometer östlich von Antalya gelegen, schafft es in die Top Ten der beliebtesten Sommerreiseziele der Deutschen. Die Tatsache, dass die Sonne hier 300 Tage im Jahr scheint, ist ein entscheidendes Argument für diese türkische Destination. Doch auch der Fischerhafen und die antike Altstadt haben einiges zu bieten. Quelle: gototurkey.co.uk
Platz 8: Poreč (Kroatien)Auch die Küstenstadt an der Westküste Istriens ist beliebt bei deutschen Sommerurlaubern. Kirchliche Bauten und Küstenlandschaften laden zum Erkunden ein. Poreč landet auf Platz acht im Ranking. Quelle: Ivo Pervan - Kroatische Zentrale für Tourismus
Platz 7: Bibione (Italien)Im Herzen von Venetien zieht der Stadtteil von San Michele al Tagliamento in der Badesaison zwischen Mai und September vor allem Urlaubsfreudige aus Deutschland und Österreich an. Insgesamt verfügt das auf Tourismus ausgerichtet Bibione über etwa 100.000 Unterkünfte. Platz sieben im Ranking. Quelle: Bibione Live
Platz 6: Antalya (Türkei)Die türkische Küstenstadt Antalya wartet neben Temperaturen über 30 Grad und weißen Stränden auch mit einer antiken Altstadt und einem vielfältigen Kulturangebot auf. Hier wird beispielsweise das größte Filmfestival der Türkei ausgetragen. Quelle: gototurkey.co.uk
Platz 5: Bardolino (Italien)Auch Bardolino ist beliebt bei deutschen Urlaubern. In dem Ranking landet der malerische Ort am Gardasee auf Platz fünf. Vor allem der Yachthafen lädt zum Verweilen und Träumen ein. Quelle: gardaseeinformation.it
Platz 4: Lido de Jesolo (Italien)Auch der vierte Platz geht an Italien. Nach einer Unterkunft am Strand der Kleinstadt Jesolo hielten etliche Nutzer des Reiseportals zwischen Januar und Juni dieses Jahr Ausschau. Der Ferienort lädt zu ausgiebigen Museumsbesuchen ein. Wasservergnügungsparks sorgen für erfrischende Unterhaltung. Quelle: Hotel Adriatic Palace

Tapas, Strand, Sonne, Savoir-vivre, oder wie das da heißt: Urlaub in Spanien ist schön. Trotz Mietwagen. Obwohl die Branche ja alles tut, um das Image ihres Landes zu ramponieren. Im Februar war ich auf Gran Canaria und jetzt gerade auf Mallorca. Und den jeweils ersten Tag brauchte ich, um mich vom Besuch beim Autovermieter zu erholen.

An das Auto auf Gran Canaria kann ich mich kaum noch erinnern. Ein gesunder Geist vergisst ja alles, was ihn psychisch kaputt macht. Ich weiß noch: Treffpunkt Flughafen-Ankunftshalle, Ausgang rechts. Dort wollte uns der Shuttlebusfahrer abholen. Direkt nach der Online-Buchung hatte uns der Vermieter per Mail nach unserer Flugnummer und unserer Ankunftszeit am Flughafen gefragt. Naiv wie ich war, erwartete ich, dass diese Information irgendwie den Fahrplan des Shuttles beeinflussen würde.

Tipps für den stressfreien Urlaub

Nach einer knappen halben Stunde am Treffpunkt riefen wir den Vermieter an. Er versprach, sein Fahrer käme in zehn Minuten. Und tatsächlich: zwanzig Minuten später war der da. Und bat uns zu warten. Er wollte noch die Passagiere weiterer Flugzeuge abwarten. Wir überlegten, den Weg zum Auto zu Fuß runterzureißen. Doch es stellte sich heraus: Die Autovermietung, die sich online als "direkt am Flughafen" präsentierte, war nur über die Autobahn oder per Tagesmarsch zu erreichen.

Im Büro erklärte man uns schließlich eine gute Stunde später: Die gebuchte Option "vollgetankt abholen und vollgetankt abliefern" sei hinfällig. Der Tank sei leer, wir müssten erstmal eine Tankstelle suchen, da sei aber eine am angrenzenden Gewerbegebiet, wir könnten den Tank dann ja auch gerne restlos leer fahren. Und man tröstete uns: "Ist doch egal."

Dieses Motto lebten uns auch die Damen und Herren der mallorquinischen Autovermietung von "OK Rent a Car" vor.

Der typisch deutsche Urlauber
Eine Familie läuft am Strand Quelle: obs
Eine Reisekauffrau sitz in einem Reisebüro vor Katalogen Quelle: AP
Touristen schwimmen in einem Pool Quelle: dapd
Ein Badezimmer in einem Hotel Quelle: dpa
Ein Mann hakt eine Checkliste ab Quelle: Fotolia
Ein Mann trägt weiße Socken in Sandalen Quelle: dpa

Von Schakalen umzingelt

Als wir das Büro erreichten, bat uns ein Mitarbeiter von höchstens 20 Jahren als erstes, eine Wartenummer zu ziehen. Denn es war ja noch ein anderer Kunde im Raum und es musste ja alles seine Ordnung haben. Als wir gerade die Marke gezogen hatten, klingelte es prompt und wir waren an der Reihe. Ich war scheu und nervös wie ein Wildpferd umzingelt von Schakalen, denn es war ja eine Autovermietung im Urlaub.

Der Dialog ging ziemlich genau so:

"Sie haben ja ein Cabrio gemietet. Die Sache es die: Wir haben keins."

In solchen Momenten wünsche ich mir für mich selber einfach mehr Urlaubs-Gelassenheit. Aber ich kann nicht anders. Mein ganzes Ich erbebt vor lauter bestätigter Befürchtung. Das bittere Gefühl von: "Da haben wir's. Jetzt geht es los" überflutet jede Zelle meines Organismus. Mir war nach einem lauten Schrei: "HA!" Stattdessen lächelte ich und raunte: "Wir haben aber ein Cabrio gebucht."

"Ich weiß. Wir bieten aber stattdessen ein Upgrade an. Sie bekommen statt eines Peugeot 308 Cabrio einen Audi Q3 oder einen Volvo SUV oder einen Jeep. Eine deutlich teurere Kategorie."

Die Urlaubs-Trends 2015

"Nein, danke. Wir wollen ein Cabrio."

"Sie können auch einen Fiat 500 mit Faltschiebedach haben."

"Aber der ist viel kleiner, da kann keiner hinten sitzen und außerdem ist die Kiste kein richtiges Cabrio."

"Das sind die Optionen. Mehr kann ich nicht tun."

"Was soll das heißen? Wir haben einen Mietvertrag und Sie wollen mir hier einseitig meine Optionen diktieren? Ich kenne noch eine weitere Option: Sie geben uns das Geld zurück und wir mieten irgendwo anders."

"Das geht leider nicht. Sie haben über einen Online-Vermittler gebucht."

"Dann rufen Sie den an und erklären Sie dem, dass Sie die bei ihm gebuchten Leistungen nicht erbringen können."

"Nö. Rufen Sie doch da an."

Außergewöhnlich schlecht informiert

Wir riefen dort verdammt noch mal an. Die Agentur saß in London und hatte schon seit 14 Uhr Feierabend.

Ich ging zurück an den Schalter des Bösen: "Der Fiat hätte bei der Online-Buchung fast die Hälfte gekostet. Jetzt bieten Sie uns den als gleichwertigen Ersatz an."

"Oder einen SUV. Der ist normal viel teurer. Und außerdem ist es doch egal. Das Wetter soll die ganze Woche über sowieso scheiße werden."

Ich unterstellte zu Gunsten des Frechdachses, dass er womöglich kein unverschämter Lügner, sondern einfach nur außergewöhnlich schlecht informiert war. Die Wettervorhersage zeigte Sonne, Sonne, Sonne.

"Wir! Wollen! Ein! Cabrio! Wenn Sie ein Paar Schuhe kaufen wollen, hilft es Ihnen auch nichts, wenn Ihnen der Verkäufer zum gleichen Preis einen doppelt so wertvollen Hut andrehen will."

Von der Seite sprang eine junge Mitarbeiterin von etwa 24 Jahren ihrem Kollegen zur Seite: "Señor! Das ist Spanien hier. Akzeptieren Sie es!"

Warum hatten bei der dramatischen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien ausgerechnet diese Leute einen Job?

"Ziehen Sie nicht Ihr schönes Land in den Schmutz. Ihre Firma ist das Problem. Jetzt sagen Sie mal ehrlich: Finden Sie Ihr Vorgehen fair?"

"Nein. Aber ich kann es nicht ändern."

"Wer ist der Chef hier?"

Eine zweite Kollegin kam plötzlich dazu: "Der arbeitet heute nicht."

"Können Sie uns denn weiter helfen?"

"Nein."

"Geben Sie mir dann bitte mal die Kontaktdaten von Ihrem Chef. Dann rufe ich den an."

"Nein. Das darf ich nicht."

"Wie heißen Sie?"

"Silvia."

"Und weiter?"

"Das dürfen wir nicht sagen."

Zwei von fünf Sternen

Achselzucken und lauter leere Gesichter. Meins eingeschlossen.

Ich versuchte in aller Eile, meine Rechte als EU-Verbraucher im Kopf zu überschlagen. Aber dann dämmerte es mir: Ich war in einer spanischen Autovermietung. Oh Gott! In meinem Kopf nur Dunkelheit und Ödnis.

Hier griff jetzt das oberste Autovermieter-Gesetz: "Wenn du dein Gepäck nicht zu Fuß durch den Staub ziehen willst, fährst du, was noch auf'm Hof parkt." Bei OK Rent a Car nennt man das "Optionen".

Wir nahmen den Audi. Und holten später nach, was wir zu Hause wohl nicht akribisch genug gemacht hatten: Wir lasen die Online-Bewertungen anderer Kunden. Zwei von fünf Sternen im Schnitt. Reihenweise Beschwerden über vor Ort plötzlich dazu zu buchende Versicherungen.

Hihi! Diese Masche haben sie sich bei uns nicht mehr getraut. 1 zu 0 für uns blöde Touris. Ich überlegte ernsthaft, den Triumph mit einem Eimer Sangria zu begießen.

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