Werner knallhart: Schafft das Trinkgeld ab!

kolumneWerner knallhart: Schafft das Trinkgeld ab!

Kolumne von Marcus Werner

Es gibt gute, alte Traditionen und es gibt Traditionen, die sind alt aber nicht gut. Kolumnist Marcus Werner über die traditionell völlig ungerechte Sache mit dem Trinkgeld.

Wann haben Sie zum letzten Mal einem Kellner das Trinkgeld gestrichen? Erinnern Sie sich?

Und? War das geil? Dem arroganten, faulen Monsieur Gernegroß war das doch bestimmt ganz recht geschehen.

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Bei mir war das das letzte Mal vergangenen Sonntag in einem - nein, sagen wir in einer vom Internet völlig überbewerteten Spelunke in Berlin-Kreuzberg. Wir waren zu dritt und einer von uns hatte sich eine schöne Cranberry-Saftschorle bestellt. Aber bitte ohne Eiswürfel. Er fand seinen Extra-Wunsch nicht sonderlich extravagant.

Nach weniger als vierzig Minuten brachte der Kellner die Platte mit den drei frischen Salaten der Saison (Wurstsalat, Fleischsalat und Geflügel-Eier-Salat), einen Milchkaffee, eine Cranberry-Saftschorle mit Eis und ein großes Pils.

"Ups, ich hatte doch ohne Eis bestellt."

"Nein. Nicht dass ich wüsste."

"Doch."

Da griff der Kellner ohne viel Aufhebens aber mit Verve nach meinem Milchkaffee-Löffel, den ich gerade noch genießerisch abgeleckt und auf die Untertasse gelegt hatte. Dann tunkte er ihn in die Schorle und flippte die Eiswürfel in recht hohem Bogen auf den Fußboden.

Nun, ich war gesund und wir drei waren Freunde. Aber es kam uns doch etwas ungehobelt vor.

Mein Freund winkte ab, trank die Schorle und tröstete sich damit, dass er nun einfach das Trinkgeld kappen würde. Und zwar radikal auf null. So! Prost!

Pay-what-you-want-Prinzip Jeder zahlt, was er will

Wenn jeder bezahlt, was er will, was bleibt dann unterm Strich? Einige Restaurants, aber auch Museen und Konzerne wie Procter & Gamble setzen auf das Pay-what-you-want-Prinzip. Mit überraschend gutem Erfolg.

Quelle: dpa/Montage

Der Fernsehmoderator Harald Schmidt erzählte einst irgendwo von einer Taxi-Fahrt durch Köln. Der Taxifahrer hatte seinen Fahrgast damals sofort erkannt, in einer Tour auf türkischem Kölsch über Schmidts Arroganz im Fernsehen genörgelt und - wenn ich mich recht erinnere - Schmidt gewünscht, seine Show möge bald eingestellt werden. Beim Aussteigen hatte Harald Schmidt dem Mann dann 30 Euro Trinkgeld gegeben.

Wir Kunden sind als Könige doch die reinsten Willkürherrscher:

Kellner bekommen Trinkgeld, wenn sie lieb die Bestellung anschleppen. Aber warum geben wir nichts, wenn wir den Blueberry-Muffin selbst am Tresen abholen? Ist ein Tablett heranzutragen würdigungswürdiger als backen? Und würdigungswürdiger, als das zugesaute Tablett nach der Mahlzeit abzuräumen (McDonald's)? Warum schenken wir Stewardessen nach einem Interkontinental-Flug für elf Stunden Rundumbetreuung beim Abschied an der Tür gerade mal ein müdes Bye mit Overnight-Mundgeruch, statt einer kleinen Münze als Dank? Warum der Taxifahrer und warum nicht der Busfahrer? Warum die Friseurin aber nicht der Schuhverkäufer? Bei mir rennt der Minimum drei Mal ins Lager.

Meine Mutter sagte kürzlich, es sei ihr so peinlich, dass sie vergessen habe, der Blumenverkäuferin ein Trinkgeld zu geben. "Fürs Binden." Ich sag: "Wie: fürs Binden...?"

Warum kriegt der Pizza-Bote was, aber nicht der DHL-Bote?

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