Werner knallhart: Sinnlose Floskeln: Geht der Stuss nicht präziser?

kolumneWerner knallhart: Sinnlose Floskeln: Geht der Stuss nicht präziser?

Kolumne von Marcus Werner

“Haben Sie was getrunken?" Was soll man dem Polizisten da sinnvoll antworten? Wir müssen bei einigen Alltagsfloskeln endlich neu denken. Sonst geht das noch tausende Jahre so sinnlos weiter.

Treiben wir es von vorne herein mal auf die Spitze. Ein Freund fragte mich jüngst, nachdem er sich an einem Nachmittag im Biergarten sein Gesicht mit Sonnenmilch eingecremt hatte:

"Habe ich noch Sonnencreme im Gesicht?"

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Ich sag: "Was für eine Frage. Natürlich. Du hast sie doch gerade auf die Haut geschmiert."

"Nein, ich meine, ob man noch was davon sieht."

"Kommt drauf an."

"Wie 'kommt drauf an'?"

"Ja, mit bloßem Auge oder mithilfe eines Elektronenrastermikroskops?"

"Mit bloßem Auge. Ohne Hilfsmittel."

"Und bei Sehbehinderung?"

"Dann mit Hilfe von bei einem gut sortierten Optiker erhältlichen Sehhilfen."

"Kommt auf die Lichtverhältnisse an."

"Bei den aktuellen Lichtverhältnissen."

"Also was jetzt?"

"Habe ich bei Lichtverhältnissen, die einen durchschnittlich einsichtigen Menschen dazu veranlassen, seine Haut mit einem UV-Licht-Blocker zu schützen, mit bloßem Auge und gegebenenfalls unter Zuhilfenahme augenmedizinisch indizierter Seehilfen aus sozial üblichem Abstand unter Wahrung der persönlichen Distanzzone noch erkennbar Sonnencreme im Gesicht?"

"Nein."

"Ok. Prost."

Diese deutschen Begriffe gibt es in anderen Sprachen

  • bessermachen

    "Bessermachen" - den "Drang, sich in anderer Leute Arbeit einzumischen", kennt die dänische Sprache aus dem Deutschen. Sollte es uns zu denken geben, dass "besserwisser" außerdem im Finnischen, Norwegischen, und Schwedischen bekannt ist?

  • dajer, dauer

    Wer in Ungarn zum Friseur geht, kann sich eine "dajer" oder "dauer" machen lassen. In Deutschland geht das auch - hier ist das Wort allerdings noch etwas länger: "Dauerwelle".

  • forell

    "forell" (Forelle) und "heeringas" (Heering) kann man gut mit "till" (Dill) essen. Dazu gibt es ein Glas "vein" (Wein). Wo? In Estland.

  • hausmajstr

    In Tschechien ruft man den "hausmajstr", wenn etwas im Wohnhaus "kaput" ist. Der bringt meistens "verkcajk" (Werkzeug), wie einen "šroubovák" (Schraubenzieher) mit.

  • kohlrabi

    "Kohlrabi" ist das afghanische Wort für - Kohlrabi.

  • likier

    Wer in Polen zu viel "likier" (Likör) in der "knajpa" (Kneipe) getrunken hat, sollte seinen "rausz" (Rausch) ausschlafen und am nächsten morgen vielleicht einen "rolmops" (Rollmops) essen.

  • otoban

    Wer kennt das nicht? Stau auf der "otoban". Ist nicht gern gesehen, weder in Deutschland (wo es "Autobahn" heißt), noch in der Türkei.

  • wallraffa

    Ja, genau, wie sie denken. Das Wort kommt vom Investigativ-Journalisten Günter Wallraff und bedeutet im schwedischen: "unter falscher Identität recherchieren". Nach Feierabend kann der Undercover-Journalist in Schweden dann die "bratwurst" (Bratwurst) genießen - oder ein "schnitzel" (Schnitzel).

  • Zeitgeist

    Den abstrakten deutschen "Zeitgeist" gibt es nicht nur im Englischen, sondern auch im Spanischen und im Portugiesischen: "zeitgeist".

  • バウムクーヘン

    Ja, genau. Das ist japanisch für "Baumkuchen" (baumukūhen). Außerdem in Japan verbreitet: Ursprünglich aus dem Deutschen stammende Begriffe zum Thema Sexualität. Beispiele: オルガスムス (orugasumusu) - "Orgasmus", オナニー (onanī) - "Onanie", ラーゲ (rāge) – "Lage" im Sinne von "Sexstellung", ザーメン (zāmen) – "Samen", "Same", "Sperma".

Nur mal so als Beispiel. Die Frage war einfach ordentlich formuliert. Kürzer geht es oft nur, wenn beide Parteien den Code der Kurzfassung richtig verstehen. Das mag unter Freunden gehen. Das klappt aber nicht immer. Etwa, wenn die Polizei mit einem spricht. Da kommt es doch eigentlich auf die Details an.

"Haben Sie denn nun zu Ihrem Chef gesagt: Reden Sie nicht so einen Quatsch, Sie Idiot. Oder: Reden Sie nicht so einen idiotischen Quatsch?"

Der Unterschied kann für die Strafbarkeit wegen Beleidigung wichtig sein. Da müssen Haare gespalten werden.

Gestik und Mimik

  • Finger an die Nase legen

    signalisiert laut den Bewerbungsexperten von Hesse/Schrader Konzentration oder Nachdenken

  • Mit den Fingern trommeln

    bedeutet Ungeduld oder Nervosität, vielleicht sogar Provokation

  • Gefaltete Hände

    zeigen die eigene Überlegenheit

  • Hand vor den Mund halten

    Gesagtes wird zurückgenommen, weil Unsicherheit in der Sache besteht

  • Händereiben

    demonstriert Selbstzufriedenheit, wirkt aber nicht immer sympathisch

  • Hände über den Kopf legen

    zeigt bei Zurücklehnen grenzenlose Souveränität

  • Herumspielen mit Fingern

    lässt auf Desinteresse, Unkonzentriertheit oder Nervosität schließen

  • Kopf auf die Hände stützen

    steht für Nachdenklichkeit, Erschöpfung oder Langeweile

  • Am Kopf kratzen

    zeigt Ratlosigkeit oder Unsicherheit

  • Reiben des Kinns

    steht für Nachdenklichkeit und Zufriedenheit

  • Verschränkte Arme

    zeigen bei Frauen: Unsicherheit oder Angst, bei Männern: Ablehnung und Verschlossenheit

  • Zum Spitzdach geformte Hände

    signalisieren Überheblichkeit, gleichzeitig Abwehr gegen Einwände

Aber woher soll man wissen, wann es die Polizei zur Abwechslung nicht so genau nimmt? Als ich im Alter von 18 mit dem Auto meiner Eltern mit Freunden in die Disco gefahren bin, wurde ich von der Polizei angehalten.

"Haben Sie was getrunken?" Wieso stellt mir ein Behördenvertreter offiziell solch unpräzise Fragen? Und was soll ich als Teenager umringt von Freunden darauf bitte schön Cooles antworten? Ich summte:  "Keinen Alkohol, wenn Sie das meinen." So erzieht einen der Staat zu Klugscheißern. Das muss nicht sein.

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