Werner knallhart: Was Ihr Badezimmerteppich Sie Tag für Tag kostet

kolumneWerner knallhart: Was Ihr Badezimmerteppich Sie Tag für Tag kostet

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Wissen Sie, wie viel Geld Sie die Benutzung von alltäglichen Gegenständen kostet? Da kommt ganz schön was zusammen ...

Kolumne von Marcus Werner

Wir scheuen uns, monatlich 10 Euro für eine Online-Musik-Flat oder eine Online-Video-Flat auszugeben. Aber ist Ihnen klar, was Ihre elektrische Zahnbürste umgerechnet jeden Abend kostet? Ein Rechenspiel für Nervenstarke.

Miete, Handyvertrag, DSL, Kabelanschluss, Fitnessstudio, Strom, Rundfunkbeitrag, Schwimmverein für die Kinder: Laufende Kosten auf dem Konto sind unsympathische Racker. Sie machen nicht nur die Ordner mit den Auszügen dick.

Sie führen uns auch gnadenlos monatlich vor, wie das Geld einfach so weggeht. Ganz ohne das berauschende Gefühl, gerade schön geshoppt zu haben.

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Beim Einkaufen bekommt man für das hingeblätterte Geld wenigstens direkt eine volle Einkaufstüte über den Tresen gereicht - oder zumindest eine Bestellbestätigung per Mail. Die Euphorie betäubt. Man merkt gar nichts.

So wohnen die Deutschen in verschiedenen Lebensphasen

  • Zur Studie

    Die Wohnstudie wurde 2015 von Marktforschungsinstitut TNS Infratest durchgeführt – im Auftrag des Versandhändlers Otto. Im Rahmen einer repräsentativen Online-Panel-Befragung wurden 1336 Deutsche ab 18 Jahren befragt. Zudem wurden mit 15 Verbrauchern ausführliche Interviews geführt.

  • Junge Familie

    In einer jungen Familie sind alle Kinder jünger als zwölf Jahre. Für Möbel gibt eine junge Familie im Schnitt über fünf Jahre verteilt 8059 Euro aus. Gut die Hälfte von ihnen wohnt zur Miete. Ein ebenso großer Teil will beim nächsten Umzug in eine größere Wohnung ziehen.

  • Familie mit älteren Kindern

    Das Fünf-Jahres-Budget der Familie mit älteren Kindern liegt bei 7568 Euro. Als ältere Kinder werden Kinder ab zwölf eingestuft. Nur jede dritte Familie mit älteren Kindern wohnt zur Miete. Jede vierte Familie mit älteren Kindern will beim nächsten Umzug eine kleinere Wohnung.

  • Empty Nester

    Empty Nester sind Familien, deren Kinder mittlerweile eigene Wohnungen haben. Sie geben im Schnitt 7017 Euro in fünf Jahren für das eigene Heim aus. Jede vierte Familie aus dieser Gruppe hat nach dem Auszug der Kinder die ehemaligen Kinderzimmer umfunktioniert.

  • Junger Single

    Jeder sechste Single unter 40 wohnt alleine, jeder dritte noch bei den Eltern und jeder zehnte in einer WG. Im Schnitt beträgt das Budget für die eigenen vier Wände über fünf Jahre 5402 Euro. 70 Prozent der befragten jungen Singles wohnen zur Miete.

  • Älterer Single

    Der ältere Single ist über 40 und eine unattraktive Zielgruppe für Möbelhändler. Mehr als jeder zweite von ihnen plant keine Umgestaltung seiner Wohnung und falls doch, will er nicht viel ausgeben. Nur sechs Prozent von ihnen gab an, mehr als 5000 Euro investieren zu vollen. Das Fünf-Jahres-Budget liegt bei 3720 Euro.

  • Junges Paar ohne Kind

    Drei Viertel der jungen, kinderlosen Paare wohnen zur Miete – doch jedes zweite träumt vom Eigenheim. Beim Zusammenziehen hat gut die Hälfte von ihnen einen Großteil der Möbel neu gekauft. Das Fünf-Jahres-Budget liegt bei 6105 Euro.

  • Älteres Paar ohne Kinder

    Das größte Budget steht älteren Paaren ohne Kinder zur Verfügung: Sie geben in fünf Jahren für ihr Heim im Schnitt 10.523 Euro aus. Die Hälfte von ihnen wohnt zur Miete.

Was aber, wenn man diese berauschenden einmaligen Investitionen mal rechnerisch umlegt auf die Zeit, in der wir die gekauften Produkte nutzen - und schön längst alle Freude am Neuen verflogen ist? Dann ist das sehr bitter. Ich wiederhole: sehr.

Mir ist das kürzlich aufgefallen, als ich vergangene Woche einen zwölf Jahre alten Schreibtisch bei Ebay verscheuert habe. Anfang des Jahrtausends hatte das Ding 1100 Euro gekostet. Jetzt passte das kitschige italienische Ding mit seinen geschwungenen Messinggriffen nicht mehr in mein neues modernes Büro und musste einem schlichten Modell mit mehr Schubladen weichen.

Ein unerwartetes Geldgeschenk

Gerade mal 155 Euro konnte ich bei der Online-Versteigerung für den alten noch rauspressen. Einmal schön zu zweit schlemmen gehen. Sollte ich mich darüber freuen? Schließlich hatte ich die 1100 Euro schon im Jahr 2003 abgeschrieben. Die 155 Kröten waren also wie ein unerwartetes Geldgeschenk.

Andererseits: Der Tisch hatte mich in den vergangenen zwölf Jahren 945 Euro gekostet. Das waren € 78,75 pro Jahr, sprich € 6,56 pro Monat, also 22 Cent am Tag. 22 Cent. Zwölf Jahre lang habe ich Tag für Tag den Wert einer mittelgroßen Bio-Banane für meinen Schreibtisch hingeblättert!

Wenn mir jemand sagen würde: Du darfst jeden Tag meinen Schreibtisch benutzen, wenn du mir dafür immer eine mittelgroße Bio-Banane mitbringst, dann hätte ich gesagt: "Oje, das läppert sich. Dann kaufe ich mir lieber einen eigenen Tisch." Tja.

Und das war ja nur der Schreibtisch!

Für welche Luxusgüter Verbraucher online am liebsten Geld ausgeben

  • Rang 8

    Wohn- und Tischkultur: 24,4 Prozent

  • Rang 7

    Schreibgeräte: 28,2 Prozent

  • Rang 6

    Wein und Spirituosen: 37,0 Prozent

  • Rang 5

    Schmuck: 38,3 Prozent

  • Rang 4

    Kosmetik: 45,5 Prozent

  • Rang 3

    Uhren: 46,8 Prozent

  • Rang 2

    Mode und Accessoires: 57,8 Prozent

  • Rang 1

    Parfüm: 77,3 Prozent

Ich kam ins Rasen. Schweißgebadet irrte ich durch die Wohnung mit dem Taschenrechner in der zitternden Hand.

Überall stürzen plötzlich laufende Posten auf mich ein:

Da! Der Fernseher. Seit vier Jahren in Betrieb. Für täglich 82 Cent. Und da ist der Stromverbrauch noch nicht mal drin.

Oh Gott! Mein iPhone: Seit gut zwei Jahren kostet mich das Ding 93 Cent am Tag. Jenseits der Telefonrechnung.

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