Whistleblower: Lizenz zum Verpfeifen

Whistleblower: Lizenz zum Verpfeifen

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Thema Management

von Manfred Engeser

Der Europäische Gerichtshof schützt Mitarbeiter, die berechtigte Kritik an ihrem Arbeitgeber öffentlich machen. Und das ist gut so, findet WirtschaftsWoche-Redakteur Manfred Engeser.

15 000 Euro – so hoch ist die Entschädigung, die Brigitte Heinisch vom Europäischen Gerichtshof zugesprochen bekommt. Der Grund: Die 50-Jährige Krankenpflegerin war von ihrem Arbeitgeber, einem Berliner Pflegeheim, zu unrecht gekündigt worden, weil sie darauf aufmerksam gemacht hatte, dass das Pflegepersonal überlastet sei und deshalb unter anderem die hygienische Versorgung der Patienten nicht mehr möglich sei. Erst brachte sie ihre Hinweise intern vor, dann öffentlich per Flugblatt und Strafanzeige.

Kleines Geld, große Wirkung

15 000 Euro – eine eher symbolisch zu verstehende Summe, die aber große Wirkung haben wird – weil das Urteil des Europäischen Gerichtshofs grundsätzlich klar stellt: Das Recht auf freie Meinungsäußerung gilt mehr als die Notwendigkeit, den Ruf des Arbeitgebers zu schützen. Vulgo: Das Gericht erteilt die Lizenz zum Verpfeifen, neudeutsch Whistleblowing. Und das ist auch gut so.

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Zugegeben: Wer aus niederen Motiven handelt – persönlicher Rache, Geldgier, krimineller Energie – sollte sich auch künftig nicht unter dem Deckmäntelchen der Ethik verstecken dürfen.

Dass aber Whistleblower wie Brigitte Heinisch vor der Willkür ihrer Arbeitgeber geschützt werden, ist sinnvoll. Denn nur wer einen Missstand aus nächster Nähe erlebt, kann ihn wirklich beurteilen. Und darauf hinweisen - mit dem Ziel, diesen Missstand abzustellen. Erst intern. Und wenn das nicht hilft und die internen Kontrollen nicht greifen, eben mit Hilfe der Öffentlichkeit. Solche Leute gilt es zu schützen – zum Nutzen der Allgemeinheit.

Informationen von öffentlichem Interesse

Denn die von Brigitte Heinisch offengelegten Informationen über die mutmaßlichen Mängel bei ihrem Arbeitgeber waren, wie der EUGH zu Recht feststellt, „zweifellos von öffentlichem Interesse".

Und gerade große Skandale kommen nur mit Hilfe solcher redebereiten Insider ans Licht: LKW-Fahrer, die davon erzählen, dass sie Gammelfleisch transportieren. Krankenschwestern, die von untragbaren hygienischen Zuständen  im OP berichten. Oder Buchhalter, die darüber stolpern, dass Vorgesetzte die Renovierung des Privathauses über Firmenkonten abrechnen – zum Schaden der Aktionäre.

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