InterviewZukunftsforscher Opaschowski: "Krisen werden 2013 zum Alltag gehören"

30. Dezember 2012
von Mark Fehr

Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski verrät, mit welchem Neujahrsvorsatz wir wirtschaftlich am besten durchkommen und wie das Unwort des Jahres 2013 lauten wird.

WirtschaftsWoche Online: Welcher Neujahrsvorsatz wird uns am besten durch die Zukunft bringen?  

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Horst Opaschowski: Wir sollten Reserven für schlechte Zeiten bilden und Sicherheiten für Unvorhersehbares einplanen. Sicherheit hört auf, eine konservative Vokabel zu sein. Sicherheit wird sogar wichtiger als Freiheit. Nur wer sich absichert, kann frei sein.  

Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski Quelle: dpa/dpaweb
Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski erklärt, was die Welt 2013 erwartet Quelle: dpa/dpaweb

Wie funktioniert das Absichern?  

Für Verbraucher wird die Zukunftsvorsorge am wichtigsten sein, die sich aber immer weniger Leute leisten können. Auch das Rentenniveau ist auf Dauer nicht mehr sicher. Die Deutschen entwickeln daher ein neues Lebenskonzept, bei dem Gesundheit wichtiger ist als Geld und bei dem eine Jobgarantie mehr zählt als eine Gehaltserhöhung. Die persönliche Strategie wird lauten: Lieber gut leben als immer mehr haben.  

Wie wappnen sich Unternehmen für 2013?  

Viele Unternehmen müssen sich 2013 auf Nullwachstum einstellen. Angesichts der Schuldenkrise sinkt die Investitionsbereitschaft und breitet sich Kurzarbeit aus. "Outplacement" könnte zum Unwort des Jahres werden. Allerdings entdecken immer mehr Unternehmen die Qualität älterer Arbeitnehmer wieder. Die Silver-Worker sind als hochspezialisierte Wissensträger unverzichtbar, denn ohne sie würden die Unternehmen in Zukunft ihr Langzeitgedächtnis verlieren.  

Märkte von morgen

Wie kommen Arbeitnehmer mit der Unsicherheit klar?  

Die Leute haben gelernt, sich mit Dauerkrisen zu arrangieren und sind fast krisenresistent geworden. Für die Bürger werden auch 2013 Krisen zum Alltag gehören. Trotz weltweiter Finanz-, Wirtschafts- und Umweltprobleme wird die überwiegende Mehrheit der Deutschen weiterhin optimistisch in die persönliche Zukunft blicken.  

Also wird alles ganz toll?  

Nein, es gibt auch Schattenseiten. Weil die Unternehmen keine Arbeitsplatzgarantie mehr gewähren können, gibt es auch kaum noch Mitarbeiter, die der Firma zeitlebens die Treue halten oder Loyalität versprechen. Viele Arbeitnehmer werden zu Minijobbern mit zahlreichen Nebenbeschäftigungen. Immer mehr können von ihrem Haupteinkommen nicht mehr leben.  

Wie schützt man sich davor?  

Die Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt lässt das Private immer wichtiger werden. Die Familie wird zur wichtigsten Lebensversicherung. Sie ist vertraut und verlässlich, billig und barmherzig. In Krisenzeiten bauen Menschen auch auf Wahlverwandtschaften und Wahlfamilien, Freundeskreise und soziale Konvois, also lebenslange Begleiter bis ins hohe Alter. Das können auch nette Nachbarn sein. So schaffen sich die Bürger ihre eigene Wagenburg, halten zusammen und driften nicht mehr auseinander.  

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 29.12.2012, 11:06 UhrOldPlayer

    Zitat... Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde einmal gefragt, an welche Zeiträume sie beim Begriff Zukunft denke. Ihre Antwort: an die nächsten drei Monate. Würde sie heute noch mal gefragt, würde ihre Antwort vielleicht sogar lauten: an die nächsten drei Tage.....

    Wundert mich nicht. Unsere Führung hat null Planung und eiert vom einem Ereignis zu anderen. Statt agieren, reagiert man nur noch. Das ist genau der Weg, wo Europa sich abschafft.

  • 29.12.2012, 12:28 UhrEwiak

    Wo gehen wir hin? Eine antike Vision sagt: "Und [der König des Nordens] wird in sein Land zurückkehren mit einer großen Menge an Haben [1945], und sein Herz wird gegen den heiligen Bund sein [der staatliche Atheismus]. Und er wird handeln [dies bedeutet eine hohe Aktivität in der internationalen Arena] und in sein Land zurückkehren [1991-1993. Zerfall der Sowjetunion und des Warschauer Paktes. Die russischen Truppen kehren zurück in ihr Land]. Zur bestimmten Zeit wird [er] wiederkehren" (Daniel 11:28, 29a). Die Rückkehr Russlands in diesem Zusammenhang bedeutet finanz und geopolitischen Erdbeben, den Zerfall, - nicht nur der Euro-Zone, sondern auch der Europäischen Union und der NATO. Viele Länder des ehemaligen Ostblocks wird wieder in den russischen Einflussbereich zurückfallen.

    Dies wird die letzte Warnung vor dem Atomkrieg. (Daniel 11:29b, 30a; 4. Mose 24:23, 24; Matthäus 24:7; Offenbarung 6:4)

    Im Jahr 1882 besetzte England Ägypten und übernahm die Rolle des Königs des Südens. In etwa zur gleichen Zeit weitete Russland seinen Einflussbereich auf Gebiete aus, die zuvor Seleukos I. gehörten und übernahm damit die Rolle des "Königs des Nordens" (Daniel 11:27).

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