TV-Kritik: Quoten nein, Krippen jein, Ellbogen ja

TV-Kritik: Quoten nein, Krippen jein, Ellbogen ja

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Auch Bundesfamilienministerin Kristina Köhler (CDU) ist gegen eine Frauenquote.

Die ARD-Talkshow „Hart aber fair“ widmete sich gestern dem Thema Frauen in Führungspositionen – neue Erkenntnisse brachte die Sendung jedoch nicht.

Es ging ganz gut los: Anders als gewohnt übernahm nicht Frank Plasberg die erste Anmoderation, sondern seine Redakteurin Brigitte Büscher. Eigentlich ein hübscher Gedanke: Der ARD-Moderator überlässt seiner Mitarbeiterin ausgerechnet die Sendung über Frauen in Führungspositionen, noch dazu am Weltmännertag – löblich! Nach knapp 90 Sekunden folgte die Ernüchterung: Plasberg wechselte ans Mikrofon und dankte der Kollegin großherzig für die unfallfreie Einführung.

„Quoten, Krippen oder Ellbogen – was brauchen Frauen zum Erfolg?“, lautete das Thema der gestrigen „Hart aber fair“-Sendung. Nach der Sendung müsste die Antwort lauten: Quoten nein, Krippen jein, Ellbogen ja.

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Seit Monaten diskutieren Politik, Wirtschaft und Medien, warum in deutschen Unternehmen so wenig Frauen in Führungspositionen sind. Auch die WirtschaftsWoche behandelte das Thema ausführlich, erst im vergangenen Oktober warf WirtschaftsWoche-Reporterin Cornelia Schmergal einen Blick in Deutschlands neue Chefinnen-Etagen. Nun wollte sich auch noch Frank Plasberg des Themas annehmen.

In der öffentlichen Diskussion wird gerne Norwegen als Paradebeispiel für den Erfolg einer gesetzlichen Frauenquote angeführt. Wozu das führt, hatten Plasbergs emsige Rechercheure für einen Einspieler ausgegraben: Da das Gesetz nur für börsennotierte Unternehmen gilt, haben sich viele norwegische Konzerne von der Börse verabschiedet und drücken sich dadurch um die Quote. Zudem führt die Quote offenbar zu einer Cousinenwirtschaft – 70 Frauen besetzen in Norwegen 300 Posten. 

Konsens gegen die Quote

Und so rückten nach und nach alle Gäste von der Quote ab. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, die nach anfänglicher Nervosität immer souveräner wurde, lehnte sie ebenso vehement ab wie Trigema-Besitzer Wolfgang Gruppe, der sie als „Schmach für Frauen“ empfand. Die sollten doch lieber durch Leistung überzeugen.

Auch Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart wollte die Quote eher als Ziel für jedes Unternehmen verstanden sehen, um ein Bewusstsein für Frauenförderung schaffen – aber keinesfalls als staatliches Gesetz von oben.

Und so blieb es leider beim Austauschen der immer gleichen Argumente: Karriere muss nicht immer in Unternehmen stattfinden, sondern kann auch ein erfolgreiches Familienleben bedeuten. Frauen sind zu bescheiden und müssen fordernder auftreten. Unternehmen müssen eine Kultur schaffen, in der auch Frauen an die Spitze gelangen können.

Was der Runde fehlte, war eine echte Top-Managerin – etwa Barbara Kux, Mitglied im Vorstand von Siemens, oder Regine Stachelhaus, seit einigen Monaten E.On-Personalvorstand. Stattdessen durfte Marthe Glonner erzählen, wie gut sie ihren Job beim bayrischen IT-Dienstleister Genua und eine Familie mit Mann und zwei Kindern unter einen Hut kriegt. Leider blieb unerwähnt, dass ihr Arbeitgeber der 32-Jährigen dabei erheblich entgegen kommt: Der Mittelständler hat im September 2009 einen firmeneigenen Kindergarten eröffnet, in dem von 7.30 bis 18 Uhr etwa 30 Kinder betreut werden.

So glich die Sendung eher einem Kaffeekränzchen mit entfernten Verwandten: Alle tauschen sich aus, aber nachher erinnert sich kaum jemand noch an die Gespräche – bis vielleicht auf eine Aussage von Wolfgang Grupp. Als er ungefragt von seiner früheren Junggesellenzeit erzählte, verriet er gleichzeitig seine damalige Idealvorstellung seiner Zukünftigen: „Egal wie alt ich bin, meine Frau muss Anfang 20 sein.“

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