Unternehmenskommunikation: Klare Worte kommen besser an

Unternehmenskommunikation: Klare Worte kommen besser an

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Commerzbank-Chef Blessing

Unternehmen bemänteln schlechte Nachrichten oft mit hohlen Phrasen. Doch klare Worte kommen bei Mitarbeitern, Kunden oder Anlegern besser an als Schönfärberei.

Wer glaubt, für die Commerzbank ginge es erst jetzt wieder aufwärts, der irrt. Schon das Jahr 2008 ist blendend gelaufen! Das zumindest suggeriert der Geschäftsbericht. Auf den ersten Seiten nichts als Erfolgsmeldungen, in riesigen schwarzen Buchstaben: 574.000 neue Privatkunden, 37,4 Prozent Gewinnplus im Privatkundengeschäft und 51 Prozent Kundenzuwachs in Ost- und Mitteleuropa.

Wie war das noch mit der Finanzkrise und den 18,2 Milliarden Staatshilfe? Commerzbank-Chef Martin Blessing nennt es das „Jahr der großen Herausforderungen“. Denen hat sich die Commerzbank seinen Worten nach mühelos gestellt: „Unser auf Kunden fokussiertes Geschäftsmodell trägt auch in schwierigen Zeiten.“ Oder: „Unser operatives Kerngeschäft hat sich sehr gut entwickelt“, heißt es in seinem Brief an die Aktionäre.

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Die harte Realität taucht erst 190 Seiten später auf, im Pflichtteil des Geschäftsberichts: Trotz all der schönen Zahlen kommt bei den Aktionären leider so gut wie nichts an. In der Gewinn- und Verlustrechnung der Commerzbank steht ein Periodenergebnis von minus 4.485.000.000 Euro – klein gedruckt, versteht sich. 

Bittere Wahrheiten werden schön geredet

Schlechte Ergebnisse mit Pseudo-Erfolgen kaschieren oder Rettungsmaßnahmen kühn zur Strategie umdefinieren: In der Unternehmenskommunikation ist dies verbreitete Praxis. Je schwieriger die wirtschaftliche Lage, desto schlechter ist die inhaltliche Qualität von Geschäftsberichten im Allgemeinen, hat der Düsseldorfer Linguist Rudi Keller bei seinen Analysen in den vergangenen Jahren festgestellt.     

Quer durch alle Branchen werden bittere Wahrheiten weich gezeichnet, schön geredet oder vertuscht. Ausgerechnet Medienunternehmen, deren Aufgabe es ist, hinter die gelackten Fassaden zu blicken, machen da keine Ausnahme. Im Gegenteil: In Verlagen, denen die Werbeeinnahmen ebenso wegbrechen wie die Leser, erklären Manager den Mangel öffentlich zur Errungenschaft. Von einem „Freiraum für Kreativität“ floskelt der Chef des Jahreszeitenverlags Jan Pierre Klage: Künftig engagiere man fast nur noch freie Mitarbeiter. Dass zuvor 70 fest angestellte Redakteure entlassen werden – geschenkt.

Euphemistische Plattitüden

Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher vermeidet das Wort „Stellenstreichung“ auch gerne und spricht vorzugsweise von „Anpassungsmaßnahmen“ oder „punktuellen oder geschäftsspezifischen Maßnahmen“. Und wenn die Telekom Tausende neue Mitarbeiter einstellt und gleichzeitig ebenso vielen kündigt, übersetzt Personalvorstand Thomas Sattelberger das so: „Das Unternehmen balanciert damit weiter seine Altersstruktur aus und sorgt so für frischen Wind und frisches Know-how.“  

Wo immer es in Unternehmen darum geht, negative Folgen von Entscheidungen zu verschleiern, ertönt ein ähnliches Wortgeklingel: Bei Fusionen spricht man von Synergieeffekten statt von Arbeitsplatzverlusten. Einschnitte, die für die Betroffenen Härten bedeuten? Davon kann keine Rede sein. Kernkompetenzen werden gebündelt, nachhaltige Projekte realisiert, effiziente Prozesse implementiert, neue Umsatzpotenziale generiert, Profitabilität erzielt. Gut aufgestellt und fokussiert, immer im Dienste des Kunden, versteht sich.

Der Wunsch, schlechte Nachrichten unter den Teppich zu kehren, ist aus Psychologen-Sicht zutiefst menschlich. Jeder steht lieber auf der Siegerseite. Entsprechend lassen Erfolge sich leichter verkünden als Hiobsbotschaften. Wer Anderen schlechte Nachrichten überbringt, bereitet ihnen damit Schwierigkeiten – und grenzt sich selbst von der Gemeinschaft aus.

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